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Medizin

COVID-19: Hersteller publiziert günstige Daten zum Krebsmedikament Sabizabulin

Donnerstag, 7. Juli 2022

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Miami/Florida – Der US-Hersteller Veru, der die Öffentlichkeit im April mit einer erstaunlich hohen Wirk­sam­keit eines zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickelten colchicinartigen Wirkstoffs überraschte, hat die Ergebnisse jetzt in NEJM Evidence (2022; DOI: 10.1056/EVIDoa2200145) publiziert.

Sabizabulin gehört wie Colchicin zu den Spindelgiften. Es verknüpft in den Zellen die Alpha- und Beta-Tubu­line und verhindert dadurch den Aufbau eines Spindel­apparats, der für eine Zellteilung benötigt wird. Sabiza­bulin hat dadurch eine zytostatische Wirkung, deren Nutzen derzeit beim Prostatakarzinom untersucht wird.

Gleichzeitig hat Sabizabulin – in einer niedrigeren Dosis – eine immunsuppri­mierende Wirkung, da Entzün­dungsreaktionen auf die rasche Bildung von Zellen angewiesen sind, die durch Zellteilung erfolgt.

Da sich nach dem Beginn der Pandemie rasch herausstellte, dass die Prognose von COVID-19 bei schweren Verläufen durch eine Überreaktion des (angeborenen) Immunsystems verschlechtert wird, hat der Hersteller frühzeitig untersucht, ob Sabizabulin auch bei COVID-19 wirksam ist.

Die Ergebnisse einer Phase-2-Studie waren vielversprechend, so dass Mitte 2021 die Phase-3-Studie VERU-111 begonnen wurde. Etwa zur gleichen Zeit hatte sich herausgestellt, dass eine Behandlung mit Dexame­thason die Prognose der Patienten verbessern kann.

Insgesamt 82,7 % der Patienten wurden in VERU-111 mit Dexamethason behandelt, 32,7 % erhielten das Virustatikum Remdesivir, das heute nicht mehr für schwere Verläufe empfohlen wird. Die Immunsuppressiva Tocilizumab und Baricitinib/Tofacitinib wurden ebenfalls bei 10 % beziehungsweise 12 % der Patienten eingesetzt, nachdem deren Nutzen in anderen Studien belegt worden war.

An VERU-111 nahmen Patienten teil, bei denen es bereits zu einer schweren COVID-19 gekommen war. Ein Drittel (32,7 %) benötigte Sauerstoff über Maske oder Nasensonde (WHO-Schweregrad 4), bei mehr als der Hälfte (60 %) war eine nicht invasive Beatmung oder eine High-Flow-Sauerstoffgabe notwendig (WHO 5) und die übrigen 7,3 % wurden bereits intubiert und maschinell beatmet (WHO 6).

Ursprünglich waren 210 Patienten geplant, die im Verhältnis 2 zu 1 auf eine orale Behandlung mit Sabiza­bulin (täglich 9 mg) oder Placebo über einen Zeitraum von bis zu 21 Tagen behandelt werden sollten.

Nach 204 Patienten wurde die Studie vorzeitig abgebrochen, da der primäre Endpunkt, der Tod des Patienten, im Sabizabulinarm nur bei 19 von 94 Patienten (20,2 %) eingetreten war gegenüber 23 von 51 Patienten (45,1 %) in der Placebo­gruppe.

Das ergibt eine absolute Reduktion um 24,9 %punkte und eine relative Reduktion um 55,2 % im Vergleich zu Placebo. Das ist mehr als mit Dexamethason und anderen Immunsuppressiva in Studien erzielt wurde. Und die Odds Ratio von 3,23 war nach der Berechnung von Gary Barnette vom Hersteller Veru aus Miami mit einem allerdings weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,45 bis 7,22 hoch signifikant.

Auch in den wichtigsten sekundären Endpunkten führte die Behandlung mit Sabizabulin zu einer Verbes­se­rung. Die Behandlungsdauer auf der Intensivstation wurde um 43 %, die Dauer der maschinellen Beatmung um 49 % und die Gesamtliegezeit im Krankenhaus um 26 % gegenüber Placebo verringert. Sicherheitsprob­leme sind nicht aufgetreten. Unerwünschte Wirkungen wurden seltener als in der Placebogruppe beobachtet, da sich die Patienten rascher erholt hatten.

Damit dürfte an der Wirksamkeit von Sabizabulin nicht zu zweifeln sein, auch wenn die Ergebnisse der Studie vielleicht im Alltag nicht erreicht werden. Die Behandlung wäre additiv zu Dexamethason und vermutlich auch zu Tocilizumab und Baricitinib/Tofacitinib möglich, wobei der Zusatznutzen hier noch in weiteren Studien untersucht werden müsste.

Der Hersteller hat bereits bei der US-amerikanischen FDA und bei anderen Zulassungsbehörden Anträge auf eine Notfallzulassung gestellt und hofft auf eine baldige Zustimmung. Da Sabizabulin bisher nicht in anderen Indikationen zugelassen ist, dürften die Behörden die Daten zur Sicherheit besonders genau prüfen. In der Publikation sind auf den ersten Blick keine möglichen Fallstricke erkennbar. © rme/aerzteblatt.de

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