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Affenpocken: Erste Todesfälle in Europa, Notstand in New York

Montag, 1. August 2022

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Madrid – Erstmals sind in Europa Todesfälle nach einer Affenpockeninfektion bekannt geworden. Die beiden Männer starben am vergangenen Freitag und vorgestern in Spanien, wie Gesundheitsbehörden des Landes mitteilten. Ein weiterer Todesfall wurde am Wochenende in Brasilien bestätigt. Angesichts der sich ausbrei­ten­den Affen­pocken rief die Gouverneurin des US-Bundesstaates New York den Notstand aus.

Die beiden Patienten starben in Krankenhäusern in den Regionen Valencia und Andalusien. Beide waren amt­lichen Angaben zufolge mit einer Gehirnentzündung eingewiesen worden.

Das Gesundheitsministerium der Region Valencia teilte am vergangenen Freitagabend mit, der Tod des Pa­ti­en­ten sei „durch eine infektionsbedingte Enzephalitis verursacht“ worden. Die Regionalzeitung Levante schrieb, es handele sich um einen „etwa 40 Jahre alten Mann“, der in Alicante auf der Intensivstation lag.

In Andalusien gab das Gesundheitsministerium vorgestern bekannt, bei dem zweiten Todesopfer handele es sich um einen 31-Jährigen. Er war demnach mit einer Meningoenzephalitis auf die Intensivstation des Uni­versitätskrankenhauses in Córdoba gebracht worden.

Mehrere spanische Experten betonten, beide Todesfälle seien wahrscheinlich auf Vorerkrankungen zurück­zu­führen.

„In 99 Prozent der Fälle handelt es sich um eine gutartige Infektion, aber es gibt Patienten, die anfälliger sind, zum Beispiel Menschen mit Begleiterkrankungen oder Kinder“, sagte der Mikrobiologe José Antonio López Guerrero von der Madrider Universidad Autónoma der Zeitung El País. Zu Gehirnentzündungen meinte er, diese seien bei verschiedenen Virusinfektionen nicht selten.

Ob bei den beiden Todesfällen Begleiterkrankungen vorlagen, war zunächst unklar. El País schrieb, das medi­zinische Institut „Instituto de Salud Carlos III“ in Madrid wolle Gewebeproben untersuchen, um die Todesursa­chen besser zu verstehen.

Spanien ist eines der von den Affenpocken am stärksten betroffenen Länder. Bei etwa 4.300 erfassten Fällen habe es etwa 120 Krankenhauseinweisungen gegeben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Experten for­derten mehr und bessere Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit.

Man müsse verhindern, dass das Virus etwa „auf Bordelle oder auf Familien mit Kindern übergreift“, sagte der Immunologe Alfredo Corell von der Universität Valladolid der Zeitung El Mundo. Dazu müsse man auch über die Isolierung von Infizierten nachdenken.

Der Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Uniklinik Badalona, Roger Paredes, forderte, dass die Behörden nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa die Aktionen gegen Affenpocken „beschleunigen und stärken müssen“ – etwa durch mehr Impfungen.

Auch Brasilien bestätigte am Wochenende einen Todesfall im Zusammenhang mit Affenpocken. Der 41-jährige Mann habe verschiedene Vorerkrankungen gehabt, sei immungeschwächt gewesen und habe Chemotherapien hinter sich, teilte das Gesundheitsministerium in Brasília mit. Wie sehr die Affenpocken zum Tod des Mannes beigetragen hätten, werde nun untersucht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zum aktuellen Affenpocken-Ausbruch zuvor fünf Tote registriert – alle in Afrika. Angesichts der schnellen Verbreitung der Affenpocken hatte die WHO am vorigen Wochenen­de die höchste Alarmstufe ausgerufen. Die weltweite Verbreitung der Infektionskrankheit ist ungewöhnlich, bisher war sie im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt.

Der US-Bundesstaat New York rief wegen des Ausbruchs den Notstand aus. „Diese Maßnahme erlaubt es uns, schneller auf den Ausbruch zu reagieren und zusätzliche Schritte zu unternehmen, um mehr New Yorker zu impfen“, sagte Gouverneurin Kathy Hochul.

Man müsse zur Eindämmung des Virus „jedes Werkzeug nutzen“ und besonders Risikogruppen so gut wie mög­lich schützen. Dafür werde die Kontaktverfolgung intensiviert und mehr Gesundheitspersonal mobilisiert, um Schutzimpfungen zu verabreichen. Außerdem würden die Testkapazitäten ausgebaut.

Der Notstand gilt in New York vorerst bis zum 28. August. Am vergangenen Freitag meldete das Gesundheits­ministerium des Bundesstaats 1.383 Infektionen mit dem Affenpockenvirus, die sich hauptsächlich auf die Millionen­metropole New York konzentrierten. Das entspricht etwa einem Viertel der in den USA registrierten Fälle.

New Yorks Bürgermeister Eric Adams rief auch in der Stadt einen Gesundheitsnotstand aus: „New York City ist derzeit das Epizentrum des Ausbruchs, und wir schätzen, dass etwa 150.000 New Yorker Affenpocken ausge­setzt gewesen sein könnten.“ Nach der jüngsten Erfassung gab es knapp 23.000 Affenpockenfälle weltweit. Besonders betroffen ist Europa mit mehr als 14.000 Fällen.

Davon entfielen bis zum vergangenen Freitag knapp 2.600 auf Deutschland. Bei einer Affenpockeninfektion können Hautaus­schlag, geschwollene Lymphknoten sowie Fieber, Schüttelfrost und Muskelschmerzen auftreten. Nach WHO-Angaben kamen bislang in Europa etwa acht Prozent der Patienten ins Krankenhaus, meist wegen starker Schmerzen oder Zusatzinfektionen.

Auch in Indien ist erstmals ein Todesfall eines mit Affenpocken erkrankten Patienten bestätigt worden. Der junge Mann habe keine anderen Gesundheitsprobleme gehabt, teilte die Gesundheitsministerin des betrof­fenen Bundesstaates Kerala, Veena George, mit.

Er sei vor gut zwei Wochen (19. Juli) in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv auf das Virus getestet worden. Kurz darauf ist er ihren Angaben zufolge in seine Heimat Indien zurückgekehrt, wo er etwas später Fieber bekam, ins Krankenhaus musste und zuletzt an einem Beatmungsgerät gewesen ist. Er sei am ver­gan­genen Samstag gestorben. Indische Tests hätten seine Erkrankung mit Affenpocken bestätigt. Kontaktperso­nen von ihm würden beobachtet. © dpa/aerzteblatt.de

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