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Medizin

Kaliumreiche Kost senkt bei Frauen Blutdruck und könnte vor Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen schützen

Montag, 1. August 2022

/Yaruniv-Studio, stock.adobe.com

Amsterdam – Der häufige Verzehr von Nahrungsmitteln mit einem hohen Kaliumgehalt wie Bananen oder Avocados kann die Auswirkungen einer hohen Natriumzufuhr auf den Blut­druck bei Frauen abschwächen.

Eine prospektive Beobachtungsstudie im European Heart Journal (2022; DOI: 10.1093/eurheartj/ehac313) zeigt außerdem, dass eine hohe Kalium­zufuhr langfristig mit einer niedrigeren Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.

Der hohe Salz- sprich Natriumgehalt vor allem bei industriellen Nahrungsmitteln zählt zu den möglichen Ursachen für den steigenden Blutdruck in der Bevölkerung. Den meisten Menschen fällt es zudem schwer, ihren gewohnheitsmäßigen Salzkonsum einzuschränken.

Frauen nehmen in Deutschland durchschnittlich 8,4 Gramm, Männer sogar 10 Gramm Natriumchlorid zu sich, statt der empfohlenen 6 Gramm (was etwa 3 Gramm reinem Natrium entspricht).

Als mögliche Gegenmaßnahme wird von Ernährungswissenschaftlern derzeit eine gesteigerte Kaliumzufuhr diskutiert. Kalium fördert in den Nieren die Ausscheidung von Natrium, als Kaliumchlorid kann es sogar als Salzersatz verwendet werden – wobei ein zu starker Anstieg der Kaliumkonzentration im Blut vermieden wer­den muss.

Ein Team um Liffert Vogt von der Universitätsklinik Amsterdam (UMC) hat jetzt untersucht, welche Auswirkun­gen die Kaliumzufuhr auf den Blutdruck und langfristig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Die Forscher haben dazu die Daten der Studie EPIC-Norfolk analysiert.

Die Studie hatte in der britischen Grafschaft Norfolk zwischen 1993 und 1997 bei 24.963 Hausarztpatienten (11.267 Männer und 13.696 Frauen) im Alter von 40 bis 79 Jahren Urinpro­ben gesammelt. Mit der Kawasaki­formel lässt sich daraus die tägliche Ausscheidung von Natrium und Kalium berechnen, die grob der Zufuhr der beiden Mineralien über die Nahrung entspricht.

Bei einem Vergleich mit den damaligen Blutdruckwerten stellte sich heraus, dass die Kalium­aufnahme bei Frauen invers mit dem systolischen Blutdruck assoziiert war: Mit steigender Aufnahme von Kalium sank der Blutdruck.

Dieser Zusammenhang wurde nur bei Frauen mit hoher Natriumaufnahme (oberstes Tertil) beobachtet: Jede Zunahme des täglichen Kaliums um 1 Gramm war mit einem um 2,4 mmHg niedrigeren systolischen Blut­druck verbunden.

Bei Männern wurde dagegen kein Zusammenhang zwischen Kalium und Blutdruck gefunden, auch nicht bei einer hohen Kaliumaufnahme. Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Ein­fluss von Natrium auf den Blut­druck, die sogenannte „Salzsensitivität“, bei Frauen ausge­prägter ist als bei Männern.

Die Forscher haben dann die Auswirkungen der Kaliumaufnahme auf das langfristige Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 19,5 Jahren wurden 13.596 Teilnehmer (55 %) im Krankenhaus wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgenommen oder sind daran gestorben.

Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Natriumaufnahme, Einnahme von Lipidsenkern, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes und früheren Herzinfarkten oder Schlaganfällen ergab sich eine Assoziation, die wiederum bei den Frauen deutlicher ausfiel als bei den Männern: Frauen im obersten Tertil der Kaliumzufuhr erlitten zu 11 % seltener ein Herz-Kreislauf-Ereignis (Hazard Ratio 0,89; 95-%-Konfidenzintervall 0,83-0,95).

Bei Männern war das Risiko nur um 7 % gesenkt und die Hazard Ratio von 0,93 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,87 bis 1,00 nur knapp signifikant.

Die Salzmenge in der Nahrung hatte (anders als beim systolischen Blutdruck) keinen Einfluss auf die Beziehung zwischen Kalium und kardiovaskulären Ereignissen bei Männern oder Frauen. Vogt schließt daraus, dass die günstige Wirkung von Kalium nicht allein auf die gesteigerte Ausscheidung von Natrium in den Nieren zurückzuführen ist.

Dass eine lebenslange kaliumreiche Kost tatsächlich im Alter vor Herz-Kreislauf-Erkran­kungen schützt, kann eine prospektive Beobachtungsstudie wie EPIC-Norfolk nicht sicher beweisen.

Es ist allerdings nicht die erste Untersuchung, die auf einen möglichen Nutzen von Kalium hingewiesen hat. Im letzten Jahr wurde erstmals eine größere randomisierte Studie aus China veröffentlicht. Dort hat der weitgehende Ersatz von Natrium- durch Kaliumchlorid in der Nahrung die Zahl der Schlaganfälle in einer Gruppe von Hochrisikopatienten ge­senkt.

Ein Anstieg von Herzrhythmusstörungen wurde nicht beobachtet. Allerdings war es nach der Publikation im New England Journal of Medicine (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2105675) nicht möglich gewesen, die Kaliumwerte im Blut regelmäßig zu kontrollieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Erwachsene mindestens 3,5 Gramm Kalium pro Tag zu sich nehmen sollten. Zu den kaliumreichen Lebensmitteln gehören Gemüse, Obst, Nüsse, Bohnen, Milchprodukte und Fisch. Beispielsweise enthält eine 115-Gramm-Banane 375 mg Kalium, 154 Gramm gekochter Lachs 780 mg, eine 136-Gramm-Kartoffel 500 mg und 1 Tasse Milch 375 mg. © rme/aerzteblatt.de

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