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Ausland

EU-Parlament stimmt gegen strengere Regeln beim Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Donnerstag, 23. Juni 2022

/Peter Hermes Furian, stock.adobe.com

Brüssel – Die Mehrheit der europäischen Abgeordneten ist dagegen, den Einsatz von Antibiotika in der Tier­haltung weiter einzuschränken. Basierend auf dem im vergangenen Herbst vom EU-Parlament bestätigten Delegierten Rechtsakt zur Festlegung von Kriterien für die Kategorisierung von Antibiotika hatte die EU-Kommission zwischenzeitlich eine Liste zu Reserveantibiotika vorgelegt, die von der Europäischen Arznei­mittelagentur (EMA) erarbeitet wurde.

Ein entsprechender Einspruch des Umwelt- und Gesundheitsausschusses (ENVI) gegen diese Liste ist in der heutigen Sitzung des Parlaments gescheitert. „Die Zurückweisung dieses Einspruchs gegen die EU-Kommis­sion ist ein Lobby-Sieg und eine Niederlage für den Schutz menschlicher Gesundheit“, sagte Tiemo Wölken, gesundheitspolitischer Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion und Ko-Initiator der Resolution.

Ziel des Einspruchs sei es gewesen, den massiven Einsatz von Antibiotika, einschließlich Reserveantibiotika, in der kommerziellen Tierhaltung einzudämmen, um das Risiko von Antibiotikaresistenz zu minimieren. „Diese Liste ist nicht zielführend und lässt den Eindruck entstehen, dass Geschäftsinteressen Vorrang vor der Ge­sund­heit von Mensch und Tier haben", so Wölken.

Ebenfalls enttäuscht von der Entscheidung des Parlaments äußerte sich der Europaabgeordnete Peter Liese (CDU). „Ich glaube, die Kommission hat hier keine gute Arbeit geleistet“, sagte der Gesundheitsexperte dem Deutschen Ärzteblatt.

Im Wesentlichen würden nur Antibiotika in der Tiermedizin verboten, die ohnehin nicht zum Einsatz kämen. „Das ist nicht das, was wir uns in der letzten Legislaturperiode bei der Verabschiedung des Basisrechtsakts vorgestellt haben“, sagte er.

Laut Liese sterben 33.000 Menschen in der EU jährlich an antibiotikaresistenten Keimen. „Wir als Human­me­diziner müssen uns immer wieder klarmachen, dass viele dieser Todesopfer auf den unkritischen Einsatz in der Humanmedizin zurückgehen und sollten die Tiermedizin nicht einseitig ins Visier nehmen“, betonte der Politiker.

Aber es gäbe ein Problem in der Tiermedizin und das sei leider nach der heutigen Abstimmung nicht gut genug gelöst. „Unabhängig davon brauchen wir unbedingt einen Rechtsrahmen zur Förderung innovativer Antibiotika“, so Liese. © hil/sb/aerzteblatt.de

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