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Medizin

COVID-19: FDA-Berater und WHO für Anpassung der Impfstoffe auf Omikron

Mittwoch, 29. Juni 2022

/picture alliance, ROBIN UTRECHT, ROBIN UTRECHT

Silver Spring/Maryland – Mit 19 gegen 2 Stimmen hat die Mehrheit der exter­nen Berater der US-Arzneimittel­behörde FDA zur Zulassung von Impfstoffen gegen den Subtyp Omikron von SARS-CoV-2 geraten. Neben den Herstellern Moderna und Pfizer hofft auch Novavax auf eine Zulassung, obwohl die klinischen Studien erst im Mai begonnen haben. Die FDA ist nicht an das Votum der Berater gebunden, richtet sich aber in der Regel da­nach.

Die bivalenten Impfstoffe, die neben der BA.1-Komponente von Omikron auch den originalen Impfstoff gegen den Wildtyp enthalten werden, könnten in diesem Herbst eingeführt werden. Auf der Tagung des „Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee“ kam mit Kanta Subbarao auch eine Vertreterin der Weltgesund­heits­­organisation (WHO) zu Wort.

Deren „Technical Advisory Group on COVID-19 Vaccine Composition“ (TAG-CO-VAC) hatte sich Mitte des Mo­nats für die Aufnahme einer Omikron-Komponente in den Impfstoff ausgesprochen. Dies geschah, obwohl die bisher zugelassenen Impfstoffe, die alle gegen den Wildtyp Wuhan von SARS-CoV-2 ausgerichtet sind, eine gute Schutzwirkung wenigstens vor schweren Erkrankungen bieten.

Dies gilt laut Subbarao allerdings nur nach einer Boosterung. Eine Grundim­munisierung reicht nach Einschät­zung der TAG-CO-VAC nicht aus, um vor einer Omikron-Infektion geschützt zu sein.

Omikron sei die „erste VOC mit Eigenschaften einer Immunevasion“, erklärte Subbarao. Dass der Booster trotz­dem schützt, führt die Expertin darauf zurück, dass es mit der wiederholten Exposition mit SARS-CoV-2 oder einem Impfstoff zu einer Immunantwort mit einer größeren Bandbreite von Antikörpern kommt.

Die WHO-Vertreterin sprach sich für einen bivalenten Impfstoff aus, der neben der Omikron-Komponente auch den ursprünglichen Impfstoff gegen den Wuhan-Wildtyp enthält. Die alleinige Omikron-Komponente würde vermutlich nur eine eingeschränkte Immunität erzeugen, die nicht unbedingt vor anderen VOC schütze.

Bisher gibt es 2 Firmen, die einen auf Omikron angepassten Impfstoff klinisch getestet haben. Dies sind Moderna mit mRNA 1273.214 und Pfizer-Biontech mit BNT162b2 OMI. Ergebnisse zur klinischen Schutzwirkung vor COVID-19 liegen noch nicht vor.

Die beiden Impfstoffe erzielten als 2. Booster gegen Omikron (BA.1) eine um 75 % höhere Antikörperantwort als die erneute Gabe des originalen Impfstoffs. Die FDA gibt die GMT-Ratio für die Pfizer/Biontech-Vakzine mit 1,75 (95-%-Konfidenzintervall 1,39 bis 2,22) und für die Moderna Vakzine ebenfalls mit 1,75 (1,49-2,04) an.

Nach dem Votum der FDA-Experten dürften die beiden Impfstoffe in den nächsten Wochen in den USA eine (vorläufige) Zulassung erhalten und im Herbst rechtzeitig für die Wintersaison eingeführt werden.

Beide Firmen konnten bereits zeigen, dass ihre kombinierten Impfstoffe auch eine Immunantwort gegen BA.4 und BA.5 erzeugen, wenn auch mit einer abgeschwächten neutralisierenden Wirkung.

Der 3. im Bunde möchte gerne die Firma Novavax sein. Der Hersteller des 1. proteinbasierten Impfstoffs hat seine Vakzine NVX-CoV2373 auf Omikron BA.1 angepasst. Zu NVX-CoV2515 liegen bisher nur präklinische Daten vor.

Eine klinische Studie wurde jedoch im Mai begonnen. Ob bis zum Herbst ausreichende Daten für eine Zulassung vorliegen werden, bleibt abzuwarten.

Auch Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie und wissenschaftlicher Direktor, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), befürwortet den Einsatz eines an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffs.

„Durch die starken Veränderungen im Spike-Protein von Omikron können Antikörper, die durch die ursprüng­lichen Impfstoffe erzeugt werden, nur noch unzureichend an Omikron binden. Daher ist der Impfschutz gegen die reine Infektion selbst nach dreifacher Impfung nicht so gut, wie er gegen frühere Varianten war. Zusätzlich lässt dieser Schutz auch noch schneller nach.“

Obwohl der Schutz vor einer schweren Erkrankung immer noch vorhanden sei, machten diese Tatsachen eine Anpassung der Impfstoffe notwendig. Die Frage, ob als Booster ein monovalenter Impfstoff oder ein biva­len­ter Impfstoff, der auch gegen ältere Virusvarianten wirksam ist, eingesetzt werden sollte, lässt sich laut Watzl nicht einfach beantworten.

„Der BA.1-Impfstoff erzeugt als Booster (vierte Impfung) höhere neutralisierende Antikörperspiegel gegen Omikron verglichen mit dem bivalenten Impfstoff. Die neutralisierenden Antikörperspiegel gegen frühere Varianten beziehungsweise das Ursprungsvirus fallen beim monovalenten Impfstoff aber geringer aus.“

Prinzipiell sollten künftige Auffrischimpfungen eine Omikron-Komponente enthalten, meint Watzl. Denn Omi­kron sei aktuell die vorherrschende Variante und Vakzine mit einer Omikron-Komponente böten den besten Schutz derzeit.

Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie, Universitäts­klinikum Tübingen, kann den Schritt der FDA, zu empfehlen, eine Omikron-Komponente in die Booster-im­pfun­gen mit aufzunehmen, ebenfalls nachvollziehen.

„Omikron ist die dominierende Variante, die mit einer Vakzine auch gezielt angepeilt werden sollte.“ Hier scheine die FDA eher einen bivalenten Impfstoff zu bevorzugen. „Insbesondere für die Auffrischimpfungen wäre aber auch eine monovalente Version denkbar“, sagte Kremsner.

Wer bereits die Grundimmunisierung erhalten habe, brauche bei beim Booster nicht noch einmal gegen das Ursprungsvirus, etwa mit einem bivalenten Impfstoff, geimpft werden. „Mehr ist immunologisch nicht automatisch immer besser.“ © rme/aerzteblatt.de

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