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Medizin

Onkolytische Viren verkleinern Gliom bei pädiatrischen Patienten

Dienstag, 5. Juli 2022

/ilusmedical, stock.adobe.com

Pamplona – Die stereotaktische Infusion eines onkolytischen Virus in den Hirntumor hat sich in einer Phase-1-Studie als sicher erwiesen und bei 11 von 12 pädiatrischen Patienten das Wachstum eines diffusen intrinsischen Ponsglioms (DIPG) vorübergehend gestoppt, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM 2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2202028) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

Onkolytische Viren sind ein neuer Ansatz in der Krebstherapie. Die in den Tumor injizierten Viren sollen die Krebszellen abtöten oder das Immunsystem aktivieren, damit die tumorinfiltrierenden T-Zellen die infizierten Krebszellen abtöten.

Beim malignen Melanom hat sich die Behandlung als erfolgreich erwiesen. In Europa ist mit Talimogen laherparepvec seit 2015 ein Präparat zugelassen.

Die Behandlungsergebnisse bei Hirntumoren waren bisher bescheiden. US-Mediziner hatten bei 61 erwachsenen Patienten durch Injektion von rekombinanten Polioviren in supratentorielle Gliome nur eine mittlere Überlebenszeit von 12,5 Monaten erreicht – einige wenige Patienten überlebten allerdings mehr als 36 Monate (NEJM 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1716435).

Ein anderes Team erzielte bei Kindern und Jugendlichen mit supratentoriellen Gliomen durch Injektion eines Herpes simplex-Virus G207 ebenfalls nur eine mittlere Überlebenszeit von 12,2 Monaten (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2024947).

Das Team um Marta Alonso vom Forschungsinstitut IDISNA in Pamplona/Spanien verwendete ein modifiziertes Adenovirus (DNX-2401), das ebenfalls die Krebszellen abtöten und eine unterstützende Immunreaktion induzieren soll.

Das Virus wurde auf der Oberfläche mit Integrinen bestückt, mit denen sie die Krebszellen erkennen. Eine Veränderung im Genom soll sicherstellen, dass sich die Viren nur in den Krebszellen vermehren.

Die Behandlung erfolgte nach einer Biopsie des Tumors durch eine einmalige Injektion von DNX-2401 über eine Kanüle, die stereotaktisch in den Tumor vorgeschoben wurde (wobei die korrekte Lage durch eine Gadoliniuminjektion mit anschließender Magnetresonanztomografie kontrolliert wurde).

In der Dosiseskalierungsstudie wurden seit Dezember 2017 insgesamt 12 DIPG-Patienten im Alter von 3 bis 18 Jahren behandelt. Bei 11 Patienten wurde anschließend eine hochdosierte Bestrahlung des Tumors durchgeführt.

Bei den meisten Patienten kam es nach der Behandlung zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und/oder Müdigkeit (wobei mangels Vergleichsgruppe unklar bleibt, welchen Anteil die Behandlung daran hatte und welche Symptome auf den Tumor zurückzuführen waren).

Bei einzelnen Patienten kam es zu einer vorübergehenden Hemiparese, einer neurologischen Verschlechterung mit beidseitiger Störung des Nervus oculomotorius und Tetraparese (jeweils vom Grad 3) und abdominalen Schmerzen, die eine Hospitalisierung erforderlich machten (vom Grad 1).

Nach der Behandlung kam es bei 3 Patienten zu einem Rückgang des Tumors um mehr als 25 %. Bei weiteren 8 Patienten konnte das Tumorwachstum vorübergehend gestoppt werden.

Insgesamt sprachen damit 11 von 12 Patienten auf die Behandlung an. Die mediane Gesamtüberlebenszeit betrug 17,8 Monate und war damit vermutlich länger als die zu erwartende Lebenserwartung bei dieser Erkrankung, die unter 1 Jahr liegt. 2 Patienten waren bei Manuskripterstellung noch am Leben.

Vor Behandlungsbeginn waren in den Biopsien nur wenige CD4- und CD8-T-Zellen im Tumor vorhanden, was auf eine geringe Abwehrreaktion des Immunsystems hindeutet.

Bei einem Patienten konnte nach einem Rezidiv eine weitere Biopsie durchgeführt werden. Im Tumor war es vermutlich zu einem Anstieg der CD4- und CD8-T-Zellen gekommen.

In einer Einzelzell-RNA-Sequenzierung wurde eine vermehrte Aktivität von Signalwegen in tumorin­filtrierenden Makrophagen nachgewiesen sowie eine Überexpression von proinflammatorischen Zytokinen wie CCL4 und CCL3. Auch dies spricht für eine Immunreaktion auf den Tumor.

Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht sicher sagen, ob die Behandlung das Leben der Patienten verlängert hat. Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht von Alonso jedoch dafür, die Virotherapie in Kombination mit einer Strahlenthe­rapie in einer größeren Studie weiter zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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