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Medizin

SARS-CoV-2: Universeller Antikörper könnte vor allen Varianten und anderen Coronaviren schützen

Montag, 25. Juli 2022

/rost9, stock.adobe.com

Birmingham/Alabama – US-Forscher haben einen monoklonalen Antikörper entdeckt, der an einer unver­än­derlichen Region am „Stiel“ des S-Proteins von SARS-CoV-2 bindet. In ersten Laborex­perimenten wurde eine neu­tralisierende Wirkung gegen alle Varianten von SARS-CoV-2 erzielt sowie gegen andere Beta-Coronaviren wie SARS-CoV und MERS-CoV und einige Erkältungsviren. Auch erste tierexperimentelle Studien verliefen laut einer Publikation in PLoS Pathogens (2022; DOI: 10.1371/journal.ppat.1010691) vielversprechend.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich SARS-CoV-2 durch Mutationen schnell dem Zugriff der Antikörper entziehen kann, die durch Impfstoffe erzeugt oder auch als Arzneimittel eingesetzt werden. Der Grund ist die hohe Mutationsrate des Virus, die das Spikeprotein vor allem in der Rezeptor­bindungsstelle ver­ändern, wo die Antikörper die stärkste neutralisierende Wirkung erzielen. Hinzu kommt, dass die Mutationen die Infektiosität des Virus erhöht haben.

Verschiedene Forschergruppen suchen derzeit nach Antikörpern, die gegen unveränderliche Regionen des Spikeproteins gerichtet sind. Solche Regionen befinden sich in der Stielregion (S2). Mutationen könnten hier zu einer Instabilität und zum „Abbrechen“ des Spikeproteins führen. Ohne Spikeprotein können SARS-CoV-2 und andere Beta-Coronaviren keine Zellen infizieren. Deshalb gibt es in S2 Regionen, die sich als Angriffs­punkt für breitneutralisierende Antikörper eignen.

Ein Team um James Kobie von der Universität von Alabama in Birmingham scheint jetzt solche Antikörper im Blut von Patienten gefunden zu haben, die sich von COVID-19 erholt hatten. Die Forscher identifizierten die B-Zellen, die die Antikörper bilden, isolierten das Gen und stellten es in rekombinanten Mikroorganismen her. Insgesamt wurden 17 Antikörper gefunden, die an das S2-Protein binden. Davon waren 4 in der Lage, SARS-CoV-2 einschließlich der Beta- und Omikron-Varianten zu neutralisieren.

Die besten Testergebnisse wurden mit dem Antikörper 1249A8 erzielt. Er neutralisierte nicht nur den Wildtyp Wuhan von SARS-CoV-2 und seine Varianten Beta, Gamma, Delta, Epsilon und Omikron. Auch das erste SARS-CoV, das 2002 bis 2004 eine Pandemie auslöste, sowie MERS-CoV, das auf der arabischen Halbinsel immer wieder tödliche Erkrankungen am „Middle East Respiratory Syndrome“ verursacht, wurden neutralisiert. Ebenso die beiden Coronaviren OC43 and HKU-1, die in der Regel harmlose Erkältungskrankheiten auslösen.

Der Antikörper 1249A8 schützte Mäuse vor COVID-19, die aufgrund einer Genmodifikation wie Menschen erkranken können. Die Tiere verloren nach einer Inokulation mit SARS-CoV-2 nicht an Gewicht, und die Viren waren innerhalb von 4 Tagen aus den Lungen verschwunden. Darüber hinaus zeigte 1249A8 einen Synergis­mus mit 1213H7, einem anderen von den Forschern entdeckten Antikörper, der an der Rezeptorbindungsstelle des Spikeproteins bindet.

Ein Cocktail aus den beiden Antikörpern wurde zusammen mit der Firma Aridis aus San José in Kalifornien an Hamstern untersucht. Dabei wurden die Antikörper 12 Stunden nach einer Infektion (mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2) intranasal appliziert.

Ein Gewichtsverlust durch COVID-19 konnte bei den Tieren verhindert werden, und die Virustiter in Nasen­raum und Lungen waren deutlich vermindert (allerdings nur, wenn beide Antikörper gegeben wurden). Eine schützende Wirkung wurde auch gegen das erste SARS-CoV erzielt.

Die Ergebnisse könnten zur Entwicklung neuer universeller Antikörperpräparate führen. Der Hersteller Aridis hat die beiden Antikörpern in den Antikörpercocktail AR-701 aufgenommen, der für eine inhalative Verabrei­chung entwickelt wurde. Die Antikörper werden dabei modifiziert, um die Wirksamkeit auf ein Jahr oder län­ger auszudehnen. © rme/aerzteblatt.de

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