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Medizin

COVID-19: Anosmie dauert bei Frauen häufig länger

Freitag, 29. Juli 2022

/Design Cells, stock.adobe.com

Singapur – Die meisten Patienten mit COVID-19 erholen sich relativ schnell von ihrem Geruchs- und Ge­schmacksverlust. Bei etwa 5 % könnte es nach einer Metaanalyse im britischen Ärzteblatt (BMJ 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-069503) jedoch zu längeren Störungen kommen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Gleich zu Beginn der Pandemie stellte sich heraus, dass es bei vielen Patienten zu Geruchs- und damit auch zu Geschmacksstörungen kommt. Heute gelten sie als Leitsymptom von COVID-19, über das etwa die Hälfte der Patienten klagt. In Geruchstest lassen sich sogar bei fast allen Patienten olfaktorische Dysfunktionen nachweisen.

Bislang ist unklar, wie lange die Symptome dauern und ob sich alle Patienten erholen. Benjamin Tan von der Yong Loo Lin School of Medicine in Singapur und Mitarbeiter haben hierzu die Daten aus 18 Beobachtungs­studien mit 3.699 Teilnehmern ausgewertet, in denen Patienten nach ihren Geruchs- und Geschmacksstö­run­gen befragt wurden. Ein Geruchstest wurde nur in 1 Studie durchgeführt, so dass sich die Metaanalyse auf die subjektiven Störungen beschränkt.

Die meisten Patienten erholten sich rasch. Nach 30 Tagen hatte sich der Geruchssinn bei 74,1 % und der Geschmackssinn bei 78,8 % der Patienten verbessert. Nach 90 Tagen konnten 90,0 % und 90,3 % und nach 180 Tagen 95,7 % und 98,0 % wieder riechen beziehungsweise schmecken. Die mediane Dauer der Geruchs­störungen betrug nur 14,9 Tage. Der Geschmackssinn war bereits nach median 12,4 Tagen wieder vorhanden.

Bei Frauen erholte sich der Geruchssinn zu 48 % seltener (Odds Ratio 0,52; 95-%-Konfidenzintervall 0,37 bis 0,72) und der Geschmackssinn sogar zu 69 % seltener (Odds Ratio 0,31; 0,13-0,72) als bei Männern. Die Grün­de sind nicht bekannt. Ein ungünstiges Omen für die Erholung sind ein hohes Ausmaß der anfänglichen Stö­rung (Odds Ratio 0,48; 0,31-0,73) und eine verstopfte Nase (Odds Ratio 0,42; 0,18-0,97).

Es könnte allerdings einen Prozentsatz von Patienten geben, bei denen sich die Sinneszellen im Riechepithel nicht wieder erholen. Basierend auf einer Extrapolation der Heilungskurven schätzt Tan den Anteil auf 5,6 % (2,7-11,0 %) bei den Geruchs- und auf 4,4 % (1,2-14,6 %), bei den Geschmacksstörungen.

Die Metaanalyse berücksichtigt allerdings nur Studien aus der Zeit vor der Omikron-Welle. Infektionen mit den Omikron-Varianten führen nach den bisher veröffentlichten Studien seltener zu Geruchs- und Geschmacksstörungen, die auch milder ausfallen.

Ob tatsächlich von derzeit weltweit 550 Mio. bestätigten Patienten 15 Mio. bzw. 12 Mio. dauerhafte Geruchs- beziehungsweise Geschmacksstörungen davontragen, bleibt abzuwarten, erklärte Kevin McConway von der Open University in Milton Keynes/England gegenüber dem Science Media Center London.

Sollte sich allerdings das Riechepithel auf Dauer nicht erholen, könnten die Auswirkungen auf die Lebens­qualität gravierend sein, warnt Paolo Boscolo-Rizzo von der Universität Triest in einem Editorial. Die Bedeutung des Geruchssinns werde von den meisten Menschen unterschätzt. Es gehe nicht nur die Freude am Essen verloren, die Betroffenen seien auch nicht mehr in der Lage, Warnsignale wie Feuer oder verdorbene Speisen rechtzeitig zu erkennen. © rme/aerzteblatt.de

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