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Ausland

Fall Archie: Eilantrag für lebenserhaltende Maßnahmen abgelehnt

Donnerstag, 4. August 2022

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg /dpa

London – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einen Eilantrag für eine weitere Beatmung eines als hirntot eingestuften zwölfjährigen Jungen in Großbritannien abgelehnt. Dem Antrag der Eltern auf eine Einst­weilige Verfügung gegen die geplante Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen für Archie Batters­bee werde nicht stattgegeben, erklärte das Gericht gestern Abend.

Hollie Dance und Paul Battersbee führen seit Wochen einen Rechtsstreit, um ihren Sohn Archie gegen den Rat der Ärzte am Leben zu halten. Deshalb reichten sie ihren Eilantrag bei dem Straßburger Gericht ein, nachdem sie in Großbritannien alle Instanzen ausgeschöpft hatten. Der Europäische Gerichtshof erklärte aber am Abend, der Antrag sei „unzulässig“. Derartige Anträge würden nur in „Ausnahmefällen“ bewilligt.

Hollie Dance sprach in einer Erklärung von einer „herzzerreißenden Entwicklung“. „Wir werden bis zum Ende für Archies Recht auf Leben kämpfen.“ Vor Journalisten sagte sie dann, sie wolle ihren Sohn für ein „würdevolles Ableben“ vom Krankenhaus in ein Hospiz verlegen lassen.

Heute morgen hieß es, die Eltern wollten den Zwölfjährigen zum Sterben in ein Hospiz bringen lassen. Sie hätten einen entsprechenden Antrag auf den Weg gebracht. In einem wohl letzten Versuch, das Schicksal ihres Sohnes zu beeinflussen, sei dies beim High Court in London beantragt worden, meldete die britische Nachrich­tenagentur PA unter Berufung auf einen Sprecher der Familie.

Archie liegt im Royal London Hospital in der britischen Hauptstadt. Die lebenserhaltenden Maßnahmen sollten eigentlich gestern beendet werden. Nach dem Eilantrag der Eltern in Straßburg hatte die Klinikleitung aber erklärt, sie werde die richterliche Entscheidung abwarten, bevor sie weitere Maßnahmen ergreift.

Archie wird seit April als Komapatient in einem Londoner Krankenhaus behandelt. Seine Ärzte haben den Hirn­tod des Zwölfjährigen festgestellt. Die britische Justiz folgte dieser Einschätzung und genehmigte da­her, dass bei dem Jungen die Maßnahmen zur Erhaltung von Lebensfunktionen wie ein Beatmungsgerät und die Gabe von Medikamenten Mitte Juli beendet werden.

Unterstützt von einer christlichen Organisation kämpften seine Eltern jedoch dagegen an und erwirkten durch die Instanzen immer wieder Aufschübe der Anordnung.

Archie war am 7. April bewusstlos gefunden worden, seitdem hat er das Bewusstsein nicht wieder erlangt. Nach Angaben seiner Mutter hatte er an einem in Onlinenetzwerken ausgetragenen Wettstreit teilgenommen, der da­rin bestand, sich bis zum Äußersten die Luft abzuschnüren. Vor dem Unglück war Archie ein sportlicher Junge, der unter anderem Kampfsport machte.

Nach Angaben seiner Familie war Archie in jüngster Zeit zunehmend religiös geworden. Dies müsse auch bei der Entscheidung über eine Fortsetzung seiner Behandlung berücksichtigt werden, argumentieren sie. Seinen Ärzten zufolge ist sein Fall aber aussichtslos.

„Sein System, seine Organe und sein Herz sind dabei zu versagen“, hatte Berufungsrichter Andrew McFarlane am vergangenen Montag festgestellt. Die Richter von Großbritanniens Oberstem Gerichtshof sprachen Archies El­tern „großes Mitgefühl“ aus, da sie „den Alptraum aller Eltern – den Verlust eines geliebten Kindes“ durchlebten. Dennoch müssten auch in diesem Fall die geltenden Gesetze angewandt werden.

Archies Mutter versichert, sie sei von Ärzten aus verschiedenen Ländern wie Japan und Italien kontaktiert worden, die ihr versichert hätten, dass sie eine Besserung von Archies Zustand herbeiführen könnten. Sie denke daher über Möglichkeiten nach, mit ihrem Sohn das Land zu verlassen. © afp/aerzteblatt.de

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