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Mindestpreise für Alkohol können starke Trinker schützen

Dienstag, 21. Juni 2022

/ronstik, stock.adobe.com

Kopenhagen – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht sich für Mindestpreise für alkoholische Ge­tränke in Europa stark. Die WHO-Region Europa sei diejenige mit dem höchsten Anteil an durch Alkohol­kon­sum verursachten Todesfällen weltweit – etwa zwölf Prozent bei Männern und acht Prozent bei Frauen, erklärte das in Kopenhagen sitzende Regionalbüro der Organisation in einem heute veröffentlichten Bericht.

Der übermäßige Konsum führe zu erhöhten Gesundheitsausgaben sowie indirekten Kosten durch Einkom­mens- und Produktivitätsverluste. Mindestpreise für Alkohol und eine gezielte Besteuerung gehörten zu den wirksamsten und kostengünstigsten Maßnahmen, um den Alkoholkonsum und seine gesundheitsschädlichen Folgen zu reduzieren, betonten die Experten in ihrem Bericht.

Dennoch werde von einer Mindestbepreisung in Europa und der Welt noch immer viel zu wenig Gebrauch gemacht. Dabei könne ein Mindestpreis vor allem den Zugang zu billigem Alkohol beschränken, der beson­ders mit starkem Alkoholkonsum verbunden werde. Der WHO-Bericht trägt den Titel „Kein Platz für billigen Alkohol: Der potenzielle Wert von Mindestpreisen zum Schutz von Menschenleben“.

Darin lässt die Organisation keinen Zweifel daran, dass sie eine Mindestbepreisung und Besteuerung von Al­ko­hol für äußerst effektiv im Kampf gegen Alkoholismus und seine Folgen für die Gesundheit hält. Besonders einen Mindeststückpreis (minimum unit price, MUP), bei dem ein Niveau festgelegt wird, unter dem eine be­stimmte Menge Alkohol nicht verkauft werden darf, hält die WHO für sinnvoll.

Da diese Maßnahme an den Alkoholgehalt eines Getränks gekoppelt ist, wird der Preis für stärkere Spiritu­o­sen immer höher liegen als bei alkoholärmeren Getränken. Damit handle es sich um den wirksamsten Ansatz gegen billige, hochprozentige Getränke, die am stärksten mit größeren Alkoholschäden in Verbindung ge­bracht würden, so die WHO. Dies sei besonders wichtig zum Schutz von stärkeren Trinkern, vor allem den­jenigen aus einkommensschwachen Schichten.

„Mindestpreise stellen einen wirksamen Ansatz dar, um Alkoholkonsum und -schäden zu reduzieren“, sagte der am Bericht beteiligte Wissenschaftler Colin Angus von der Universität Sheffield. Ihr Hauptvorteil liege darin, dass sie auf billige, hochprozentige Produkte abzielten und somit gerade stärkere Trinker schützen könnten.

Die WHO zählt 53 Länder zur Region Europa, darunter neben der EU auch weite Teile Osteuropas und Zentral­asiens. Nur in elf der Staaten gebe es in irgendeiner Form einen Mindestpreis auf bestimmte alkoholische Getränke, die meisten davon auf Wodka und andere hochprozentige Spirituosen – Deutschland zählt nicht dazu, aus der EU nur Irland und die Slowakei. Durchschnittlich lag der Mindestpreis in diesen elf Staaten 2020 bei zwei bis fünf Dollar pro Liter Bier, bei fünf bis 12,50 Dollar pro Liter Wein und 12,50 bis 40 Dollar pro Liter Wodka.

Die Mindestbepreisung von Alkohol ist den WHO-Experten zufolge eine Maßnahme, die gemeinsam mit an­deren Instrumenten wie Alkoholsteuern ihre bestmögliche Wirkung entfalten könnte. „Es ist keine Wunder­waffe, sondern ein weiteres wirksames Werkzeug im Arsenal der politischen Entscheidungsträger, um alko­holbedingte Schäden anzugehen“, sagte Angus.

In allen Ländern Europas gibt es dem Bericht zufolge irgendeine Form von Alkoholsteuer. Doch oft werde sie nicht so umgesetzt, dass sie wahrscheinlich zur Gesundheit der Bevölkerung beitrage. Die Mehrheit der Län­der passten die Alkoholsteuern zudem nicht an die Inflation an – das bedeutet laut WHO letztlich, dass der Alkohol mit der Zeit billiger wird.

Deutschland justiert den Steuersatz für Bier, Wein, Spirituosen und andere alkoholische Getränke laut WHO-Auflistung dagegen regelmäßig, um mit der Inflation und Lohnerhöhungen Schritt zu halten – anders als etwa die deutschen Nachbarstaaten Dänemark, Polen, Schweiz und Niederlande.

Alkohol ist nach WHO-Angaben weltweit für schätzungsweise drei Millionen Todesfälle pro Jahr verantwort­lich, fast eine Million davon in der WHO-Region Europa. Anders formuliert: In Europa sterben jeden Tag rund 2500 Menschen aufgrund von Alkoholkonsum. © dpa/aerzteblatt.de

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