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Medizin

Coronapandemie verschlechterte Versorgungssituation bei Demenz

Dienstag, 28. Juni 2022

/Ocskay Bence, stock.adobe.com

Stockholm – Die Coronapandemie beeinflusste die Sterblichkeit, Versorgung und Diagnose von Patienten mit Demenz in Schweden. Sie könnte mit weitreichenden Auswirkungen auf die Versorgung von De­menz­patienten einhergehen.

Schwedische Forscher quantifizierten anlässlich 8. European Academy of Neurology (EAN) Kongresses die indirekten Effekte der Coronapandemie hinsichtlich Veränderungen in der Diagnosestellung, Versorgung und Sterblichkeit in dieser Patientenpopulation.

Für die Analyse wurden schwedische Registerdaten von 2015 bis 2020 herangezogen, die nach Demenzdiag­nosen (ICD-10-Diagneoseschlüssel, International Classification of Diseases) und Todesfälle ausgewertet wur­den. In der 1. Pandemiewelle im Jahr 2020 verstärkte COVID-19 den saisonalen Anstieg der Mortalität unter Demenzpatienten im Vergleich zu den Jahren 2015-2019.

In allen Alterskohorten ab 65 Jahre wurde die Diagnose Demenz im Jahr 2020 weniger häufig gestellt, be­sonders deutlich in älteren Altersklassen ab 75 Jahre und bei älteren Frauen. Eine Abnahme der Diagnose erfolgte bei allen Formen der Demenz. Wohingegen eine nicht näher spezifizierte Demenz häufiger gestellt als sonst.

Die Pandemie trug zu einer höheren Sterblichkeit von Demenzpatienten bei und beeinflusste außerdem die Diagnosestellung und Versorgung von Demenzpatienten negativ, schlussfolgerte Bengt Winblad, vom Institut für Neurobiologie und Versorgungswissenschaften am Karolinska Institute in Stockholm (Schweden).

Diese Ergebnisse können Langzeitfolgen in Form von Unterdiagnosen und Unterversorgung bei Demenz, ins­besondere bei älteren Frauen, begünstigen, gab der Experte zu bedenken.

Vorläufige Analysen für das erste Halbjahr 2021 zeigten ähnliche Ergebnisse, ergänzte Winblad. Der höhere Anteil an unspezifischen Demenzdiagnosen, könnte ebenfalls Hinweise auf eine qualitativ schlechtere Ver­sorgungssituation liefern. Diese negativen Trends sollte gezielt mit entsprechenden Gesundheitsreformen entgegengesteuert werden, empfahl Winblad. © cw/aerzteblatt.de

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