NewsMedizinReview: Wie bei den häufigsten Handerkrankungen vorgegangen werden sollte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Review: Wie bei den häufigsten Handerkrankungen vorgegangen werden sollte

Dienstag, 5. Juli 2022

/Khunatorn, stock.adobe.com

St. Louis – Karpaltunnelsyndrom, Triggerfinger, Tendovaginitis de Quervain und Daumensattelgelenkarthrose gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Hand in der allgemeinmedizinischen Praxis und können mit einer signifikanten Behinderung einhergehen. Ein in JAMA erschienener Review gibt einen Überblick über die Evidenz zu Diagnostik und Therapie (2022; DOI: 10.1001/jama.2022.8481).

„Die Erstlinientherapie all dieser Erkrankungen besteht aus Steroidinjektionen und Ruhigstellung“, schreiben die Autoren des Reviews um Kelly Bettina Currie vom Department of Surgery der Washington University in St Louis School of Medicine.

„Bei Patienten, die nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen oder bei Fortschreiten der Erkrankung trotz konservativer Therapie stehen operative Ansätze zur Verfügung, die sicher und wirksam sind.“

Das Karpaltunnelsyndrom zeichnet sich durch Taubheitsgefühl und Kribbeln in Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger aus. In schweren Fällen ist die Oppositionsbewegung des Daumens geschwächt. Bei Frauen sowie bei Personen mit Adipositas oder Diabetes tritt das Karpaltunnelsyndrom häufiger auf, ebenso in Berufsgruppen, die viel am Computer tätig sind (Benutzung von Tastatur und Maus), schwere Maschinen bedienen oder mit vibrierenden Werkzeugen arbeiten.

Durkan-Test: Daumendruck auf den Karpaltunnel hilft bei der Diagnose

Was die Diagnose angeht, hat sich der Durkan-Test als zu 64 % sensitiv und zu 83 % spezifisch für das Karpaltunnelsyndrom erwiesen. Durch Kompression des Karpaltunnels mit dem darin verlaufenden Nervus medianus durch den Daumen des Arztes können bei einem Karpaltunnelsyndrom nach etwa 30 Sekunden Missempfindungen im Versorgungsgebiet des N. medianus, also vor allem in Daumen und Zeigefinger, ausgelöst werden.

Bei Patienten mit Verdacht auf proximale Kompression oder andere kompressive Neuropathien sollte eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeiten erfolgen. Dieses Diagnoseverfahren ist mehr als 80 % sensitiv und 95 % spezifisch für das Karpaltunnelsyndrom.

Patienten mit Karpaltunnelsyndrom, die nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen, können sich einer offenen oder endoskopischen Operation unterziehen.

Das Prinzip der operativen Behandlung ist die Durchtrennung des Retinaculum flexorum. Dabei handelt es sich um das Band, welches die Handwurzelknochen überspannt und den Karpaltunnel hohlhandwärts begrenzt. Der Nerv erholt sich in der Folge durch die erreichte Druckentlastung

Triggerfinger: Schmerzhafte Streckung mit Schnappgeräusch

Ein schnellender Finger (Triggerfinger) wird durch eine Entzündung des Sehnengleitgewebes und der Sehnenscheide verursacht. Die Fingerstreckung wird durch Sehnenknoten am Eingang des Sehnenkanals behindert.

Wird der Finger durchgestreckt verschwindet der Sehnenknoten mit einem Schnappgeräusch im Sehnenkanal. Betroffen sind bis zu 20 % der Erwachsenen mit Diabetes mellitus und etwa 2 % der Allgemeinbevölkerung.

Die Erstlinientherapie ist die Injektion von Steroiden, die allerdings bei mit Insulin behandelten Patienten weniger wirksam ist. Diabetespatienten und Personen mit rezidivierenden Symptomen profitieren deshalb möglicherweise von einer frühzeitigen operativen Therapie.

Tendovaginitis de Quervain: Assoziation mit häufiger Handynutzung

Bei der Tendovaginitis de Quervain handelt es sich um eine unspezifische Entzündung im Bereich der Sehnenscheiden des Musculus abductor pollicis longus und des Musculus extensor pollicis brevis im ersten Strecksehnenfach.

Bei Frauen ist die Sehnenentzündung häufiger als bei Männern. Mit einem erhöhten Risiko ist außerdem häufige Handynutzung assoziiert.

Üblicherweise tritt die Tendovaginitis de Quervain im Alter zwischen 40 und 59 Jahren auf. Steroidinjektionen lindern die Symptome bei etwa 72 % der Patienten, speziell wenn sie mit einer Ruhigstellung des Handgelenks kombiniert werden.

Bei Patienten mit wiederkehrenden Symptomen kann eine operative Therapie in Betracht gezogen werden. Dabei wird das erste dorsale Stecksehnenfach operativ in Längsrichtung gespalten.

Daumensattelgelenkarthrose: Ein Drittel der Frauen nach der Menopause betroffen

Die Arthrose im Daumensattelgelenk ist eine der häufigsten Verschleißerkran­kungen der Hand. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursache ist bis heute unklar, aber hormonelle Einflüsse könnten eine Rolle spielen.

Von einer Daumensattelgelenkarthrose sind etwa 33% aller postmenopausalen Frauen betroffen. Bei etwa 20% erfordern die auftretenden Schmerzen und die damit einhergehende Behinderung eine Behandlung.

Konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Steroidinjektionen und Analgetika helfen gegen die Schmerzen. Sie ändern aber nichts am Fortschreiten der Erkrankung. Bei Patienten, die nicht auf konservative Therapieversuche ansprechen, kann eine Operation angemessen sein. © nec/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER