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Politik

GKV-Finanzergebnis im ersten Quartal nahezu ausgeglichen

Freitag, 24. Juni 2022

/Wolfilser, stock.adobe.com

Berlin – Die 97 Krankenkassen haben in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ein nahezu ausge­gli­chenes Finanzergebnis erzielt. Den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 71,7 Milliarden Euro standen Ausgaben in nahezu gleicher Höhe gegenüber, teilte heute das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit. Das Defizit betrug demnach etwa 16 Millionen Euro.

„Das ausgeglichene Finanzergebnis im 1. Quartal zeigt, dass der im letzten Herbst beschlossene ergänzende Bundeszuschuss von 14 Milliarden Euro die Beitragssätze und die GKV-Finanzen wirksam und zielgenau ge­stützt hat“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen den Angaben des BMG zufolge zum Quartalsende 9,9 Milliar­den Euro beziehungsweise 0,4 Monatsausgaben und entsprachen damit dem Zweifachen der gesetzlich vor­gesehenen Mindestreserve in Höhe von 0,2 Monatsausgaben.

Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von 0,05 Prozent einen Zuwachs von 6,3 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zu­satzbeitragssatz zum Quartalsende lag mit 1,36 Prozent leicht oberhalb des Ende Oktober 2021 für das Jahr 2022 bekannt gegebenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 1,3 Prozent.

Betrachtet man die verschiedenen Kassenarten, so stellt sich die jeweilige Finanzentwicklung durchaus un­ter­schiedlich dar. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen erzielten einen Überschuss von 81 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen von 64 Millionen Euro und die Knappschaft von 17 Millionen Euro.

Die Ersatzkassen (minus 199 Millionen Euro) und Betriebskrankenkassen (minus acht Millionen Euro) mussten hingegen Defizite hinnehmen. Die nicht am Risikostrukturausgleich teilnehmende Landwirtschaftliche Kran­kenkasse verbuchte einen Überschuss von 29 Millionen Euro.

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 17. Januar 2022 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 7,9 Milliarden Euro verfügte und die aufgrund gesetzlich geregelter Sonderzahlungen im Jahres­ver­lauf um 2,1 Milliarden Euro sinken wird, verzeichnete im 1. Quartal 2022 ein Defizit von 2,2 Milliarden Euro.

Wie das BMG betont, ist dies saisonüblich und lasse keinen Rückschluss auf die Entwicklung im weiteren Jah­resverlauf zu. Vor dem Hintergrund der aktuell erheblichen wirtschaftlichen Risiken bleibe die Gesamtjahres­entwicklung auch bei den Beitragseinnahmen abzuwarten – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen sie um 4,0 Prozent.

Entwicklungen bei den Ausgaben

Die Krankenkassen verzeichneten im 1. Quartal 2022 einen Zuwachs für Leistungsausgaben und Verwaltungs­kosten von 6,3 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 5,7 Prozent, die Verwaltungskosten um 18,5 Prozent. Zu berücksichtigen ist, dass die Rate bei den Leistungsausgaben auf einer coronabedingt niedrigen Basis des Vorjahresquartals aufsetzt und daher mit Blick auf die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf mit Vorsicht zu interpretieren ist.

Der sehr deutliche Anstieg der Verwaltungskosten ist laut BMG maßgeblich auf die Bildung von hohen
Alters­rückstellungen einer einzelnen Krankenkasse im ersten Quartal zurückzuführen und dürfte sich im weiteren Jahresverlauf deutlich abflachen.

Überproportional stark gestiegen sind die Ausgaben im Bereich der Heilmittel (21,6 Prozent) sowie bei Vor­sorge- und Rehabilitationsleistungen (16,7 Prozent). Bei den Heilmitteln sei dies neben Vergütungsanpassun­gen zum Beginn dieses Jahres auch auf die weiterhin hohen unterjährigen Preisabschlüsse des Vorjahres zu­rückzuführen. Zudem dürfte auch eine Normalisierung der Leistungsmengen für die Dynamik verantwortlich sein, so das BMG.

Im Bereich der Rehabilitation und Vorsorge sei die Entwicklung im starken coronabedingten Einbruch des Vorjahresquartals begründet. Die Arzneimittel wuchsen mit 6,5 Prozent weiterhin überproportional stark und wiesen im Vergleich mit den zwei anderen großen Ausgabenbereichen der gesetzlichen Krankenversicherung (Krankenhaus und Ärzte) die höchste Dynamik auf.

Die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen sind im 1. Quartal um 2,7 Prozent gestiegen. Die Ausga­ben für Krankenhausbehandlungen sind um 4,3 Prozent gestiegen. Vor dem Hintergrund der pandemiebe­dingt sehr niedrigen Basis des Vorjahresquartals fällt dieser Anstieg laut BMG „moderat“ aus.

Weiter an Bedeutung gewinnen die Ausgaben für Pflegepersonalkosten, die 2020 aus den DRG-Pauschalen ausgegliedert wurden. Diese Ausgaben wuchsen im 1. Quartal um 11 Prozent, nachdem die Krankenkassen bereits im Jahr 2021 14 Prozent höhere Ausgaben für Pflegepersonalkosten als noch 2020 verbuchten.

Endgültige Jahresrechnungsergebnisse für 2021

Nach den endgültigen Jahresrechnungsergebnissen für 2021 erzielten die Krankenkassen im vergangenen Jahr ein Defizit von 6,7 Milliarden Euro. Somit ist das Defizit der Kassen rund eine Milliarden Euro höher als in den vorläufigen Rechnungsergebnissen für 2021 ausgewiesen. Ursächlich hierfür seien insbesondere höhere Leistungsausgaben, vor allem für Pflegepersonalkosten im Krankenhaus.

Das BMG verweist darauf, dass bei der Interpretation des Defizits der GKV in 2021 zu berücksichtigen sei, dass die Krankenkassen im vergangenen Jahr gesetzlich verpflichtet wurden, einen Teil ihrer bis dato sehr hohen Finanzreserven an den Gesundheitsfonds abzuführen. © EB/aha/aerzteblatt.de

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