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Zahlen zu Behandlungsfehlern bleiben konstant

Donnerstag, 30. Juni 2022

/sudok1, stock.adobe.com

Berlin – 13.050 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern hat der Medizinische Dienst (MD) im vergangenen Jahr erstellt. Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik 2021 zur Behandlungsfehlerbegutach­tung hervor, die der MD heute vorgestellt hat.

In 3.665 Fällen davon wurde demnach ein Fehler und in 3.222 Fällen ein Fehler mit Schaden festgestellt. In 2.709 Fällen war der Fehler den Daten zufolge nachweislich Ursache des erlittenen Schadens. Damit bleiben die Zahlen im Verhältnis in etwa konstant zu den Vorjahren.

„Die Dunkelziffer der Behandlungsfehler liegt deutlich über dem, was in der Begutachtungsstatistik sichtbar wird. Das ist vielfach wissenschaftlich belegt“, sagte Stefan Gronemeyer, Vorstandsvorsitzender des MD Bund.

Zwei Drittel aller erhobenen Behandlungsfehlervorwürfe bezogen sich auf Leistungen in der stationären Ver­sorgung (8.690 Fälle). „Hintergrund dieser Verteilung ist, dass sich die meisten Vorwürfe auf operative Ein­griffe beziehen, und diese erfolgen zumeist in der stationären Versorgung“, erläuterte Astrid Zobel, leitende Ärztin des Medizinischen Dienstes Bayern.

30 Prozent der Fehlermeldungen betrafen die Orthopädie und Unfallchirurgie (3.909 Fälle). Eine Häufung von Vorwürfen in einem Fachgebiet sage jedoch nichts über die Fehlerquote oder die Sicherheit in dem jeweili­gen Gebiet aus, so Zobel weiter.

Meist vorübergehende Schäden

Bei knapp zwei Dritteln (65,2 Prozent) der begutachteten Fälle war der Schaden vorübergehend. Dazu zählte beispielsweise ein verlängerter Krankenhausaufenthalt. Bei den dauerhaften Schäden unterscheidet der MD zwischen leichtem, mittelschwerem und schwerem Dauerschaden. Eine Narbe oder eine geringe Schmerz­symp­­tomatik zählen beispielsweise zu einem leichten Dauerschaden, der in 13 Prozent der Fälle festgestellt wurde.

Einen mittelschweren Dauerschaden wie etwa eine bleibende Sehbeeinträchtigung oder eine Bewegungsstö­rung stellten die Gutachter und Gutachterinnen in zehn Prozent der Fälle fest. In knapp sieben Prozent der Fälle trat ein schwerer Dauerschaden, wie etwa eine Erblindung oder eine Pflegebedürftigkeit, auf. In knapp vier Prozent der Fälle (98) führte ein Fehler zum Tod oder trug wesentlich dazu bei.

Vermeidbare Fehler verhindern

Um insbesondere schwerwiegende, aber vermeidbare Fehler, sogenannte Never Events, zu verhindern, fordert der MD ein bundesweites verpflichtendes Meldesystem. Voraussetzung dafür müsse sein, dass die Never Events vertraulich und anonym gemeldet werden könnten, sagte Gronemeyer. „Meldungen müssen völlig losgelöst von haftungsrechtlichen Konsequenzen erfolgen.“

Zu Never Events zählen beispielsweise Medikamentenverwechslungen oder im Körper vergessene Materialien nach einer Operation. Im vergangenen Jahr sind 130 solcher Fälle gemeldet worden, zehn mehr als im Jahr zuvor.

„Wenn solche Fehler passieren, dann ist das in der Regel nicht das Versagen einzelner“, so Gronemeyer. Sie zeigten vielmehr Risiken im Versorgungsprozess und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen auf.

Auch Ruth Hecker, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), erklärte: „Wir sind Menschen und wir machen Fehler. Wir könnten aber alle mehr für eine sichere Versorgung tun, wenn wir die Dinge transparent machen.“

Das APS fordert mehr Transparenz bei Behandlungsfehlern und ruft Einrichtungen der Krankenversorgung dazu auf, selbst anhand einer beim APS abrufbaren Liste zu prüfen, ob Never Events mittels geeigneter Maßnahmen verhindert werden. © mim/fos/aerzteblatt.de

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