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Medizin

Cochrane: Schnelltest nur bei COVID-19-Symptomen ausreichend genau

Dienstag, 2. August 2022

/Steven, stock.adobe.com

Birmingham – Antigenschnelltest erkennen Personen mit COVID-19-Symptomen häufiger korrekt als symp­tom­lose Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion. Zu diesem Ergebnis kommt eine 3. Aktualisierung eines Cochrane Reviews, der gut 150 Studien umfasst, die bis zum 8. März 2021 veröffentlicht wurden (2022; DOI: 10.1002/14651858.CD013705.pub3). Aussagen zur Testsensitivität gegenüber der vorherrschenden Omikron-Variante lassen sich daher nicht ableiten.

Die Sensitivität bei Erkrankten mit COVID-19-Symptomen lag bei 73,0 % (95 %-Konfidenzintervall 69,3 %-76,4 %; 50.574 Proben, 11.662 Fälle). Bei asymptomatischen Infizierten erkannten die Tests nur jede 2. Infektion korrekt (54,7 %, 95 %-KI 47,7 %-61,6 %; 40.956 Proben, 2.641 Fälle).

Die Sensitivität verbesserte sich etwas bei asymptomatischen Personen, bei denen ein Kontakt mit einer infizierten Person vermutet werden konnte (64,3 %, 95 %-KI 54,6 %-73,0 %).

Die Ergebnisse der Antigenschnelltests waren zudem in der 1. Woche der Erkrankung mit Symptomen zuverlässiger als in der 2. Woche (80,9 %, 95 %-KI 76,9 %-84,4 % versus 53,8 %, 95 %-KI 48,0 %-59,6 %).

Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Viruslast in den ersten Tagen der Erkrankung am größten ist. Für Personen, die laut PCR nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, zeigten mehr als 99 % der Antigentests dies korrekt an, unabhängig von Symptomen.

Wann Schnelltests PCR-Tests ersetzten können

Die Forschenden kommen daher zu dem Schluss, dass bei Menschen mit Symptomen einige Antigenschnell­tests genau genug sind, um PCR-Tests zu ersetzen. Personen mit negativem Testergebnis können dennoch infiziert sein (falsch negativ).

In einer heute publizierten Studie im Deutschen Ärzteblatt, konnten Forschende vom Institut für Mikrobiolo­gie und Infektionsimmunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigen, dass Schnelltests ohne nach­folgende PCR-Bestätigung vor allem in Zeiten hoher Inzidenzen wertvoll sein können.

Von fast 15.000 Proben, die von 406 Arztpraxen und 53 Testzentren mit der Anforderung „Bestätigung eines positiven Schnelltests” eingesandt wurden, konnten fast 12.000 positive Schnelltestergebnisse (80,6 %) mittels PCR bestätigt werden.

Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antigen

Massentestungen mit Schnelltests, die virale Antigene erkennen, wurden vorgeschlagen, um kontagiöse Personen zu erkennen und dadurch die gegenwärtige SARS-CoV-2-Pandemie zu kontrollieren (1). In Deutschland wurden neben Testungen in Arztpraxen kommerzielle Testzentren gegründet und Selbsttests verfügbar gemacht. Da der positive prädiktive Wert (PPV, das heißt ein richtig positives Ergebnis im

Testgenauigkeit hängt vom Hersteller ab

Ein weiteres Ergebnis des Cochrane Reviews: Die Genauigkeit der Antigenschnelltests variierte zwischen den Tests verschiedener Hersteller. Die durchschnittliche Sensitivität lag je nach Marke bei 34,3 %-91,3 % bei symptomatischen Teilnehmenden (ausgewertet wurden Daten von 20 Herstellern) und von 28,6 %-77,8 % bei asymptomatischen Teilnehmenden (12 verschiedene Tests).

Nur 7 Tests erreichten bei symptomatischen Personen eine durchschnittliche Sensitivität von mindestens 80 % und erfüllten damit die Mindestkriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO): AAZ, Abbott BinaxNow, Bionote, Denka QuickNavi, LumiraDx, Quidel, und Shenzhen Bioeasy; ein Test von LumiraDx assay erreichte werte über 90 %.

Auch das Paul Ehrlich Institut (PEI) hatte die Testsensitivität verschiedener Hersteller verglichen und seine Ergebnisse im November 2021 präsentiert. Von 122 Tests konnten 96 die geforderte Sensitivität einhalten, die das PEI mit 75 % etwas niedriger als die WHO angesetzt hatte. Das Deutsche Ärzteblatt hat darüber berichtet.

Testgenauigkeit gegenüber der Omikron-Variante wird untersucht

Die Forschenden räumen ein, dass sie bislang nicht in der Lage waren, systematisch zu prüfen, ob die Testge­nauigkeit zwischen den SARS-CoV-2-Varianten wie Delta und Omikron (B.1.1.529) variiere.

Ebenso könne keine Aussage zur Testgenauigkeit in Abhängigkeit des Impfstatus gemacht werden. Es sei noch zu früh, um festzustellen, ob sich die Genauigkeit beim Nachweis der Omikron-Variante abweiche, heißt es im Review.

Bisher liege nur eine kleine laborbasierte Evaluierung der britischen Gesundheitsbehörde (UK Health Security Agency) vor, die keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der analytischen Sensitivität von 5 verschiedenen Schnelltests ergeben hätte (UK HSA 2021b).

Die Ergebnisse des PEI zur Testgenauigkeit für Omikron vom März 2022 wurden im Cochrane Review noch nicht berücksichtigt. Das PEI hatte 20 Antigentests zur professionellen Anwendung auf die Falsch-Negativ-Rate gegenüber Omikron überprüft.

Entgegen der Hinweise der US-Arznei­mittelbehörde FDA vom Dezember 2021 und Studienergebnissen aus München, konnten sie gegenüber der Omikron-Variante jedoch keine verringerte Sensitivität feststellen.

Antigenschnelltests: Kein einheitliches Ergebnis

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) attestierte einem Großteil der Schnelltests eine vergleichbare Sensitivität für die Omikron-Variante. Inzwischen liegt ein neuer Preprint vor, der dies nicht bestätigt. Große begutachtete Studien zu variantenabhängigen Unterschieden fehlen jedoch weiterhin. Als das Paul Ehrlich Institut (PEI) am 24. März die Ergebnisse seiner lang erwarteten Untersuchunge

Die -Studie aus Berlin zeigte zudem, dass im Januar/Februar 2022, als die Omikron-Variante dominierte und die 7-Tage-Inzidenzen > 1.000 betrug, 87,9 % der Schnelltests in Arztpraxen und Teszentren mit einem PCR bestätigt werden konnten.

Erstautor Jac Dinnes von der University of Birmingham teilte dem auf Nachfrage mit: „Wir planen eine 4. Aktualisierung der Überprüfung mit gezielteren Fragen, die sehr wahrscheinlich die Genauigkeit nach Varian­ten einschließen wird.“

Die Studie des PEI würde allerdings nicht die Einschlusskriterien für ihr Review erfüllen. Die Ergebnisse könnten aber ähnlich wie die der britischen Gesundheitsbehörde in der Diskussion erwähnt werden, sagte Dinnes.

Der Cochrane Review basiert auf Studien, die die Ergebnisse von kommerziell hergestellten Antigenschnell­tests mit denen eines PCR-Tests auf SARS-CoV-2 verglichen. Die Tests wurden im Krankenhaus, in einem öffentlichen Testzentrum oder Zuhause durchgeführt. Die Ergebnisse des PEI basieren auf experimentellen Untersuchungen mit positiv klinischen Proben und Zellkulturproben. © gie/aerzteblatt.de

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