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Medizin

BDCA2-Antikörper Litifilimab bei kutanem Lupus erythematodes wirksam

Dienstag, 2. August 2022

/alkov, stock.adobe.com

Cambridge/Massachusetts – Der Antikörper Litifilimab, der derzeit zur Behandlung des systemischen Lupus erythematodes klinisch getestet wird, hat sich in einer Phase-2-Studie auch beim kutanen Lupus erythema­todes als wirksam erwiesen, für den es bisher nur sehr begrenzte Behandlungsoptionen gibt. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2118024) veröffent­licht.

Der kutane Lupus erythematodes ist eine Hauterkrankung, die alleine oder im Rahmen eines systemischen Lupus erythematodes (SLE) auftreten kann. Die Ursache der Hautläsionen, die im Gesichtsbereich mit einem typischen Schmetterlingserythem einhergehen, ist unklar.

Wie beim SLE wird eine Autoimmunreaktion angenommen. Beteiligt sind nach derzeitiger Kenntnis Typ-I-Interferone und andere Entzündungsmediatoren. Sie werden unter anderem von plasmazytoiden dendri­tischen Zellen (pDC) freigesetzt. Diese Zellen gehören zum Immunsystem, und ihre Aufgabe könnte im Aufspüren von Antigenen bestehen, deren Nachweis dann eine Immunreaktion provoziert.

Bei Autoimmunerkrankungen sind diese Antigene körpereigene Bestandteile, die einen falschen Alarm auslösen. Um welche Antigene es sich beim Lupus erythematodes handelt, ist nicht bekannt.

Die Blockade der pDC könnte jedoch ein Weg sein, um die Immunreaktion zu bremsen. Als Angriffspunkt bietet sich das „Blood Dendritic Cell Antigen 2“ (BDCA2) an, ein Rezeptor, der ausschließlich auf der Oberfläche von pDC vorhanden ist.

Der US-Hersteller Biogen aus Cambridge/Massachusetts hat einen Antikörper gegen BDCA2 entwickelt: Litifilimab wird derzeit sowohl beim SLE als auch bei Patienten mit kutanem Lupus erythematodes in einer Phase-2-Studie getestet. Die Ergebnisse zum kutanen Lupus erythematodes liegen jetzt vor.

Am Teil B der multinationalen LILAC-Studie (ohne deutsche Beteiligung) nahmen 132 Patienten mit kutanem Lupus erythematodes teil (der bei 57 Patienten Bestandteil eines SLE war). Die Patienten waren im Mittel 43 Jahre alt, und die Hautläsionen bestanden seit etwa 7 bis 10 Jahren. Die meisten Patienten waren mit Hydroxychloroquin vorbehandelt. Das Malariamittel ist derzeit das wichtigste Basistherapeutikum, um Krankheitsschübe zu verhindern. Im Schub kommen häufig systemische Steroide zum Einsatz.

Die Patienten wurden auf eine Behandlung mit 50 mg, 150 mg oder 450 mg Litifilimab oder auf eine Placebogruppe randomisiert. Antikörper oder Placebo wurden innerhalb von 12 Wochen 5 Mal subkutan (Woche 0, 2, 4, 8 und 12) injiziert. Der primäre Endpunkt war der CLASI-A-Index („Cutaneous Lupus Erythematosus Disease Area and Severity Index–Activity score“), der den Schweregrad der Hautläsionen beschreibt und von 0 bis 70 Punkten reicht, wobei ein höherer Score eine stärkere Krankheitsaktivität anzeigt.

Wie das Team um Nathalie Franchimont vom Hersteller Biogen berichtet, kam es unter allen 3 Dosierungen zu einer signifikanten Besserung der Hautläsionen. Bis zur Woche 16 fiel der CLASI-A-Score unter der 50 mg-Dosierung um 24,3 %-Punkte (95-%-Konfidenzintervall 4,9 bis 43,7 %-Punkte) unter der 50-mg-Dosierung um 33,4 %-Punkte (14,1-52,7) und unter der 450 mg-Dosierung um 28,0 %-Punkte 11,4-44,6 %-Punkte.

In den meisten sekundären Endpunkten wurde dagegen keine signifikante Verbesserung erzielt. So kam es nur unter der höchsten Dosierung zu einem Rückgang des CLASI-A-Score um mehr als 50 %, und eine Verbesserung um 4 Punkte auf dem CLASI-A-Score wurde nur in der mittleren Dosierung erreicht.

Beides könnte daran gelegen haben, dass der CLASI-A-Score vor Beginn der Erkrankung mit 15 bis 18 Punkten relativ gering war. Es zeigt aber auch, dass die Läsionen nicht völlig verschwinden, was bei den narbigen Veränderungen auf der Haut aber auch nicht zu erwarten ist.

Litifilimab wird laut dem Hersteller im Allgemeinen gut vertragen. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren leicht oder mäßig und traten nicht häufiger auf als in der Placebogruppe. Problematisch könnte ein erhöhtes Infektionsrisiko sein.

Bei 5 Patienten (0 in der Placebogruppe) kam es zu einer Influenza und bei 4 Patienten (1 in der Placebo­gruppe) zu einer Herpesinfektion. Ein 1 Patient (0 in der Placebogruppe) erkrankte 4 Monate nach der letzten Dosis an einer Zostermeningitis.

Eine abschließende Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit wird erst nach dem Ende der geplanten Phase-3-Studie möglich sein. Die Ergebnisse aus dem 2. Teil der Studie, in dem Patienten mit SLE mit Litifilimab behandelt wurden, soll in Kürze publiziert werden. Die Phase-3-Studie zur Behandlung des SLE (deutsche Beteiligung: Göttingen, Hannover, Köln, Mainz und München) soll demnächst beginnen. © rme/aerzteblatt.de

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