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Medizin

COVID-19: Impfung schützt unabhängig vom Körpergewicht

Montag, 4. Juli 2022

/gumpapa, stock.adobe.com

Oxford – Eine Impfung schützt unabhängig vom Body-Mass-Index (BMI) vor einer schweren oder tödlichen Erkrankung an COVID-19. Im Vergleich zu anderen Gruppen hatten geimpfte unter- und übergewichtige / adi­pöse Personen jedoch ein erhöhtes Risiko auf eine schwere und tödliche Erkrankung, das laut der Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2022; DOI: 10.1016/S2213-8587(22)00158-9) durch eine 3. Impfdosis je­doch deutlich abgeschwächt werden konnte.

Schon zu Beginn der Pandemie wurde erkannt, dass übergewichtige (BMI 25-29,9) und adipöse (BMI 30+) Menschen ein erhöhtes Risiko auf einen schweren und tödlichen Verlauf von COVID-19 haben im Vergleich zu Menschen mit Normalgewicht (BMI 18,5-24,9).

Die Gründe sind nicht genau bekannt. Insulinresistenz, chronische Entzün­dungen, endotheliale Dysfunktionen und eine prothrombotische Neigung oder auch die schlechtere Lungenfunktion infolge der vom Bauchfett ver­­ursachten Aufwärtsverschiebung des Zwerchfells könnten einen Einfluss haben. Von der Grippe ist be­kannt, dass adipöse Menschen trotz Impfung häufiger erkranken.

Carmen Piernas von der Universität Oxford und Mitarbeiter haben jetzt den Einfluss des Körpergewichts auf den Impfschutz gegen COVID-19 untersucht. Die Forscher konnten die Datenbank QResearch analysieren, die Zugriff auf die Krankenakten von 9,1 Mio. englischen Hausarztpatienten hat.

Zunächst fiel auf, dass die meisten Übergewichtigen und Adipösen das Impfan­gebot, das ihnen als Risiko­gruppe frühzeitig gemacht wurde, angenommen hatten. Nur 16,8 % der übergewichtigen und 14,2 % der adipösen Engländer waren auch im November 2021 noch nicht geimpft.

Bei den Normalgewichtigen betrug der Anteil 23,3 % und bei den Unterge­wichtigen sogar 32,6 %. Viele schlanke Menschen fühlten sich angesichts der Botschaft, dass Übergewicht und Adipositas Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind, offenbar auf der sicheren Seite.

Die Forscher haben zunächst untersucht, ob geimpfte Personen seltener erkrankten als ungeimpfte (wie dies die Ergebnisse aus den kontrollierten Impfstoffstudien vorhergesagt hatten).

Tatsächlich ließ sich in allen Gruppen eine gute Schutzwirkung vor COVID-19 nachweisen. Sie war in fast allen Gewichtsgruppen gleich hoch: Normalge­wichtige erkrankten nach einer Impfung zu 66 %, Überge­wich­tige und Adipöse zu 68 % seltener an schwerem COVID-19 mit der Notwendigkeit einer Klinikbe­handlung. Bei Untergewichtigen senkte die Impfung das Risiko auf eine schwere Erkrankung dagegen nur um 49 %.

Beim Endpunkt Tod war der Unterschied noch größer: Normalgewichtige starben nach einer Impfung zu 61 %, Übergewichtige zu 70 % und Adipöse zu 74 % seltener an COVID-19.

Bei Untergewichtigen senkte die Impfung das Sterberisiko an oder mit COVID-19 nur um 40 %. Die Ursache für die schlechtere Wirkung ist nicht klar. Denkbar ist, dass es zu Verzerrungen durch Personen kam, die alters­bedingt an Gebrech­lichkeit oder krankheitsbedingt unter Auszehrung (Kachexie) litten.

In einer 2. Analyse verglichen die Forscher die Geimpften untereinander. Dieses Mal war ein Einfluss des BMI erkennbar. Piernas ermittelt eine J-förmige Kurve mit dem niedrigsten Risiko auf schwere Erkrankungen oder Tod im Bereich des Normalgewichts. Bei Unter- und Übergewicht stieg das Risiko deutlich an.

So war ein BMI von 17 im Vergleich zu einem normalen BMI von 23 mit einem um 50 % erhöhten Risiko auf einen Krankenhausaufenthalt verbunden. Bei einem sehr hohen BMI von 44 war das Risiko auf einen Kran­ken­hausaufenthalt dreimal so hoch wie bei einem normalen BMI. Die Ergebnisse entsprechen den Erfah­rungen, die auch bei Grippeimpfungen gemacht wurden.

Die Unterschiede zwischen den beiden Auswertungen erklären sich aus dem verschiedenen Ausgangsrisiko. Es ist bei Übergewicht und Adipositas deutlich erhöht. Auch wenn die Impfungen das Risiko einer Erkrankung gleich stark senken wie beim Normalgewicht, erkrankten am Ende doch mehr Übergewichtige und Adipöse.

Die gute Nachricht für übergewichtige und adipöse Menschen ist, dass sie ihren Impfschutz durch eine 3. Dosis deutlich verbessern können. In der Analyse wurde die J-Kurve deutlich abgeschwächt, allerdings mit sehr weiten 95-%-Konfidenzintervallen, da bis November 2021 erst wenige Menschen ihren ersten Booster erhalten hatten.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die Forscher sich beim BMI auf die Einträge in den Krankenakten verlassen mussten. Sie beruhen oft auf den ungenauen Angaben der Patienten und werden häufig im Verlauf der Zeit nicht aktualisiert.

Auch bei den Angaben zur Wirksamkeit gibt es Vorbehalte. Standard ist eine Test-negative Fall-Kontroll-Studie, die jedoch mangels Testergebnissen bei nicht Erkrankten nicht möglich war. © rme/aerzteblatt.de

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