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Ärzteschaft

Coronapatienten zumeist von Hausärzten versorgt

Donnerstag, 4. August 2022

/KMPZZZ, stock.adobe.com

Berlin – Die überwiegende Zahl von Coronapatienten ist mit mehr als 90 Prozent der Fälle in der ersten Welle der Pande­mie (1. bis 3. Quartal 2020) sowie in der Abkling­phase von Hausärzten versorgt worden. Das zeigt eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zur vertragsärztlichen Versorgung.

Bei den Fachärzten hatten vor allem Laborärzte (je nach Quartal zwischen 55 und 66 Prozent) und Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (zwischen 18 und 23 Prozent) an der Versorgung ihren An­teil. Das dürfte sich vor allem auf die hohe Zahl an Testungen und Diagnostik zurückführen lassen.

Weitere Fachgruppen mit relevanten Versorgungsanteilen waren den Angaben zufolge die Gynäkologie (um 15 Prozent), die Radiologie, HNO, Orthopädie und Unfallchirur­gie, Dermatologie und Augenheilkunde (jeweils bis zu etwa zehn Prozent) und die Pneumologie (um fünf Prozent).

93,5 Prozent der COVID-19-Patienten hatten dabei nur einem Quartal Kontakt zu einem Arzt. Bei 6,1 Prozent der Fälle gab es in zwei Quartalen und in 0,4 Prozent der Fälle in allen drei Quartalen 2020 einen Arztkontakt, der auf die Coronainfektion zurückgeht.

Regional hätte sich ein Coronaprävalenzgefälle mit höheren Werten in Ballungs­räumen des Westens und Sü­dens und überwiegend niedrigeren Werten im Norden und Nord-Osten Deutschlands gezeigt, schreibt das Zi.

Cluster von Kreisen mit vergleichsweise hohen Diagnoseprävalenzen seien insbesondere in Westfalen, in Ba­den-Württemberg und Bayern zu finden gewesen, Cluster mit niedrigen Prävalenzen in dünn besiedelten Regionen der östlichen Bundesländer.

Wie das Zi weiter schreibt, sind in der ersten Welle der Coronapandemie sowie in der Abklingphase von Januar bis September 2020 285.000 Patienten mit laborbestätigter COVID-19-Diagnose vertragsärztlich behandelt wor­­den. Ambulant versorgt wurden weitere rund 170.000 Patienten mit epidemiologisch gesicherter Corona­diag­nose ohne Labornachweis und unabhängig von einer klinischen Symptomatik.

Der Anteil der Patientinnen lag dabei mit 56,3 Prozent geringfügig höher als in der Population gesetzlich kran­kenversicherter Frauen (54,4 Prozent) mit mindestens einem Arztkontakt in den ersten drei Quartalen 2020. Das mittlere Alter im COVID-19-Patientenkollektiv lag bei Männern und Frauen niedriger als in der Gesamtpo­pula­tion aller gesetzlich Krankenversicherten.

Die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre ist in der Patientenpopu­lation mit gesicherter CO­VID-19-Diagnose mit 7,2 Prozent deutlich seltener vertreten als in der Studienpopulation ohne COVID-19-Diag­nose (13,7 Prozent). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre mit gesicherter COVID-19-Diagnose verteilen sich zu etwa gleichen Teilen auf die Altersgruppen 0-4, 5-9 und 10-14 Jahre. In der Altersgruppe 15-19 Jahre besteht kein wesentlicher Unterschied.

Ab der Altersgruppe 20-24 Jahre übersteigt der Anteil in der Patientenpopulation mit COVID-19-Diagnose bis zur Altersgruppe 55-59 Jahre teilweise deutlich den entsprechenden Anteil in der Patientenpopulation ohne COVID-19-Diagnose. In den Altersgruppen darüber liegen die Patientenanteile in der Population mit COVID-19-Diagnose wiederum unter den Anteilen in der Population ohne COVID-19-Diagnose, außer bei den Hochbetag­ten ab 90 Jahren.

Die ausgewerteten Abrechnungsdaten zeigten eindrucksvoll, dass sich die niedergelassenen Ärzte von Beginn an in ganz Deutschland sehr engagiert eingebracht hätten und damit auch Krankenhäuser vor einer Überlas­tung geschützt hätten, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

Allerdings habe der ambulante Versorgungsanteil von COVID-19-Patienten im höheren Alter niedriger als erwar­tet gelegen. Das weise darauf hin, dass diese Gruppe aufgrund der alters- und vorerkrankungsbedingten Risiko­konstellation für einen schweren Erkrankungsverlauf primär und aufgrund erhöhter Sterblichkeit häufiger aus­schließlich stationär versorgt worden sei.

Auch Kinder und Jugendliche seien zu diesem frühen Zeitpunkt seltener unter den Coronapatienten zu finden. „Sie scheiden damit im Rückblick als Treiber der Pandemie aus“, so von Stillfried. Das Forscherteam des Zi-Versorgungsatlas will in der Folge auch die Versorgung im Zuge der weiteren Entwicklung der COVID-19-Pandemie bis zum Jahresende 2021 analysieren. © may/EB/aerzteblatt.de

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