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Ärzteschaft

Praxisaufwendungen deutlich gestiegen

Mittwoch, 3. August 2022

/Have a nice day, stock.adobe.com

Berlin – Die wirtschaftliche Lage in den Praxen der vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Versor­gung hat sich zwischen den Jahren 2017 und 2020 leicht verbessert. Nach einer stabilen wirt­schaft­lichen Entwicklung in den Praxen in den Jahren 2017 bis 2019 verdeutlichen die Ergebnisse für das Jahr 2020 je­doch eine Trendwende, die sich in schwächer steigenden Jahresüberschüssen äußert. Das zeigt eine Auswer­tung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Die Daten beruhen auf der steuerlichen Überschussrechnung von 3.356 Praxen. Berücksichtigt werden die Einnahmen aus kassenärztlicher und aus privatärztlicher Tätigkeit. Das Zi hat sie im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) erfasst, ausgewertet und jetzt als Vorabinformation veröffentlicht.

Die Jahresüberschüsse je Praxisinhaber – also die Gesamteinnahmen minus Gesamtaufwendungen – stiegen unter Berücksichtigung der Inflationsrate zwischen den Jahren 2017 bis 2020 um 4,2 Prozent. Die reale Ver­besserung der Überschusssituation erfolgte vor allem in den Jahren 2019 und 2020, wobei das Wachstum in 2020 auf dem Niveau von 2019 stagnierte. Im Jahr 2020 lag der Jahresüberschuss durchschnittlich bei rund 172.900 Euro je Praxisinhaber.

Die Gesamtaufwendungen je Praxisinhaber nahmen laut Auswertung zwischen den Jahren 2017 und 2020 um 13,2 Prozent beziehungsweise um 4,2 Prozent jährlich zu. Der Anstieg überschritt die Entwicklung der Ver­brau­cherpreise, die im gleichen Zeitraum im Bundesdurchschnitt um 3,7 Prozent zunahmen.

Größter Kostenfaktor für die Praxen sind die Ausgaben für Personal, die im Jahr 2020 fast 56 Prozent der Ge­samtaufwendungen umfassten. Von 2017 bis 2020 nahmen die Personalaufwendungen um 19 Prozent zu. Die größten Kostensprünge gab es zudem bei Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung (plus 38,4 Prozent), bei Material und Labor (plus 19 Prozent) sowie bei der Miete für Praxisräume (plus drei Prozent).

„Dass die Niedergelassenen 2020 mit 1,6 Prozent real noch ein kleines Plus beim Jahresüberschuss verbu­chen konnten, haben sie allein der extrem niedrigen Inflationsrate von damals 0,5 Prozent zu verdanken“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

Der gleiche nominale Zuwachs beim Jahresüberschuss würde bei der Verbraucherpreisentwicklung von 2021 mit 3,1 Prozent zu realen Verlusten der Praxen führen. „Für 2022 dürfen wir aufgrund der hohen Inflationsrate von bisher 7,5 Prozent massiv ansteigende Kosten und aufgrund von Sparmaßnahmen der Bundesregierung zugleich stagnierende, wenn nicht gar rückläufige Einnahmen erwarten“, warnte Stillfried.

Der Zi-Vorstandsvorsitzende wies daraufhin, dass die Praxen wegen der Coronapandemie seit Jahren am Ran­de der Belastungsgrenze und darüber arbeiteten. „Krisenversorgung und Regelversorgung sind eins gewor­den“, sagte er.

Wenn zu diesem Druck noch wirtschaftliche Unsicherheit komme, sei dies Sprengstoff für die ärztliche und psychotherapeutische Versorgung der gesetzlich Versicherten. „Für die Praxen muss daher möglichst jetzt ein Inflationsausgleich kommen“, so seine Forderung. © hil/aerzteblatt.de

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