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Politik

Lauterbach will Impf- und Hygienebeauftragte in jeder Pflegeeinrichtung vorschreiben

Mittwoch, 29. Juni 2022

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit /picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will Pflegeeinrichtungen mit zusätzlichen Maßnahmen für ein verstärktes Infektionsgeschehen wappnen. Bis zum Herbst sollen in jeder Einrichtung jeweils Beauf­tragte für Hygiene und Impfungen gesetzlich vorgeschrieben werden. Bis dahin setzt Lauterbach auf Appelle.

„Aus meiner Sicht sind wir noch nicht optimal vorbereitet, um in dieser Sommerwelle und beim Übergang in die Herbstwelle dafür zu sorgen, dass in der Pflege die Menschen ausreichend geschützt sind“, erklärte Lau­terbach heute nach Beratungen mit den Trägern von Pflegeeinrichtungen.

Impftempo bei Pflegebedürftigen forcieren

Drei zentrale Maßnahmen müssten kurzfristig angegangen werden – die erste davon ein erhöhtes Impftempo bei Menschen in der Pflege. „Wir müssen schauen, dass die Impflücken geschlossen werden.“ Bisher hätten erst 30 Prozent der Pflegebedürftigen eine vierte Impfung erhalten. Das sei deshalb so bedeutsam, weil die Sterblichkeit nach der vierten Impfung im Vergleich zur dritten noch einmal um 75 Prozent sinke.

„Dieses Potenzial nutzen wir zurzeit noch nicht“, erklärte Lauterbach. Er appelliere deshalb an die Träger, die vierte Impfung zu forcieren, auch in Zusammenarbeit mit den Hausärzten. Es sei falsch, erst auf die neue, auf die Varianten BA.4 und BA.5 angepassten Impfstoffvarianten zu warten. „Bei den Inzidenzen, die wir derzeit haben, wäre es fahrlässig, so lange zu warten.“

Masken und Schnelltests verhindern Infektionsketten

Als weitere Maßnahmen plädiere er dafür, dass die Einrichtungen kraft ihres Hausrechtes von allen Besuchern zweitens das Tragen von Masken vorschreiben würden und drittens Schnelltests verlangten. Bei den Masken solle vor allem der Standard FFP2 zum Einsatz kommen. Nur so könne sichergestellt werden, dass in den Einrichtungen so wenige Infektionsketten wie möglich entstünden.

Derzeit nicht möglich, dass Bund oder Länder den Heimen Masken und Tests vorschrieben, räumte Lauterbach ein. Im Infektionsschutzgesetz sei das nicht vorgesehen. In der ab Freitag geltenden Testverordnung sei fest­geschrieben, dass Besucher von Pflegeeinrichtungen weiterhin kostenfrei Bürgertests wahrnehmen könnten. Das gelte auch für diejenigen, die Menschen in häuslicher Pflege besuchten.

Eine möglichst hohe Viertimpfungsquote sowie Masken und Tests bei Besuchen seien dringend notwendig, „sonst haben wir in den nächsten Wochen in den Pflegeeinrichtungen erhebliche Ausbrüche zu erwarten“. Auch auf das neue Infektionsschutzgesetz zu warten, komme nicht infrage. „Wir müssen jetzt handeln und diese Maßnahmen sind auch alle durch die Kombination Testverordnung, Hausrecht und Impfverordnung gedeckt.“

Für den Herbst wiederum brauche es einen weiteren „Dreiklang an Maßnahmen“: Die erste sei ein bundesweit verbindliches Hygienekonzept mit einem Hygienebeauftragten in jeder Einrichtung. „Da muss das Ziel, zu ver­hindern, dass die Pflegebedürftigen erneut weggesperrt werden, was in der frühen Phase der Pandemie ge­macht worden ist“, erklärte er – auch wenn man niemanden dafür verantwortlich machen könne.

Impfbeauftragte installieren

Zum zweiten brauche es dann einen Impfbeauftragten in jeder Einrichtung, der überwacht, wie groß die Impf­lücke ist, wie viel Impfstoff eingesetzt wurde und dergleichen weiter. Drittens brauche es einen viel bes­seren Einsatz von Arzneimitteln gegen COVID-19. Diese würden in den Pflegeheimen derzeit kaum eingesetzt, ob­wohl sie die Sterblichkeit bei bereits infizierten Patienten um bis zu 70 Prozent senken könnten.

Er könne sich zum Beispiel vorstellen, dass sich die Pflegeeinrichtungen dann über eine Hotline informieren könnten, ob die Arzneimittel für eine frisch Infizierten infrage kämen, und dass die Medikamente dann in die Einrichtungen gebracht würden.

Wer eine solche Hotline wie betreiben und mit welchen weiteren Maßnahmen er die Anwendung von Arznei­mitteln wie Paxlovid fördern wolle, könne er noch nicht sagen. „All diese Dinge werden noch geklärt.“ Er habe den zuständigen Expertenrat schon vor zwei Wochen gebeten, da ein Konzept zu entwickeln und erwarte in den kommenden Tagen einen ersten Vorschlag. © lau/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #830245
Hortensie
am Mittwoch, 29. Juni 2022, 18:30

Ärzte wären in Pflegeheimen nötiger als "Impfbeauftragte"

Für die Pflegebedürftigen in Pflegeheimen wären Ärzte viel notwendiger als "Impfbeauftragte".
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen mit Pflegeheimen durch meine dort betreuten Eltern könnte ich einige Beispiele für diese Forderung nennen. Die med. Versorgung ist in Pflegeheimen zu niedrig, was m. E. dazu führt, dass die dort betreuten Personen Nachteile betr. ihre Gesundheit haben.
Ich selbst würde daher nie in ein Pflegeheim ziehen, trotzdem ich bereits einen Pflegegrad habe.
LNS
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