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Medizin

Studie: Impfungen gegen COVID-19 haben weltweit fast 20 Millionen Todesfälle verhindert

Freitag, 24. Juni 2022

/picture alliance, Sebastian Gollnow

London – Im ersten Jahr der Pandemie sind weltweit 8,33 Milliarden Impfstoff­dosen an 4,36 Milliarden Men­schen verabreicht worden. Dies könnte nach Berechnungen in Lancet Infectious Diseases (2022; DOI: 10.1016/S1473-3099(22)00320-6) mehr als 40 % der Übersterblichkeit durch COVID-19 verhindert und 19,8 Millionen Menschen das Leben gerettet haben.

Die Impfstoffe gegen COVID-19 haben sich in den klinischen Studien als äußerst wirksam erwiesen. Unter den Geimpften gab es nur wenige Todesfälle. Wie sich die Impfungen im klinischen Alltag und unter den Vo­raussetzungen neuer Virusvarianten ausgewirkt haben, lässt sich nicht genau ermitteln, da es anders als in den Studien keine randomisierten Vergleichsgruppen ohne Impfungen gibt. Das Szenario einer Welt ohne COVID-Impfungen bleibt spekulativ.

Ein Team im Oliver Watson vom Imperial College London hat dennoch versucht, die Auswirkungen mit mathe­matischen Modellen zu berechnen. Die Grundlage bildeten einmal die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig veröffentlichten Zahlen zu den Todesfällen an COVID-19. Sie sind vermutlich zu gering, weil nicht alle Fälle erkannt und gemeldet werden.

In eine zweiten Berechnung floss deshalb die Übersterblichkeit ein. Sie ergibt sich aus der Zunahme der Todesfälle im Vergleich zu den Vorjahren. Die Forscher wählten den Zeitraum vom 8. Dezember 2021, als in England der erste Mensch (die 91-jährige Margaret Keenan an einer Universitätsklinik in Coventry) außerhalb von klinischen Studien gegen COVID-19 geimpft wurde, bis zum 8. Dezember 2022, als schätzungsweise 55,9 % der Weltbevölkerung mindestens 1 Dosis eines COVID-19-Impfstoffs erhalten hatten.

Schätzungsweise 45,5 % hatten 2 Dosen und 4,3 % eine 3. Dosis erhalten. Bei Zugrundelegen der offiziellen WHO-Zahlen könnten nach den Berechnungen der britischen Forscher in den 185 Ländern der Erde 14,4 Mio. Menschenleben gerettet worden sein, wobei das 95-%-Konfidenzintervall von 13,7 Mio. bis 15,9 Mio. reicht.

Bei Zugrundelegen der Übersterblichkeit stieg die Zahl auf 19,8 Mio., wobei die Forscher sich bei einem en­gen 95-%-Konfidenzintervall von 19,1 Mio. bis 20,4 Mio. ihrer Sache relativ sicher sind. Ohne die Impfungen wären laut der Studie im 1. Jahr vermutlich 31,4 Mio. (30,6 Mio. bis 32,1 Mio.) an COVID-19 gestorben. Dies bedeutet, dass die Impfungen 63 % (19,8 Mio. von 31,4 Mio.) der Todesfälle vermieden haben.

Die meisten Todesfälle wurden in den reicheren Ländern verhindert, deren Regierungen sich rasch mit den notwendigen Impfstoffen versorgt hatten und eher von einer Impfmüdigkeit der Bevölkerung gebremst wur­den. Hier wurden auf 10.000 Einwohner 66,18 Todesfälle verhindert. In den Ländern mit dem niedrigsten Einkommen waren es nur 2,7 Todesfälle auf 10.000 Einwohner.

Von den WHO-Regionen profitierte Europa einschließlich der ehemaligen Sowjetrepubliken (minus 62,30 / 10.000) am meisten vor der Region Westlicher Pazifik mit Japan, China und Australien (minus 46,31 / 10.000) und dem amerikanischen Doppelkontinent (minus 43,89 / 10.000). In Afrika wurden nur 4,1 COVID-19-Todesfälle auf 10.000 Einwohner verhindert.

In den 83 Ländern, die von der europäischen COVAX-Initiative (WHO, Europäische Kommission und Frank­reich) kostengünstige Impfstoffe erhielten, wurden nach den Berechnungen schätzungsweise 7,4 Mio. von potenziell 17,9 Mio. COVID-19-Todesfällen (41 %) abgewendet.

Das Verfehlen des COVAX-Ziels, in diesen Ländern 20 % der Bevölkerung vollständig zu impfen, hat jedoch schätzungsweise zu 156.900 vermeidbaren Todesfällen geführt, darunter 132.700 Todesfälle in 31 afrikani­schen Ländern.

Die WHO hatte gefordert, dass bis Ende 2021 40 % der Bevölkerung jedes Landes vollständig geimpft werden sollte. Wäre dies geschehen, hätten 599.300 Todesfälle zusätzlich verhindert werden können. Auch hier fielen die meisten nicht verhinderten Todesfälle auf Afrika (348.900 oder 58,2 %) und den östlichen Mittelmeerraum (126.800 oder 21,2 %).

Wäre das 40 %-Ziel in allen Ländern mit niedrigem Einkommen erreicht worden, hätte sich die Zahl der durch Impfung abgewendeten Todesfälle in diesen Gebieten mehr als verdoppelt: Zu den 180.000 vermiedenen Todesfällen wären weitere 200.000 hinzugekommen. © rme/aerzteblatt.de

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