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Medizin

Schmerz lässt sich korrekt mit Emojis erfassen

Freitag, 15. Juli 2022

/StockVector, stock.adobe.com

Boston – Eine in JAMA (2022; DOI: 10.1001/jama.2022.7489) veröffentlichte Vergleichsstudie zeigt, dass sich mit einer auf Emojis basierenden Skala die Schmerzen von Patienten ebenso gut erfassen lassen wie mit einer numerischen Skala.

Die emojibasierte Skala könnte eine Alternative zu visuellen Analogskalen mit numerischem Rating sein, die üblicherweise zur Schmerzerfassung eingesetzt werden, deren Performance aber vom kulturellen und lingu­istischen Hinter­grund der Patienten beeinflusst werden kann, schreiben US-Forscher.

Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass Emojis ein effektiver Weg seien, um im medizinsichen Kontext Ängste und Stimmung zu erfassen, schreiben Shuhan He vom Lab of Computer Science der Harvard Medical School in Boston und seine Kollegen.

Die Forschungsgruppe wollte deshalb herausfinden, ob sich auf eine digitale Plattform geladene Emojis auch zur Erfassung der Schmerzwahrnehmung eignen und möglicherweise einen standardisierten Mechanismus für Patienten mit diversen Hintergründen darstellen könnten.

Um die auf Emojis basierende Schmerzskala zu validieren, wendeten He und seine Kollegen sie bei Patienten an, die von Oktober 2021 bis Januar 2022 in der Notaufnahme oder einer der chirurgischen Abteilungen des Massachusetts General Hospital behandelt wurden. Die Patienten wurden unabhängig vom Vorliegen von Schmerzen befragt.

Patienten bewerten ihre Schmerzen mit Emojis statt mit Zahlen

Die emojibasierte Skala bestand aus 6 Icons, die der umfassend untersuchten und validierten Wong-Baker FACES Scale nachempfunden waren. Zu statis­tischen Zwecken wurden den Emojis Zahlenwerte von 0, 2, 4, 6, 8 und 10 zugeordnet. Daraus wurden Kategorien gebildet, die von 0 (kein Schmerz) bis 10 (schlimmster Schmerz) reichten.

Die zum Vergleich angewendete konventionelle numerische Rating-Skala reichte von 1-10. Welche der beiden Skalen die Patienten als erstens benutzten, war randomisiert.

Letztlich nahmen 109 Patienten an der Studie teil. Sie waren median 65 Jahre alt, 47,7 % waren weiblich, 82,6 % waren weiß und 88,1 % waren ethnisch weder Menschen mit hispanoamerikanischer noch lateinamerikani­scher Herkunft.

Unter den 98 Patienten, die Schmerzen hatten, waren bei 45,9% das Abdomen, bei 13,8 % die Brust, bei 13,8 % der Rücken und bei 12,8 % die Extremitäten betroffen.

Extrem gute Übereinstimmung zwischen den Skalen

Von den 109 Patienten machten 53 ihre Angaben zuerst auf der emojibasierte Skala, während 56 zuerst die numerische Skala nutzten. Die Schmerzscores betrugen sowohl auf der numerischen Schmerzskala als auch auf der Emojiskala 4 (IQR 2,7 bzw. IQR 2-8).

Die Übereinstimmung zwischen der emojibasierten Skala und der numerischen Skala war insgesamt ein gewichtetes κ von 0,84 (95-%-KI 0,77-0,87; p<0,001). In der Gruppe, die die Emojiskala zuerst benutzte, war die Übereinstimmung ein gewichtetes κ von 0,87 (95-%-KI 0,82-0,92; p<0,001).

Und für die Gruppe, die die numerische Skala zuerst benutzte, war die Übereinstimmung ein gewichtetes κ von 0,80 (95-%-KI 0,74-0,85; p<0,001). Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (p=0,58).

Validierung in diverseren Patientenpopulationen erforderlich

„Die Studie zeigte einen hohen Grad an Übereinstimmung zwischen einer emojibasierten Schmerzskala und einer numerischen Ratingskala in einer Stichprobe von Patienten eines einzelnen Krankenhauses“, schreiben He und seine Koautoren.

Sie schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass Emojis, die sich leicht auf digitalen Plattformen abbilden ließen, eine kostengünstige Alternative zu numerischen Rating-Skalen darstellen könnten.

Sie räumen ein, dass das es der untersuchten Population an Diversität gemangelt habe. Außerdem sei eine willkürliche Patientenpopulation genutzt worden, anstatt eine zufällige oder zweckorientierte Stichprobe zu nehmen. Künftige Arbeiten seien deshalb erforderlich, um die emojibasierte Schmerzska­la in verschiedenen Bevölkerungsgruppen und mit verschiedenen Arten von Skalen zu validieren. © nec/aerzteblatt.de

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