NewsVermischtes„Mit dem Rolling Hospital kann man medizinische Versorgung in entlegene Regionen bringen“
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Vermischtes

„Mit dem Rolling Hospital kann man medizinische Versorgung in entlegene Regionen bringen“

Donnerstag, 14. Juli 2022

Düsseldorf – Die Planung einer Weltreise brachte den gelernten Bootsbauer Ansgar Frommeyer auf den Ge­danken, ein mobiles Krankenhaus auf gelände­gängige Lkw zu verteilen, um eine medizinische Versorgung auch in entle­genen Regionen der Welt gewährleisten zu können: die Idee zum „Rolling Hospital“ war geboren.

Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) erklärt Frommeyer, wie ein „Rolling Hospital“ funktioniert und wie es den Ukrainern im Krieg gegen Russland helfen könnte.

Fünf Fragen an Ansgar Frommeyer, Rolling Hospital

DÄ: Herr Frommeyer, was ist das Rolling Hospital?
Frommeyer: Das Rolling Hospital ist ein Krankenhaus, das in 30 Spe­zi­al­­aufbauten fest auf Lkw montiert wird, um damit in den entlegens­ten Regionen dieser Welt klinische Hilfe leisten zu können.

Die Lkw werden vor Ort so miteinander verbunden, dass sie vier Qua­drate bilden. Die einzelnen Bereiche sind dabei über Hygieneschleu­sen gekoppelt, sodass die Patienten von einer Fachabteilung in eine weitere transportiert werden können, zum Beispiel von der Notauf­nahme in die Chirurgie.

Die jeweiligen Fachgebiete verfügen über auf sie zugeschnittene Aufbauten, zum Beispiel in den Bereichen Chirurgie, Intensivmedizin, Pädiatrie oder auch Zahnmedizin.

Es gibt OP-Plätze, intensivmedizinische Patientenplätze, Isolierplätze sowie neun Patientenbetten für Erwachsene und zwei Betten für Klein­kinder inklusive Begleitperson. Enthalten sind zudem ein Labor, eine Apotheke, eine Notauf­nahme und eine Entbindungsstation sowie ein Röntgenraum, eine Wäscherei und ein Verwaltungscontainer.

Der Strom für das Rolling Hospital stammt von zwei Stromaggregaten. Man kann die Energie aber auch über entsprechende Anschlüsse von außen zufügen. Das gilt auch für Trinkwasser. Das Schmutzwasser kann über die örtliche Kanalisation entsorgt oder optional in eingebaute Tanks geleitet werden.

Zwei der Lkw transportieren zudem einen Kran und einen Radlader, die zum Aufbau des Rolling Hospital ver­wendet werden oder zur Beseitigung von Hindernissen auf der Wegstrecke. Zu diesem Zweck können auch Seilwinden an den Fahrzeugen montiert werden. Unser patentiertes System ist nach wenigen Minuten abfahr­bereit. So etwas gibt es bisher nicht.

DÄ: Wie kamen Sie auf die Idee zum Rolling Hospital?
Frommeyer: Ich habe den Traum, bis zu meinem Tod in jedem Land dieser Welt gewesen zu sein. Auch von meiner MS-Erkrankung wollte ich mich davon nicht abbringen lassen. Die Erkrankung brachte mich aber dazu, eine medizinische Begleitung auf meinen Reisen mitzunehmen, die mir im Ernstfall zur Seite stehen könnte.

Durch meine Besuche in Afrika wurde mir bald klar, wie dringend eine klinische Versorgung in einigen Regio­nen unseres Planten gebraucht wird. So kam ich auf die Idee, die medizinische Versorgung mithilfe von All­rad-Lkw in die jeweiligen Regionen zu bringen.

Das ist jetzt 14 Jahre her. Lange Zeit habe ich nebenberuflich an dem Projekt gearbeitet. Ich habe eigentlich eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandels­kaufmann gemacht und dann noch eine Ausbildung zum Boots­bauer ange­schlossen. Ich kenne mich also gut mit dem Innenausbau von Transportmitteln aus. Das hat mir ge­holfen, das Projekt zu konkretisieren. Seit Oktober 2020 arbeite ich nun Vollzeit bei Rolling Hospital.

DÄ: Wie weit sind Sie mit dem Projekt?
Frommeyer: Wir befinden uns in der finalen Aufbauphase. Wir sind kurz davor, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Wir haben verschiedene Partner aus der Industrie, die mit uns zusammenarbeiten wollen.

Das zu Volkswagen gehörende Unternehmen Scania hat sich zum Beispiel bereiterklärt, die Lkw für ein Rolling Hospital zur Verfügung zu stellen. Wenn ich mit Ärztinnen und Ärzte über das Projekt spreche, wurde mir gegenüber auch schon Interesse signalisiert, an einem Hilfseinsatz teilzunehmen.

Denn natürlich benötigen wir medizinisches Personal für unsere Einsätze in Entwicklungsländern, weshalb wir beispielsweise eine Kooperation mit Ärzte ohne Grenzen anstreben. Und wir benötigen Geld.

DÄ: Was kostet denn der Einsatz eines Rolling Hospitals?
Frommeyer: Aufgrund der aktuellen Preisentwicklung kostet das Rolling Hospital für die Ukraine etwa vier­einhalb Millionen Euro, für Afrika circa sieben Millionen Euro, wegen der Geländefähigkeiten. Innerhalb von vier Wochen kann es dann der Ukraine zur Verfügung gestellt werden.

DÄ: Und wo soll das Rolling Hospital zum Einsatz kommen?
Frommeyer: Ursprünglich sollte es, wie gesagt, in Afrika zum Einsatz kommen. Das ist auch heute noch der Plan. Doch infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der Zerstörung zahlreicher Kranken­häuser im Land wurde die Bitte aus dem ukrainischen Gesundheitsministerium an uns herangetragen, der Ukraine ein Rolling Hospital zur Verfügung zu stellen.

Trotz des Krieges ist das Straßensystems dort weitgehend intakt, sodass man mit gebrauchten LKW auch gut durchkommen kann. Diesem Wunsch möchten wir natürlich gerne nachkommen.

Allerdings sind wir hier auf Spenden und Mittel der Bundesregierung angewiesen, um der Ukraine umgehend zu helfen. Die Bundesregierung arbeitet zurzeit an den Formalitäten, um die benötigten Gelder auszuzahlen. © fos/aerzteblatt.de

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