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Politik

Telefonische Krankschreibung bei leichten Atemwegserkrankungen ab sofort wieder möglich

Donnerstag, 4. August 2022

/Drobot Dean, stockadobecom

Berlin – Angesichts steigender Infektionszahlen ist die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bei leichten Atemwegs­erkrankungen wieder möglich. Das entschied der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) heu­te, der damit bereits bestehende Regelungen reaktiviert hat. Sie gilt vorerst befristet bis 30. November dieses Jahres.

Durch die Sonderregelung können Versicherte, die an leichten Atemwegserkrankungen leiden, telefonisch bis zu sieben Tage krankgeschrieben werden. Eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung kann telefonisch für weitere sieben Kalendertage ausgestellt werden.

Niedergelassene Ärzte müssten sich persönlich vom Zustand der Patienten durch eine eingehende telefonische Befragung überzeugen, hieß es vom G-BA. „Die Coronainfektionszahlen sind nach einem Abflachen im Frühjahr 2022 wieder angestiegen“, begründete Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, den Beschluss. Gleich­zeitig stehe in den kommenden Monaten die Erkältungs- und Grippesaison bevor.

Mit dem Wiedereinsetzen der telefonischen Krankschreibung will der G-BA helfen, volle Wartezimmer in Arzt­praxen und das Entstehen neuer Infektionsketten zu vermeiden. Die Regelung schütze vor allem die besonders gefährdeten Risikogruppen wie Ältere oder chronisch Kranke, die dringend regelmäßig zum Arzt müssten, vor vermeidbaren und für sie besonders bedrohlichen Infektionen, so Hecken.

Die Coronasonderregelung werde derzeit auch deshalb nochmals gebraucht, weil Videosprechstunden, die ja ebenfalls einen persönlichen Kontakt vermeiden, noch nicht überall angeboten würden.

Ein Spre­cher des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sagte heute dazu, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sei sehr froh, dass sein Vor­schlag so zeitnah umgesetzt worden sei. Lauterbach hatte das Gre­mium darum gebeten, die AU wieder zügig telefonisch zu ermöglichen. Der G-BA hatte aber auch immer selbst angegeben, die telefonisch AU wieder einzuführen, sobald sich die Infektionszahlen erhöhen würden.

Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, begrüßte den Schritt heute ebenfalls. Zu den hohen Inziden­zen komme eine vermutlich hohe Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen und die Sorge vor einer weiteren Welle. „Hier kann die telefonische Krankschreibung helfen, Ansteckungen zu vermeiden, wenn Patientinnen und Pa­tien­ten mit einer Erkältung nicht mehr in die Praxis müssen.“ Langfristig aber könne ein Telefongespräch den persönlichen Kontakt mit Ärztin oder Arzt nicht ersetzen.

„Die Patientenvertretung hat sich immer klar für eine Fortführung der telefonischen Krankschreibung ausge­sprochen, umso mehr freuen wir uns über diesen Beschluss“, sagte Marion Rink, Sprecherin der Patientenver­tretung im fachlich zuständigen Unterausschuss Veranlasste Leistungen.

Die Patientenvertretung setzt sich nach eigenen Worten allerdings für eine dauerhafte Regelung ein, zu der im G-BA auch gerade ein Beratungsverfahren läuft. Insbesondere Menschen, die unter einer Immunschwäche litten oder Immunsuppressiva einnähmen, sollten regelhaft die Möglichkeit haben, sich vor einer Ansteckung in einer Arztpraxis zu schützen, hieß es dazu.

Darüber hinaus sorge die telefonische Krankschreibung dafür, Arbeitsausfälle wegen der Verbreitung von Infek­tionen im Gesundheitssystem zu minimieren und sie entlaste zudem die Arztpraxen. Auch das sei für Patienten „von großer Bedeutung, da sie auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen seien“.

Die BAG Selbsthilfe sieht das ähnlich. Die Entscheidung sei „folgerichtig und zu begrüßen“, sagte Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG Selbsthilfe. Aber man wünsche sich im Sinne der Patienten und Praxen „möglichst schnell eine dauerhafte Regelung“. Die zeitlich begrenzten Regelungen schafften immer wieder neu Umsetzungsschwierigkeiten von Praxisabläufen.

Rückendeckung kam von der DAK Gesundheit. Für ihn greift die Entscheidung zu kurz, obwohl sie grundsätzlich richtig sei, kritisierte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Er mahnte an, die telefonische Krankschreibung bei leichten Atemwegserkrankungen dürfe „nicht immer wieder zur Debatte stehen, weil sie sich bewährt hat“.

Sie schütze Beschäftigte der Arztpraxen sowie andere Patienten gleichermaßen vor einer Ansteckung. „Das Wartezimmer darf für ältere Menschen und andere vulnerable Gruppen nicht zum Risiko werden,“ begründete Storm. Bei leichten Atemwegserkrankungen mache es medizinisch wenig Sinn, wenn Betroffene nur wegen einer Krankschreibung in die Arztpraxis kommen.

„Wenn wir die Ansteckungsrisken für Erkältungskrankheiten minimieren, hilft das letztlich auch, Arbeitsausfälle im Herbst und Winter zu reduzieren,“ erklärte der Kassenchef. „Wir brauchen eine dauerhafte Lösung, für die unmittelbar nach der politischen Sommerpause die rechtliche Grundlage in enger Abstimmung mit den ärztlichen Selbstverwaltungsgremien geschaffen werden muss“, so Storm. © may/dpa/aerzteblatt.de

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