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Politik

Krankenhäuser haben mehr Personal eingestellt

Freitag, 24. Juni 2022

/picture alliance, Danny Gohlke

Berlin – Von 2019 auf 2020 ist die Zahl der Mitarbeitenden in deutschen Krankenhäusern angestiegen: im ärztlichen Dienst von 168.000 auf 171.000 Vollkräfte und im pflegerischen Dienst von 345.000 auf 363.000. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2022 hervor, der gestern auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt wurde.

Auch in den Vorjahren haben die Krankenhäuser mehr Personal eingestellt. So stieg die Anzahl sozialversiche­rungspflichtig Beschäftigter im Gesundheitswesen dem Report zufolge zwischen 2015 und 2021 um 15 Pro­zent, in Krankenhäusern um zwölf Prozent.

Allein im Pflegedienst erhöhte sich die Zahl der Vollkräfte zwischen 2019 und 2020 um 4,2 beziehungsweise um 5,0 Prozent. Gleichzeitig kam es zu einem Abbau im Funktionsdienst. Dies deute darauf hin, dass es zu Ver­schiebungen zwischen den Dienstarten aufgrund der im Jahr 2020 eingeführten Selbstkosten­deckung für die Pflegepersonalkosten gekommen ist, erklärten die Herausgeber des Reports.

Outsourcing im nichtmedizinischen Dienst

Auch auf lange Sicht stieg die Zahl der Beschäftigten im Krankenhaus deutlich an. Zwischen 1999 und 2020 nahm die Zahl der Vollkräfte im ärztlichen Dienst um 63.000 beziehungsweise um 58,8 Prozent zu, während die Zahl der Pflegekräfte um rund 28.000 beziehungsweise 8,4 Prozent stieg. „Eine Zunahme um 29,6 Prozent war beim medizinisch-technischen Dienst und um 34,4 Prozent beim Funk­tionsdienst festzustellen“, heißt es im Krankenhaus Rating Report.

Ein erheblicher Rückgang sei dagegen bei den nicht me­dizinischen Diensten zu verzeichnen (-24,4 Prozent) gewesen, darunter klinisches Hauspersonal, Wirtschafts- und Versorgungsdienste, technischer Dienst, Verwal­tungsdienst und Sonderdienst. Dies untermauere die Vermutung, „dass in den medizinfernen Bereichen Outsourcing eine große Rolle spielt.“

Die jährliche Zunahme der Zahl der Vollkräfte im ärztlichen Dienst habe zwischen 1999 und 2020 bei 2,2 Pro­zent gelegen. „Vor allem die Umsetzung von neuen Arbeitszeitgesetzen seit 2004, die Begrenzung der Regel­ar­beitszeit und die stärkere Berücksichtigung der Bereitschaftsdienste als Regelarbeitszeit dürften einen bedeutenden Anteil daran gehabt haben“, erklärten die Autoren des Reports.

Mehr ausländische Beschäftigte

„Im Pflegedienst waren die Jahre 1999 bis 2007 durch einen Stellenabbau gekennzeichnet, der bereits 1994 nach Aussetzung der Pflegepersonalregelung entstanden ist; ab 2008 begann dagegen eine Phase des Auf­baus“, heißt es weiter.

„Bis 2007 wurden im Durchschnitt jährlich 1,4 Prozent der Stellen abgebaut, seitdem pro Jahr 1,5 Prozent aufgebaut.“ Beachtlich sei die Zunahme der Zahl der Pflegekräfte, die aus der Altenpflege gekommen seien. Zwischen 2018 und 2020 sei ihre Zahl um 61 Prozent gestiegen.

„Eine größere Zunahme verzeichnete der Anteil ausländischer Beschäftigter an den sozialversicherungs­pflichtig Beschäftigten“, heißt es im Report. „In Kranken­häusern nahm ihr Anteil von 6,1 Prozent im Jahr 2005 auf 10,0 Prozent im Jahr 2021 zu. In Pflegeheimen hat sich ihr Anteil von 6,4 Prozent auf 12,8 Prozent ver­doppelt. Dem Fachkräftemangel wirken die Einrichtungen im Gesundheits­wesen somit vermehrt mit aus­ländischen Fachkräften entgegen.“

Aufgrund der stark gesunkenen Zahl an Fällen bei gleichzeitig wachsender Zahl an Vollkräften sei die Arbeitsproduktivität – gemessen als Casemix je Vollkraft – im Jahr 2020 um 16 Prozent gesunken. Teilweise sei der Rückgang dabei durch pandemiebedingte Zusatzarbeit erklärbar.

Mehr Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit

Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums Darmstadt, Nawid Khaladj, wies angesichts der Zahlen aus dem Report darauf hin, dass verschiedene Entwick­lungen der vergangenen Jahre dazu geführt hätten, dass die tatsächlich zur Verfügung stehende Arbeitszeit der Mitarbeitenden gesetzlich eingeschränkt werde. Dazu zählten zum Beispiel die Regelungen zu den Bereitschaftsdiensten, die in den neuen Tarifverträgen des Marburger Bundes enthalten sind, sagte Khaladj auf dem Hauptstadtkongress.

Auch die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung sei verschärft und erweitert worden. Rechnerisch stünden im Jahr 2022 dadurch 20 Prozent weniger Intensiv­kapazitäten zur Verfügung als 2021. Das MDK-Reformgesetz mit den sehr strikten Begutachtungsleitfaden des Medizinischen Dienstes Bund für die Strukturmerkmale stelle die Kliniken vor völlig neue Herausforderungen.

Die Autoren des Krankenhaus Rating Reports erklärten zudem, dass der Anteil der in Teilzeit beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren zugenommen habe: im ärztlichen Dienst der Krankenhäuser zwischen 2004 und 2020 von zwölf auf 29 Prozent.

Zahl der Auszubildenden steigt

„Trotz der Zunahme der Zahl an Vollkräften in den medizinischen Diensten in den Krankenhäusern sind nach wie vor zahlreiche Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen nicht besetzt“, heißt es weiter im Report.

„Die Anzahl der offenen Stellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind, ist seit 2007 kontinuier­lich gestiegen. Die stärkste Zunahme weisen die gemeldeten Stellen der Arzt- und Zahnarztpraxen mit 539 Prozent auf. In Krankenhäusern betrug die Zunahme 354 Prozent.“

Seit 2019 sei im Gesundheitswesen eine starke Zunahme in der Anzahl an Auszubildenden zu beobachten. „Während 2015 bis 2018 die Anzahl der Auszubildenden zwischen 138.000 und 144.000 lag, waren es 2021 bereits über 179.000 (+ 30 Prozent)“, schreiben die Autoren des Reports.

„Besonders stark war der Anstieg in Krankenhäusern mit 41 Prozent. Im Jahr 2021 befanden sich in Krankenhäusern rund 110.000 Personen in Ausbildung, das heißt rund 7,3 Prozent aller Beschäftigten der Krankenhäuser.“

Die Ergebnisse des Krankenhaus Rating Reports fußen auf 540 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2019 und 544 Abschlüssen aus dem Jahr 2020. Der Report wird gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) erstellt. © fos/aerzteblatt.de

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