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Ausland

Ärzte ohne Grenzen warnt vor humanitärer Katastrophe in Nigeria

Freitag, 1. Juli 2022

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Sam Mednick

Maiduguri – Ärzte ohne Grenzen hat in diesem Jahr bereits 2.140 mangeler­nährte Kinder im therapeutischen Ernährungszentrum im nigerianischen Maiduguri aufgenommen. Das sind nach Angaben der Hilfsorganisation etwa 50 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

In sechs Wochen im Mai und Juni seien damit mehr mangelernährte Menschen als jemals zuvor seit der Er­öffnung des Projekts im Jahr 2017 aufgenommen worden. Bereits im Mai hatte es einen deutlichen Anstieg der Aufnahmen gegeben, woraufhin die Kapazität von 120 auf 200 Betten erweitert worden war.

„Trotz dieser Notfallmaßnahme gab es im Juni an einigen Tagen nicht genug Betten für alle Kinder, die aufge­nommen werden mussten“, erklärte Ärzte ohne Grenzen heute. Demnach stoßen auch andere humanitäre Organisationen an ihrer Kapazitätsgrenze.

Einige hätten aufgrund fehlender Mittel ihre Hilfe einschränken müssen. 16 dringend benötigte ambulante therapeutische Ernährungszentren seien geschlossen worden. Ärzte ohne Grenzen befürchtet bei fortschrei­tender Entwicklung, dass bestehende Kliniken überlastet und noch mehr Kinder vom Tod bedroht sein.

Die Zunahme im therapeutischen Ernährungszentrum weist nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen auf eine „alarmierende Ernährungskrise im Bundesstaat Borno“ hin. Die Organisation mahnt daher dringend an, die humanitäre Hilfe aufzustocken, bevor der Höhepunkt der Ernährungskrise erreicht ist. Diese könnte weitaus gravierender ausfallen als in den Vorjahren.

„Nachdem sich die Jahreszeit mit den üblicherweise höchsten Mangelernäh­rungszahlen nun einem Höhe­punkt nähert, stehen wir in Borno vor einer Katastrophe, die tausende Kinderleben in Gefahr bringen könnte“, betont Htet Aung Kyi, Ärztin und medizinische Koordinatorin für Ärzte ohne Grenzen in Nigeria.

„Es müssen jetzt vor dem saisonalen Höhepunkt der Mangelernährung in der Region Schritte eingeleitet werden, um eine weitere Eskalation zu vermeiden“, sagte Shaukat Muttaqi, Landeskoordinator in Nigeria. Man stehe erst am Anfang der saisonalen Mangelernährung und schon jetzt sei die Einrichtung überlastet.

„Die bisherigen Trends zeigen, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Wenn wir uns jetzt nicht auf den bevorstehenden Höhepunkt vorbereiten, wird es zu Todesfällen in Maiduguri kommen.“

Mangelernährung ist ein chronisches Problem im Bundesstaat Borno. Vertreibungen, die schlechte Sicher­heitslage, Armut und der mangelnde Zugang zu einer Gesundheitsversorgung verschlechtern die Situation der Menschen. Erschwerend kommen Ausbrüche von Krankheiten wie Cholera oder Masern sowie Malaria hinzu.

Zudem mangelt es an Impfangeboten und Präventionsmaßnahmen. Am höchsten sind die Mangelernährungs­raten üblicherweise zwischen Juni und September – als der Phase zwischen Erntezeit und Aussaat. © may/EB/aerzteblatt.de

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