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Politik

Viele Krankenhaus­einweisungen vor dem Sterben vermeidbar

Dienstag, 5. Juli 2022

/picture alliance, Robin Utrecht

Berlin – Mehr als jede dritte Krankenhauseinweisung von Pflegeheimbe­wohnern in den letzten zwölf Wochen vor dem Versterben wäre „potenziell vermeidbar“. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Pflegereport 2022 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

So seien etwa Herzinsuffizienz, Dehydration oder Harnwegsinfektionen auch im Pflegeheim behandelbar, sagte Antje Schwinger, Mitherausgeberin des Reports.

Dem Report zufolge lebte rund jeder dritte innerhalb eines Jahres verstorbene AOK-Versicherte in einem Pflegeheim. Deutlich mehr als die Hälfte davon wurde demnach in den letzten zwölf Wochen vor dem Tod mindestens einmal in ein Krankenhaus verlegt.

Ein Krankenhausverlegung berge für Patienten erhebliche Risiken wie kognitive Verschlechterungen, mögli­che Infektionen oder Stürze, gab Schwinger zu bedenken.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte eine stärkere Einbeziehung der Palliativ- und Hospizdienste in den Langzeitpflegeeinrichtungen sowie eine bessere Zusammenarbeit aller Verantwortlichen.

„Palliativkompetenzen von Ärzten und Pflegenden müssen weiterentwickelt, die interprofessionelle Zusam­menarbeit intensiviert sowie ausreichend personelle Ressourcen bereitgestellt werden“, sagte Reimann.

Bei einer Befragung von 550 Pflegefach- und Assistenzpersonen für die Analyse beklagten viele, dass in der Praxis häufig nicht dem Wunsch der Patienten entsprochen werde. Demnach erlebte jeder Fünfte „monatlich oder häufiger, dass Bewohnende am Lebensende in ein Krankenhaus eingewiesen werden, obwohl dies aus Sicht der Befragten nicht im besten Interesse der Versterbenden ist“.

Zugleich beklagten zwei Drittel der Befragten Personalengpässe. Ferner gab die Mehrheit an, dass sich das Behandlungsteam nach ihrer Beobachtung auf Druck von Angehörigen für belastende oder lebensverlängern­de Maßnahmen entschieden habe, obwohl die Patientenverfügung ein anderes Vorgehen nahegelegt habe.

Für den Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen, Jürgen in der Schmitten, „funktionieren Patientenverfügung im klinischen Alltag wenig“. Statt Formulare zu Spezialfällen zu verfassen seien individuelle Gespräche und Beratungen nötig.

Laut Reimann sollten sie sich besonders auf das „Wertegerüst und die Haltung der Person“ beziehen. In der Schmitten empfahl das sogenannten „Advance Care Planning (ACP)“. Allerdings gebe es noch Schwachstellen etwa aufgrund fehlende Standards für die Qualifizierung und bürokratische Vorgaben. © kna/aerzteblatt.de

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