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Medizin

Affenpocken: Systemische Symptome können fehlen

Montag, 4. Juli 2022

/dottedyeti, stock.adobe.com

London – Die Affenpocken, die sich derzeit überwiegend in Europa unter Männern ausbreiten, die Sex mit Männern (MSM) haben, unterscheiden sich von früheren Epidemien. In den „Sexual health clinics“ der briti­schen Hauptstadt, wo die ersten Patienten des Landes behandelt wurden, ist das häufige Fehlen von systemi­schen Symptomen aufgefallen. Die Mediziner fordern in Lancet Infectious Diseases (2022; DOI: 10.1016/S1473-3099(22)00411) eine Anpassung der Falldefinition.

Bislang gingen die Infektiologen davon aus, dass die Affenpocken wie die echten Pocken vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Orthopoxviren infizieren zunächst die Schleimhäute der oberen Atemwege, gelangen dann in die Lymphknoten, von wo aus sie im Körper gestreut werden.

Dies erklärt den Befall der gesamten Haut und den gleichzeitigen Wechsel der Läsionen von Makula über Papel und Vesikel zur Pustel, die dann über einer Narbe verkrustet. Zu diesem Krankheitsverlauf gehört ein hohes Fieber, das Bestandteil der Falldefinition ist.

Bei den derzeitigen Affenpocken steht jedoch eine Infektion über einen direk­ten Hautkontakt im Vordergrund. Eine Übertragung über die Atemwege scheint keine größere Rolle zu spielen.

Auch die ersten 54 Patienten, die an 4 „Sexual health clinics“ in London im Mai behandelt wurden, haben sich über einen Hautkontakt infiziert. Insgesamt 51 Patienten hatten mindestens eine Hautläsion im genitalen oder perianalen Bereich.

Bei dem meisten Patienten waren weitere Hautpartien befallen wie Arme und/oder Beine (50 %), Rumpf (26 %) oder auch das Gesicht (20 %). Wie Nicolò Girometti vom Chelsea and Westminster Hospital in London und Mitarbeiter berichten, befanden sich die Läsionen häufig in unterschiedlichen Stadien, was gegen eine syste­mische Aussaat spricht.

Die Allgemeinsymptome waren oft unklar. Über Müdigkeit, Asthenie oder Lethargie hatten nur 67 % der Patienten berichtet. Auch das Fieber, das die Falldefinition als obligates Zeichen der Erkrankung einstuft, wurde in London nur bei 57 % der Patienten beobachtet.

Jeder 5. Patient konnte sich an gar keine prodromalen Symptome vor dem Ausbruch der Hautläsionen er­innern. Bei den anderen waren die systemischen Symptome in der Regel milde und von kurzer Dauer (meist weniger als 3 Tage). Nach Ansicht von Girometti sollte die Falldefinition an dieser Stelle geändert werden.

Der milde Verlauf könnte auch erklären, warum immer wieder Erkrankungen bei Personen auftreten, die sich an keinen Kontakt mit einem Erkrankten erinnern konnten. In der Londoner Kohorte wussten 52 von 54 Personen nicht, bei wem sie sich angesteckt haben könnten.

Todesfälle an Affenpocken sind in der bisherigen Epidemie nicht aufgetreten. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Verlauf immer komplikationslos bleibt. Bei 6 der Londoner Patienten kam es im Bereich der Läsionen zu einer tiefen Weichteilinfektion (Zellulitis), 5 Patienten wurden hospitalisiert und 4 wegen einer sekundären Superinfektion mit Antibiotika behandelt.

Bei einigen Patienten war es schwierig, die Affenpocken von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (SDI) wie Herpes genitalis oder Syphilis zu unterscheiden. Girometti rät deshalb, die Affenpocken bei allen Patienten mit SDI in die Differentialdiagnose einzubeziehen. © rme/aerzteblatt.de

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