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Medizin

Studie: Noro- und Rotaviren bei Mäusen auch mit Speichel übertragbar

Donnerstag, 30. Juni 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Bisher gehen Ärzte davon aus, dass sich Noro- und Rotaviren nur im Darm vermehren und fäkal-oral übertragen werden. Tierexperimentelle Studien in Nature (2022; DOI: 10.1038/s41586-022-04895-8) zeigen nun, dass die Viren sich auch in den Speicheldrüsen replizieren und über den Speichel übertragen werden können und dies oft über mehrere Wochen.

Vor allem Noroviren sind gefürchtet für ihre explosive Ausbreitung. Auf Kreuzfahrtschiffen oder anderen Orten, an denen viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen. Andere Darminfektionen wie die Cholera treten dagegen nie auf Kreuzfahrt­schiffen auf, obwohl der Übertragungsweg nach bisheriger Auffassung derselbe ist.

Die Erreger werden in größeren Mengen über den Darm ausgeschieden. Bei der Cholera führt dies nur zu Ausbrüchen, wenn es keine saubere Trennung zwischen Abwässern und Trinkwasser gibt. Warum dies bei Noro- und Rotaviren anders ist, war nicht ganz klar. Als Mechanismus wurde eine ungenügende Händedesinfektion oder die Kontamination von Oberflächen diskutiert.

Die von einem Team um Nihal Altan-Bonnet vom US-National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda/Maryland durchgeführten Experimente lassen eine andere Erklärung als wahrscheinlicher erscheinen.

Auslöser für die Experimente war eine ungewöhnliche Beobachtung. Die Forscher hatten eine Gruppe von neugeborenen Mäusen in den ersten 10 Lebenstagen mit Noroviren oder Rotaviren infiziert. Die Mäusewelpen wurden dann in die Käfige zurückgebracht, wo sie von den Muttertieren gesäugt wurden.

Innerhalb weniger Tage kam es bei den Welpen zu einem Anstieg der IgA-Antikörper im Kot. Dies war überraschend, weil das Immunsystem der Tiere in diesem Alter noch nicht in der Lage ist, eigene Antikörper zu bilden.

Die Muttertiere waren nicht mit den intestinalen Viren infiziert worden und sollten deshalb keine IgA-Antikörper produzieren. Trotzdem waren sie in hoher Konzentration in der Muttermilch vorhanden. Eine fäkal-orale Übertragung erschien unwahrscheinlich, da die Viren auf diesen Weg kaum die Brustdrüse der Muttertiere erreichen konnten.

Eine Verunreinigung der Brustdrüse durch den Kot der Welpen wurde ebenfalls ausgeschlossen, weil auf eine saubere Käfighaltung geachtet wurde. Dies führte zu dem Verdacht, dass sich die Viren nicht nur im Darm der Welpen, sondern auch in der Mundhöhle vermehren.

Tatsächlich ergaben die weiteren Untersuchungen, dass die Viren die Speicheldrüsen der Welpen infizierten und sich dort in sehr hohem Maße repliziert hatten. Die Welpen hatten beim Säugen die Muttertiere infiziert, deren Immunsystem dann die IgA-Antikörper produzierte.

Die Viren wurden bis zu 3 Wochen im Speichel der Welpen nachgewiesen. Dies deutet darauf hin, dass eine Übertragung auch über das Ende der Durchfallerkrankung hinaus möglich ist.

Ob der gleiche Übertragungsweg beim Menschen auftritt, wurde bisher nicht untersucht. Sollte dies der Fall sein, dürfte dies Auswirkungen auf die Hygiene-Maßnahmen haben, die derzeit ganz auf die Vermeidung einer fäkal-oralen Übertragung ausgerichtet sind. © rme/aerzteblatt.de

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