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Politik

Krankenhausreform soll ökonomischen Druck von den Häusern nehmen

Mittwoch, 22. Juni 2022

/NIKCOA, stock.adobe.com

Berlin – Die stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) hat die Bedeutung der anstehenden Krankenhausreform für die deutsche Gesellschaft betont.

„Die drei großen Krisen unserer Zeit – die Klimakrise, die COVID-19-Pandemie und der Krieg gegen die Ukra­i­ne – werden dazu führen, dass wir einen höheren Versorgungsbedarf bekommen – und einen anderen Versor­gungsbedarf“, sagte Kappert-Gonther gestern auf einem Parlamentarischen Frühstück des Deutschen Sozial­gerichtstags (DSGT) in Berlin.

Hinzu komme der Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege, der das System dazu zwinge, sorgfältig mit den Menschen umzugehen, die in der Versorgung arbeiten. „Dabei ist unser Gesundheitswesen nicht so gut, wie es sein könnte“, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. „Das liegt nicht daran, dass wir zu wenig Geld ins System bringen, sondern dass wir das Geld nicht so klug ausgeben, wie wir könnten.“

Denn heute würden zum Teil die falschen Patientinnen und Patienten behandelt, was zu einer Überversor­gung im System führe. „Das alles bedingt, dass es gar nicht anders geht, als eine Krankenhausstrukturreform jetzt anzugehen“, so Kappert-Gonther.

Krankenhäuser sollen mehr ambulante Leistungen erbringen

Vor kurzem hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Regierungskommission eingesetzt, die die verschiedenen Aspekte der Krankenhausreform vorbereiten soll. Der Leiter der Leitungsabteilung im Bun­desgesundheitsministerium (BMG), Boris Velter, erklärte, welche Änderungen das BMG anstrebt.

„Wir müssen das Verhältnis zwischen ökonomischer Notwendigkeit und Daseinsvorsorge neu austarieren“, sagte Velter. „Dafür muss die Politik Wege finden, um den ökonomischen Druck von den Krankenhäusern zu nehmen.“

Erneut stehe auch das große Thema der sektorenübergreifenden Versorgung auf der Agenda. „Bislang haben wir einiges versucht, um die Sektorengrenzen zu überwinden“, sagte Velter. „De facto ist das aber fast nicht ge­lungen.“ Eine Zusammenführung der Sektoren gelinge heute nur, wenn aktive Akteure vor Ort, die sich kennen, gut zusammenarbeiten.

Velter sprach sich dafür aus, mehr ambulante Leistungen im Krankenhaus zu erbringen: „Da gucken wir uns alle Patientinnen und Patienten an, die nur zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Das sind fast alles Diagnosen, die in anderen Ländern gar nicht im Krankenhaus behandelt werden.“ Die Ambulantisierung sei dabei auch die einzige Antwort auf den Fachkräftemangel im Krankenhaus.

Eine weitere Frage, mit der sich das BMG im Rahmen der Reform befasse, sei, wie die Patienten künftig in die richtigen Versorgungsbereiche gesteuert werden können, zum Beispiel in bestimmte Zentren.

Impulse für mehr Zusammenarbeit

Der Deutsche Sozialgerichtstag hat bei der Veranstaltung sieben Reformempfehlungen für ein robustes und menschliches Gesundheitswesen vorgelegt. Unter den Positionen „Zusammenführung der ambulanten Be­darfs­planung und Krankenhausplanung zu einer integrierten Versorgungsplanung“ und „Hürden für vernetzte, sektorenverbindende, interdisziplinäre Versorgung abbauen und ambulantisierte Leistungen im Krankenhaus stärker“ geht es darin ebenfalls um die Zusammenführung der beiden Versorgungsbereiche.

„Die Sektorengrenze ist historisch gewachsen“, sagte Dominik Roters vom DSGT. Die beiden Systeme ständen heute allerdings in Konkurrenz zueinander. Das Patientenwohl stehe dabei nicht in jedem Fall im Mittelpunkt. „Wir brauchen Impulse, die die Player dazu bringen, zusammenzuarbeiten und keine Impulse, ihre Claims zu sichern“, sagte Roters.

Im Rahmen der Planung einer Integrierten Versorgung müsse die Versorgung vor Ort betrachtet werden. „Wenn es jetzt schon eine regionale Unterversorgung gibt, weil der ambulante Bereich die Versorgung nicht schultern kann, ist es Zeit, die Krankenhäuser der Region zu öffnen, um ambulante Leistungen anbieten zu können“, meinte Roters. In einer weiteren Position betont der DSGT, es seien Versorgungsstufen und eine Strukturfinanzierung des Bun­des notwendig.

Auch Kappert-Gonther sprach sich dafür aus, dass der Bund Vorgaben zu den notwendigen Versorgungsange­bo­ten macht. Denn die regionalen Unterschiede in der Krankenhausversorgung in Deutsch­land seien heute nicht schlüssig. „Es gibt Regionen, in denen Menschen zu weit fahren müssen, um in einem Krankenhaus be­handelt werden zu können“, sagte sie. Und es gebe Bereiche, wo gleichsam an jeder Ecke ein Krankenhaus stehe.

„Mit diesem Problem können wir die Regionen nicht alleine lassen. Denn es macht den Menschen auch Angst, wenn ein Krankenhaus geschlossen werden soll“, sagte die Grünenpolitikerin. „Wir müssen deshalb bundes­weit definieren, welche Angebote wir brauchen und wo wir sie brauchen. Wie die Regionen die Bedarfe füllen, sollten wir hingegen den Regionen überlassen.“

Auch der Bereich der Prävention müsse von der Politik viel ernster genommen werden als bisher, sagte Kap­pert-Gonther. Der DSGT forderte ebenfalls, die Prävention als zentrale Säule des Gesundheitssystems zu etab­lieren. „Viele stationär behandlungsbedürftige Krankenhausfälle könnten durch bewusste Gesundheitsför­de­rung verhindert beziehungsweise verzögert werden“, heißt es in der entsprechenden Position.

Der Deutsche Sozialgerichtstag ist ein interdisziplinärer Fachverband, dem unter anderem Richter, Rechtsan­wälte sowie Medizinische Sachverständige angehören. Der DGST begleitet aktuelle Gesetzgebungsverfahren und unterstützt die einheitliche Rechtsanwendung. © fos/aerzteblatt.de

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