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Ärzteschaft

„Wer schlechter Deutsch spricht, ist im Vergleich seltener geimpft“

Dienstag, 12. Juli 2022

Hamburg – Forscher aus Hamburg haben kürzlich anhand von zwei Stichtagserhebungen im September und November 2021  den Impfstatus bei Pa­tienten erfasst, die aufgrund von COVID-19 auf Normal- und Intensiv­sta­tion in 18 Hamburger Krankenhäusern behan­delt worden sind. An der Publikation mitgewirkt hat auch der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Pedram Emami. Das Deutsche Ärzteblatt () sprach mit ihm über die Ergebnisse und die Bedeutung der Coronaimpfung.

5 Fragen an Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg

Deutsches Ärzteblatt: Herr Emami, zu welchem Ergebnis kommt die Autorengruppe?
​Pedram Emami: Der spannendste Aspekt war, dass es scheinbar eine Korrelation gibt zwischen der Sprachkompetenz und dem Impfstatus. Plakativ formuliert: Wer schlechter Deutsch spricht, ist im Vergleich sel­tener geimpft. Bedenken muss man aber, dass das Ergebnis auf­grund der relativ kleinen Fallzahl vorsichtig zu bewerten ist.

DÄ: Welchen Einfluss hatte das Sprachverständnis der Patienten auf die Impfbereitschaft?
Emami: In einer Subanalyse, die in der Endfassung der Publikation nicht ausführlich zu finden ist, hatten wir ausdrücklich gefragt, was die Gründe für die nicht erfolgte Impfung seien.

Und hier zeigte sich der zweite interessante Aspekt: Grundsätzliche Vorbehalte kamen bei denen häufiger vor, die gut Deutsch sprachen. Oder andersherum, wer nicht so gut Deutsch sprach, gab eher an, sich nicht ausreichend informiert zu fühlen oder nicht zu wissen, wie man an Informationen herankommt. Grund­sätzliche Ablehnung kam in dieser Gruppe im Vergleich tatsächlich seltener vor.

DÄ: Bei welcher noch ungeimpften Gruppe sehen Sie das größte Potenzial, sie von einer Impfung zu überzeu­gen? Reicht die Impfquote aus, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden?
Emami: Ersteres ergibt sich aus dem Studienergebnis. Bei Migrantinnen und Migranten mit schlechten Sprach­­­kenntnissen kann man am ehesten durch gezielte Informationen und Impfangebote die Lücken schließen oder zumindest verkleinern.

Die Überlastung des Gesundheitssystems im Herbst hängt von mehreren Faktoren ab. Mein persönlicher Ein­druck ist (und ich bin bekanntermaßen kein Epidemiologe), dass die aktuell teils angespannte Lage nicht in erster Linie auf schwere COVID-19-Verläufe bei Patientinnen und Patienten zurückzuführen ist.

Das bedeutet aber, dass eine zusätzliche Belastung durch erhöhtes Patientenaufkommen gepaart mit infek­tionsbedingtem Personalausfall im Herbst das sensible Gleichgewicht ins Wanken bringen kann.

DÄ: Deutschland hat sich bis 2023 vertraglich 677,4 Millionen Impfdosen gesichert. Sollte die 4. Impfung für alle empfohlen werden, sofern genug Impfstoff verfügbar ist – gegebenfalls mit einem für die Omikron-Variante angepassten Impfstoff?
Emami: Mit dem Begriff „4. Impfung“ kann ich mich nicht anfreunden, eine „Auffrischung“ ist aus meiner Sicht eher ein korrekter Terminus. Die Empfehlungen hierzu spricht die Ständige Impfkommission (STIKO) aus, und daran würde ich mich als Bürgerin oder Bürger orientieren.

DÄ: Welche weiteren Maßnahmen würden Sie für den Herbst empfehlen?
Emami: Die hygienischen Bausteine kennen wir doch alle: Maske, Abstand, Meidung größerer Menschen­mengen, etc. In welcher Reihenfolge und Kombination das erfolgt, entscheidet die Entwicklung der nächsten Wochen; das Fachkollegium wird sicher auch Konzepte vorschlagen.

Dass die Hygienekonzepte der Schulen nicht notwendiger Weise als Erstes eine Schließung beinhalten sollten, darin besteht nach meiner Wahrnehmung auch landläufig Konsens. Eine Sache behält aber Gültigkeit: Die Impfung ist ein wesentlicher Bestandteil im Konzept, allem voran für die sogenannten vulnerablen Gruppen. © mis/aerzteblatt.de

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