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Medizin

Wiederholte schwere Atemwegsinfektionen im Kindesalter können Lungen lebenslang schädigen

Donnerstag, 23. Juni 2022

/yodiyim, stock.adobe.com

Melbourne – Kinder, die in den ersten 7 Lebensjahren wiederholt an einer schweren Bronchitis erkrankt waren, litten in einer prospektiven Langzeitstudie im Alter von 53 Jahren häufiger an Asthma oder Lungenentzündungen, wobei sich laut dem Bericht in BMJ Open Respiratory Medicine (2022; DOI: 10.1136/bmjresp-2022-001212) die Lungenfunktion in einem Aspekt paradoxerweise verbessert hatte.

Die „Tasmanian Longitudinal Health Study“, früher auch als „Tasmanian Asthma Study“ bezeichnet, ist die weltweit größte Studie zur Lungengesundheit mit der längsten Nachbeobachtungszeit.

Die Studie begleitet 8.583 Einwohner des Geburtsjahrgangs 1961 aus Tasmanien seit ihrer Einschulung im Jahr 1968. Tasmanien gehörte damals zu den ärmsten Regionen Australiens und der Gesundheitszustand der Bevölkerung war schlecht. Etwa die Hälfte der Kinder litt damals nach Angaben der Eltern unter einer „chronischen Bronchitis“. Gemeint waren häufige Erkältungen mit „feuchtem“ Husten oder Auswurf verbunden mit Atemgeräuschen.

Dabei wurden 3 Schweregrade unterschieden: Kinder mit bis zu 5 Episoden (nicht-rezidivierende Bronchitis), Kinder mit 6 oder mehr Episoden, die weniger als 1 Monat dauerten (rezidivierende Bronchitis) und Kindern mit 6 oder mehr Episoden, die jeweils 1 Monat oder länger anhielten (protrahierte Bronchitis).

Eine eingehende ärztliche Untersuchung fand damals nicht statt. Jennifer Perret von der Universität Melbourne geht allerdings heute davon aus, dass die Kinder nicht nur unter viralen Infektionen gelitten haben. Auch schwere bakterielle Bronchitiden waren damals in Tasmanien verbreitet.

Etwa 42 % der Teilnehmer der Studie wurden zuletzt im Alter von 53 Jahren untersucht, wobei auch Lungenfunktionstests durchgeführt wurden. Wie Perret und Mitarbeiter berichten, waren die Erwachsenen, die als Kinder unter Bronchitiden gelitten hatten, häufiger an Asthma erkrankt.

Das Erkrankungsrisiko war „dosisabhängig“: Kinder mit nicht-rezidivierender Bronchitis litten als Erwachsene zu 48 % häufiger unter Asthma (Odds Ratio OR; 1,48; 95-%-Konfidenzintervall 1,14 bis 1,92). Nach einer rezidivierenden Bronchitis, war das Risiko mehr als doppelt so hoch (OR 2,44; 1,85-3,21) und nach einer protrahierten Bronchitis sogar mehr als 4-fach erhöht (OR 4,54; 2,31-8,91).

Kinder mit einer Bronchitis erkrankten später auch häufiger an einer Pneumonie, wobei auch hier die Odds Ratio dosisabhängig mit dem Schweregrad der Bronchitis anstieg. Erwachsene mit einer protrahierten Bronchitis erkrankten später mehr als 3 Mal so häufig an einer Pneumonie (OR 3,19; 1,66-6,14).

In der Lungenfunktionsdiagnostik war ein Trend zu einer Verschlechterung etwa im Tiffeneau-Test (FEV1) oder im Tiffeneau-Pinelli-Index (FEV1/FVC) erkennbar, was auf eine obstruktive Störung passend zur Asthmadiagnose hinweist. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Paradoxerweise hatten die Erwachsenen mit schweren Bronchitiden in der Kindheit einen erhöhten Kohlenmonoxid-Transferfaktor, der auf einen erleichterten Gasaustausch hindeutet. Eine mögliche Erklärung wären Kurzschlussverbindungen („broncho-pulmonale Anastomosen“), zu denen es manchmal bei Bronchiektasien kommt.

Bronchiektasien sind Erweiterungen der mittelgroßen Atemwege, zu denen es bei Kindern nach schweren Atemwegsinfektionen kommen kann. Da bei den Teilnehmern der „Tasmanian Longitudinal Health Study“ keine radiologischen Untersuchungen durchgeführt wurden, konnte diese Vermutung nicht überprüft werden. © rme/aerzteblatt.de

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