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Politik

Zwei Jugendliche in Deutschland mit Affenpocken infiziert

Dienstag, 2. August 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Berlin – Rund drei Monate nach dem ersten Nachweis der Affenpocken in Deutschland spricht das Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals von bekannt gewordenen Ansteckungen bei Minderjährigen. Bei allen Fällen, außer zwei Jugendlichen, handele es sich um Erwachsene, heißt es in der Lageeinschätzung des RKI von heute.

Zunächst hatte der Spiegel über zwei Betroffene im Alter von 15 und 17 Jahren berichtet. Wie aus einer RKI-Datenbank hervorgeht, stammen die Fallmeldungen aus Stuttgart und Erfurt, beziehen sich auf die erste Julihälfte (Meldewochen 27 und 28) und auf männliche Jugendliche. Insgesamt sind dem RKI mittlerweile 2.724 Infektionen aus allen Bundesländern übermittelt worden, fast ausschließlich handelt es sich um Männer.

„Die Übertragungen erfolgen in diesem Ausbruch nach derzeitigen Erkenntnissen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern haben“, erklärte das RKI. „Bislang sind nur fünf weibliche Fälle in Deutschland übermittelt worden.“ Mit Ab­stand am höchsten ist die Inzidenz in Berlin. „Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer“, schreibt das RKI.

Die Mortalitätsrate in den Ländern außerhalb Afrikas bleibe „extrem gering“, teilte der Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Bonn, Jürgen Rockstroh, auf Anfrage mit. Zwar sind in den vergangenen Tagen mehrere Todesfälle in Ländern bekannt geworden, für die die Erkrankung neu ist – zwei davon in Spanien.

Der Experte sieht dafür aber mehrere Gründe: So könne etwa das Ausrufen der gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einigen Tagen zu einer verbesser­ten Überwachung geführt haben. Gleichzeitig gebe es nun mehr als 20.000 Fälle weltweit, so dass auch mehr Fälle ausgewertet würden.

Rockstroh betonte darüber hinaus, dass Erkrankungen der Betroffenen erfasst werden müssten, um Faktoren zu finden, die das Risiko für Krankenhauseinweisung und Tod erhöhen. Schwere Immunsuppression scheine das Risiko für einen ungünstigen Verlauf zu vergrößern.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Präsident des Weltärztebundes (WMA), Frank Ulrich Montgomery, haben sich unterdessen für bessere Aufklärung über Affenpocken ausgesprochen und vor Stig­matisierung Erkrankter gewarnt.

„Wir müssen uns im Klaren sein, dass Aufklärung und Prävention jetzt besonders wichtig sind und früher Zu­gang zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten essenziell ist“, sagte die stellvertretende DKG-Vorsitzende Henriette Neumeyer den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

„Der Stigmatisierung von Erkrankten ist dabei dringend entgegenzuwirken, da nur dann eine effektive Ein­dämmung möglich ist“, sagte Neumeyer weiter. Das Ziel müsse sein, die weitere Ausbreitung zu stoppen, um insbesondere vulnerable Gruppen wie Menschen mit schwachem Immunsystem zu schützen. „Infektionen müssen schnell erkannt werden, und wir müssen die Impfangebote für die Risikogruppen dringend aus­weiten.“

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, forderte, besser über Affenpocken zu informieren. „Für Stigmatisierung der Erkrankten gibt es überhaupt keinen Grund“, sagte er den RND-Zeitungen. „Was wir vielmehr brauchen sind gute, verständliche Aufklärungskampagnen – sowohl der gefährdeten Personen­gruppen, wie auch der ganzen Bevölkerung.“

Die Bundesregierung stellte derweil klar, dass sie vorerst keine weiteren Affenpockenimpfstoffdosen bestel­len will. „Weitere Impfstoffbestellungen sind aktuell nicht in Planung“, sagte eine Sprecherin des Bundesge­sund­heitsministeriums (BMG) den RND-Zeitungen.

„Derzeit ist lediglich der Impfstoff Jynneos der Firma Bavarian Nordics zur Immunisierung gegen Affenpocken verfügbar“, erklärte sie weiter. „Aktuelle Herausforderung ist, dass die weltweite Nachfrage nach dem Impf­stoff das Angebot übersteigt und es zu einer temporär begrenzten Lieferfähigkeit seitens des Herstellers kommt.“

Die Deutsche Aidshilfe hatte kürzlich eine Million Impfdosen gegen Affenpocken in Deutschland gefordert. Die Bundesregierung hat bislang nur ein Viertel dieser Zahl geordert.

„Der Bund hat im Rahmen einer nationalen Beschaffung insgesamt 240.000 Dosen des Impfstoffs Jynneos / Imvanex bestellt, von denen die erste Tranche in Höhe von 40.000 Impfdosen Jynneos Mitte Juni an das zent­rale Lager des Bundes ausgeliefert wurde", sagte die Ministeriumssprecherin. „Die restlichen 200.000 Impf­stoffdosen gegen Affenpocken aus nationaler Beschaffung werden im September 2022 erwartet.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Affenpocken einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Seit Anfang Mai wurden mehr als 18.000 Fälle von Affenpocken außerhalb Afrikas registriert, die meisten davon in Europa.

Zuletzt hat es außerdem mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus gegeben: In Afrika, wo die Krankheit 1970 erstmals bei Menschen festgestellt worden war, Spanien, Indien, Brasilien und Peru. Von Infektionen sind besonders Männer betroffen, die Sex mit anderen Männern haben. © afp/aerzteblatt.de

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