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Politik

Diskussion über die Arztpraxis der Zukunft

Freitag, 24. Juni 2022

/tomertu, stock.adobe.com

Berlin – Die Ärzte von morgen wünschen sich eine Arbeit in interdisziplinären und interprofessionellen Teams sowie ausreichend Zeit für die Familie und die Freizeit. Das betonte die Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd), Miriam Wawra, bei der Veranstaltung „Die Arztpraxis der Zukunft“ gestern auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.

So hätten bei dem Berufsmonitoring 2018 42,7 Prozent der 13.915 teilnehmenden Medizinstudierenden erklärt, ihnen sei Familie und Freizeit sehr wichtig. Beruflicher Erfolg war hingegen nur 11,6 Prozent sehr wichtig.

68,2 Prozent der Studierenden erklärten zudem, sie begrüßten die Übertragung von ärztlichen Aufgaben an andere medizinische Berufsgruppen. 2014 hatten noch 50,6 Prozent diese Aussage gemacht.

Darüber hinaus gebe es viele Medizinstudierende, die sich vorstellen könnten, als Angestellte zu arbeiten, sagte Wawra. Der Berufsmonitor wird unter anderem vom bvmd und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhoben.

Mehr Patienten in Einzelhaushalten

Auch die Digitalisierung sei ein Thema, das Einfluss auf die Arztpraxis der Zukunft habe, betonte Bernhard Gibis von der KBV. Dabei seien digitale Erfolge besonders bei notwendigen Prozessen sichtbar, die vorher schlecht liefen oder die es ohne Digitalisierung nicht gab.

Schwieriger sei die Ablösung funktionierender, etablierter Prozesse. Gibis erklärte, dass die KBV die Einfüh­rung innovativer Digitalprodukte seit 2018 im Rahmen der KBV-Zukunftspraxis begleite. Neben der Digita­li­sierung gehörten zu den Megatrends, dass die Zahl der Ärztinnen in der Versorgung zunehme und dass die Patienten der Zukunft vermehrt in Einzelhaushalten lebten.

Neue Versorgungsmodelle auf dem Land

Julian Kley von Avi Medical wies darauf hin, dass sich das deutsche Gesundheitswesen auf eine immense Versorgungslücke zubewege: „Der Versorgungsbedarf steigt, aber die ärztlichen Kapazitäten nehmen ab.“ Avi Medical ist ein Start-up, das dieser Entwicklung mit einer Erhöhung der Effizienz in der Patientenversorgung begegnen will. Das Unternehmen übernimmt Arztsitze und strukturiert die Versorgung der Patienten um, zum Beispiel mithilfe von Patientenakten und Apps.

„Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass jeder Patient von einem Arzt gesehen wird und die Medizinische Fachangestellte (MFA) nur eine Zuträgerin ist. Das ist ein Auslaufmodell“, sagte Kley. Künftig könnten auch MFA oder Physician Assistants mehr Aufgaben in der Patientenversorgung übernehmen.

„Wir finanzieren jetzt einer MFA, die bei uns angestellt ist, ein Bachelorstudium und schauen, welche Auf­gaben sie danach in welcher Form übernehmen kann“, berichtete Kley. Dabei gebe es eine Matrix von ver­schiedenen Optionen, wie ein Patient behandelt werden könne. Im Idealfall suche man sich die für den jeweiligen Patienten passende aus.

Zudem müsse man über neue Versorgungsmodelle auf dem Land nachdenken. „Es ist nicht einfach, Ärztinnen und Ärzte in eine strukturschwache Region zu bekommen“, sagte Kley. „Eine Option wäre ein Rotationsmodell, bei dem die Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel in Berlin wohnen und arbeiten und dann einmal pro Woche nach Brandenburg hinausfahren, um die Patienten dort zu versorgen.“ © fos/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #722321
Hennighausen
am Samstag, 25. Juni 2022, 22:38

alles richtig gedacht, auch vorausschauend, aber ohne Investoren wird es nicht laufen.

Alles richtig gedacht, auch vorausschauend, aber ohne Investoren oder die öffentliche Hand wird es nicht laufen. Und es ist nicht sicher, ob sich die derzeitigen ärztlichen Einkommen halten lassen (in der Einzelpraxis sitzt man abends da und prüft die Abrechnungsziffern, damit auch kein Euro verloren geht, und fährt, wenn notwendig, am Sonnabend Hausbesuche)
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