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Politik

Wegen finanzieller Bundeshilfe ging es den Krankenhäusern besser

Donnerstag, 23. Juni 2022

/Monkey Business, stock.adobe.com

Berlin – Die Ausgleichszahlungen des Bundes an die deutschen Krankenhäuser während der COVID-19-Pan­demie haben dazu geführt, dass es den Krankenhäusern im Jahr 2020 finanziell deutlich besser ging als im Jahr davor. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2022 hervor, der heute auf dem Hauptstadtkon­gress in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach befanden sich im Jahr 2020 noch sieben Prozent der Krankenhäuser im sogenannten roten Bereich, der ein erhöhtes Insolvenzrisiko beschreibt. Im Vorjahr waren es noch 14 Prozent gewesen. Demgegenüber befanden sich 2020 68 Prozent der Häuser im grünen Bereich, der ein geringes Insolvenzrisiko anzeigt. Im Vorjahr waren es 60 Prozent gewesen.

Die Zahl der Krankenhäuser, die auf Konzernebene einen Jahresverlust geschrieben haben, sank zudem von 34 Prozent im Jahr 2019 auf 28 Prozent im Folgejahr. Besonders verbessern konnten sich kleinere Krankenhäuser, Einrichtungen mit unterdurchschnittlicher Fallschwere und Häuser kommunaler sowie freigemeinnütziger Träger.

So stieg das Ebitda, das das Betriebsergebnis eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen oder Steuern zeigt, bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern zwischen 2019 und 2020 um 1,5 Prozentpunkte sowie bei den kommunalen Krankenhäusern um 0,91 Prozentpunkte. Bei den Krankenhäusern privater Träger ging es hin­gegen um 0,92 Prozentpunkte zurück.

Maßgeblich für die bessere wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser seien allerdings keine langfristig wirk­samen strukturellen Veränderungen gewesen, sondern die Ausgleichszahlungen und andere Hilfen von Bund und Ländern im Rahmen der COVID-19-Pandemie, erklärten die Herausgeber des Reports.

In diesem Zusammenhang betonte Sebastian Krolop von der Healthcare Information and Management Sys­tems Society (HIMSS), einer der Autoren des Reports, dass Deutschland – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – noch nie so viel Geld für die Gesundheit ausgegeben habe wie 2020. „Die Gesundheitsausgaben haben mit 13 Prozent des BIP eine neue Höchstmarke erreicht“, sagte Krolop.

Bettenauslastung bei 67 Prozent

Die Fallzahlen in den Krankenhäusern gingen im Jahr 2020 wegen der Coronapan­demie um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. „In der Folge sank die Bettenauslastung von 77 Prozent im Jahr 2019 auf 67 Prozent im Folgejahr“, erklärte Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, einer der Autoren des Reports. Dieses Niveau habe sich auch in den Jahren 2021 und 2022 gehalten.

Der Casemix sank dabei weniger deutlich als die Fallzahlen: zwischen 2019 und 2021 um 7,8 Prozent, wie Krolop erklärte. Dies zeige, dass es in den Krankenhäusern heute weniger leichte Fälle gebe.

Investitionsmittel bleiben zu niedrig

Auch im Jahr 2020 überwiesen die Bundesländer ihren Krankenhäusern wieder deutlich weniger Investitions­mittel, als diese zum Erhalt ihrer Unternehmens­substanz benötigt hätten. Zwar stiegen die Fördermittel um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 3,27 Milliarden Euro an.

Um ihre Unternehmenssubstanz zu erhalten, bräuchten die Krankenhäuser dem Report zufolge jedoch Inves­titionsmittel in Höhe von sieben bis acht Prozent ihrer Erlöse. Tatsächlich erhielten sie 3,4 Prozent.

„Besonders stark war dieser Substanzverzehr bei den ostdeutschen Kranken­häusern, die sich – von einer sehr guten Unternehmenssubstanz kommend – dem niedrigen Niveau der westdeutschen Krankenhäuser immer weiter annähern“, erklärten die Herausgeber des Reports.

Der Krankenhaus Rating Report zeigte auch in diesem Jahr langfristige Trends auf. So habe die Auswertung von Jahresabschlüssen aus den Jahren 2007 bis 2020 ergeben, dass ostdeutsche Krankenhäuser finanziell deutlich besser daständen als westdeutsche.

Am schlechtesten fiel das Rating dabei für Krankenhäuser in Baden-Württemberg und Hessen aus. Zu den langfristigen Trends gehört ebenfalls, dass Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft beim Rating und bei der Ertragslage deutlich besser abschnitten als kommunale.

Einen Grund dafür nannte Krolop bereits vor einigen Jahren: „Je reicher die Kommune ist, desto unwirtschaft­licher ist oft das Krankenhaus.“ Denn die reichen Kommunen seien viel eher in der Lage, ein unwirtschaft­li­ches Krankenhaus zu subventionieren, um es nicht schließen oder umstrukturieren zu müssen.

Ein signifikant besseres Rating und eine bessere Ertragslage hatten dem aktuellen Report zufolge zudem Krankenhäuser mit einem mittleren und hohen Spezialisierungsgrad sowie Einrichtungen mit einem höheren Casemixindex.

Strukturwandel könnte Krankenhäuser stabilisieren

In einer Projektion haben die Autoren des Krankenhaus Rating Reports versucht darzustellen, wie die finan­zi­elle Lage der Krankenhäuser im Jahr 2030 aussehen könnte. Dafür haben sie angenommen, dass die Fallzah­len nicht wieder zu dem Niveau des Jahres 2019 zurückkehren, sondern bis 2030 nur leicht um sieben Prozent im Vergleich zu 2020 steigen.

„In dieser Situation käme es zu einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Kranken­häuser“, erklärten die Herausgeber. „Etwa drei Viertel schrieben dann schon im Jahr 2023 Verluste und 2030 betrüge das durchschnittliche Jahresergebnis minus acht Prozent.“ Bei kontinuierlichen Struktur- und Prozes­s­optimierungen sowie einer Anpassung der Krankenhauska­pazitäten an das neue niedrigere Leistungsniveau könnte sich die Lage bis 2030 dagegen stabilisieren.

Mehr Effizienz im System

Augurzky betonte, dass Deutschland auf Zeiten großer Veränderungen zulaufe. Dazu zähle zum Beispiel die Beschleunigung des demografischen Wandels, zu der wachsende Gesundheitsbedarfe, ein enormer Fachkräf­te­mangel und Defizite der Sozialversicherungen gehörten.

Die medizinisch-technischen Veränderungen führten zudem zu mehr Ambulantisierung, Spezialisierung und Digitalisierung. Und globale Krisen wie die Coronapandemie oder der Klimawandel führten unter anderem zu einer Verteuerung von Produkten.

„Weil die Bedarfe stärker steigen als die personellen und finanziellen Ressourcen, droht eine Rationierung“, erklärte Augurzky. „Dieses Problem können wir nur über mehr Effizienz im System lösen.“ Dazu müsse zu­nächst ein Zielbild formuliert und dann die finanziellen Anreize so ausgestaltet werden, dass die Akteure versuchen, dieses Zielbild zu erreichen.

Hybrid-DRGs und regionale Vorhaltebudgets

Als Handlungsoptionen nannte Augurzky die Einführung von Hybrid-DRGs, die auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgeführt sind. Diese „bezahlen Leistungen, die aus Vergütungsgründen bislang stationär erbracht wurden, die aber ambulant hätten durchgeführt werden können“, so die Herausgeber des Rating Reports. Wichtig sei es, solche Hybrid-DRGs an Voraussetzungen an die Infrastruktur und das Personal zu knüpfen.

Eine weitere Option sei die Einführung von regionalen Vorhaltebudgets für medizinische Leistungsgruppen. „Plausibel erscheint eine Aufteilung des bundesweiten DRG-Erlösvolumens (inklusive der Pflegepersonalkos­ten) in ein Drittel für mengenunabhängige regionale Vorhaltebudgets und zwei Drittel für die Residual-DRG“, erklärten die Herausgeber.

Zudem solle die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangebracht werden. Dazu gehöre, telemedizinische Leistungen, Videosprechstunden, Telekonsile, Telemonitoring und telenotärztliche Versorgung regelhaft zu ermöglichen.

Die Ergebnisse des Krankenhaus Rating Reports fußen auf 540 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2019 und 544 Abschlüssen aus dem Jahr 2020. Der Report wird gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) erstellt. © fos/aerzteblatt.de

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