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Ausland

Wähler in Kansas stimmen für Recht auf Schwangerschafts­abbrüche

Mittwoch, 3. August 2022

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Tammy Ljungblad

Washington/Berlin – Die USA ringen weiter um das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, das seit der Entschei­dung des Obersten Gerichts Ende Juni nicht mehr in der Verfassung verankert ist. Bei einem Referendum im Bundesstaat Kansas stimmte ersten Ergebnissen zufolge eine Mehrheit für ein weiterhin von der Verfassung geschütztes Abtreibungsrecht.

US-Präsident Joe Biden kündigte für heute die Verabschiedung einer Verordnung an, die den Zugang zu allen benötigten Gesundheitseinrichtungen sicherstellen soll. Sein Justizministerium reichte derweil Klage gegen den Bundesstaat Idaho ein.

Die Einwohner von Kansas hatten gestern per Referendum abgestimmt, ob das Recht auf Schwangerschaftsab­brüche aus der Verfassung entfernt werden sollte. Nach einer Auszählung von 95 Prozent der Stimmen lag der Anteil der „Nein“-Stimmen laut New York Times am frühen Mittwochmorgen bei 58,8 Prozent.

Auch weitere US-Medien berichteten über den mehrheitlich negativen Ausgang des Referendums. Aktivisten für das Abtreibungsrecht feierten die Abstimmung in Kansas als deutliches Zeichen des Wählerwillens an die Politik.

Die USA sind in Aufruhr, nachdem der Supreme Court ein Grundsatzurteil gekippt hat, das bis dahin fast 50 Jahre lang das Recht auf Abbrüche von Schwangerschaften in der US-Verfassung festhielt. Vor allem republika­nisch regierte Bundesstaaten versuchen nun, möglichst schnell restriktive Abtreibungsregelungen in ihren eigenen Verfassungen zu verankern, während die Befürworter einer liberalen Gesetzgebung juristisch Sturm laufen.

Auch die Regierung von US-Präsident Joe Biden hatte die Entscheidung des Supreme Courts scharf kritisiert und angekündigt, sich auf allen denkbaren Wegen für das Recht auf Abtreibung einzusetzen. Dem leistete Biden nun Folge mit der Ankündigung, gleich beim ersten Treffen seiner Arbeitsgruppe eine Verordnung zu unterzeichnen.

Diese soll, vage formuliert, die den Zugang zu medizinischen Einrichtungen und gesundheitlich benötigter Versorgung sicherstellen, etwa in dem Fall, dass jemand in einem bestimmten Bundesstaat reist, um die dort legalen Leistungen zu erhalten.

In einem anderen Schritt geht Bidens Justizministerium gegen den Bundesstaat Idaho vor. Justizminister Merrick Garland sagte, sein Ressort habe Klage eingereicht gegen die Pläne in Idaho, Abbrüche in fast allen Fällen zu verbieten, auch in medizinischen Notfällen für Schwangere.

Die Regelung, die dort Ende August in Kraft treten solle, sehe lediglich eine Ausnahme für Fälle vor, in denen das Leben einer Frau in Gefahr sei, nicht aber für Fälle, in denen eine Abtreibung notwendig sei, um eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit einer Frau zu verhindern.

Aus Sicht des Justizministeriums verstößt dies gegen Bundesrecht. Denn alle Krankenhäuser, die bestimmte staatliche Mittel bekämen, seien verpflichtet, Patienten in der Notaufnahme die notwendige „stabilisierende Behandlung“ zukommen zu lassen, um ihr Leben zu retten oder ernsten Schaden für ihre Gesundheit abzuwen­den. Und unter bestimmten Umständen sei als solche „stabilisierende Behandlung“ eben ein Schwangerschafts­abbruch zwingend notwendig.

Mit dem Ergebnis des Referendums sind Schwangerschaftsabbrüche in Kansas weiter bis etwa zur 22. Woche erlaubt. Damit ist der selbst mit konservativer Mehrheit regierte Bundesstaat eine Art Zufluchtsort für Schwan­gere aus nahen Bundesstaaten wie Missouri, Oklahoma oder Texas, in denen Abtreibung mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen verboten ist. © afp/aerzteblatt.de

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