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Ärzteschaft

Leitlinie zur Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfälle aktualisiert

Montag, 4. Juli 2022

/medistock, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft haben eine neue S2k-Leitlinie „Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke“ vorgestellt.

Die Leitlinie enthält zwei Teile: Der erste beschäftigt sich mit Plättchenhemmung und Antikoagulation sowie der Therapie von Hypercholesterinämie und Hypertonie zur Vermeidung von Folgeschlaganfällen. Teil zwei der neuen Leitlinie fokussiert auf die weiteren Risikofaktoren, unter anderem auf den Lebensstil, Diabetes mellitus, die Hormonersatztherapie und die Schlafapnoe.

Laut einer 2019 im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Analyse muss fast jeder Fünfte, der einen Schlaganfall erlitten hat, innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Folgeschlaganfall rechnen (DOI: 10.3238/arztebl.2019.0711). Nach einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) ist das Schlaganfallrisiko vor allem in den Tagen unmittelbar nach der Attacke deutlich erhöht. Der Rezidiv-Prophylaxe kommt somit eine besondere Bedeutung zu.

Der Blutdruck sollte nach einem Schlaganfall oder einer TIA laut der Leitlinie langfristig unter 140/90 mm Hg gesenkt werden. Je nach Alter der Betroffenen, Verträglichkeit der Blutdrucksenker und Vorerkrankungen ist sogar eine Senkung auf systolisch 120 bis 130 mm Hg zu erwägen, wobei das Erreichen der Zielblutdruck­werte einen höheren Stellenwert als die Wahl der antihypertensiven Therapie hat.

Als Zielwert der cholesterinsenkenden Therapie gilt ein LDL-C-Wert von unter 70 mg/dl. Alternativ kann eine Reduktion um mehr als 50 Prozent des Ausgangswerts erfolgen. Zur Thrombozytenaggregationshemmung wer­den in der Leitlinie ausschließlich Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel und Ticagrelor empfohlen. Bei Be­troffenen mit Vorhofflimmern sollte immer eine orale Antikoagulation erfolgen, mit direkten oralen Antiko­agulanzien (DOAK) oder Vitamin-K-Antagonisten.

Im zweiten Teil der Leitlinie geht es um Lebensstilmodifikation sowie die Indikationen zur oralen Antikoagu­lation jenseits des Vorhofflimmerns, die Therapie von Dissektionen der hirnversorgenden Arterien, die Be­hand­lung intrakranieller Gefäßstenosen, die Hormonersatztherapie, den Diabetes mellitus bei Schlaganfall­patienten und das obstruktive Schlafapnoesyndrom.„Für Betroffene sind insbesondere die Informationen zum Lebensstil von hoher Relevanz, da sie ihn selbst beeinflussen können“, so Tobias Kurth, einer der federfüh­renden Autoren.

Die Leitlinie rät zu regelmäßiger körperlicher Aktivität. Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse oder eine mediterrane Diät senken zudem das Risiko eines Schlaganfallrezidivs und vaskulärer Folgeereignisse, dabei sollte der Salzkonsum reduziert werden.

Betroffene sollten auf das Rauchen verzichten und den Alkoholkonsum reduzieren. Diabetikerinnen und Dia­betiker sollten nach einem Schlaganfall in jedem Fall auf eine gute Blutzuckereinstellung achten. Nach einer Schlafapnoe als zusätzlichem Risikofaktor sollte gezielt gesucht werden.

„Zur Maximalprophylaxe sollten alle Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden, was eine enge Zusammenar­beit zwischen Neurologinnen/Neurologen, Hausärztin/Hausarzt und Betroffenen erfordert“, sagte der DGN-Generalsekretär Peter Berlit. Die neurologische Nachsorge sollte dabei über die medikamentöse Einstellung der klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder hohe Lipidwerte hinausgehen, betonte der Experte. © hil/aerzteblatt.de

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