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DLRG: Von Januar bis Juli 199 Menschen ertrunken

Donnerstag, 4. August 2022

/picture alliance, Uwe Anspach

Damp – Badewetter schon im Mai und viele in der Vorsaison noch unbewachte Badestellen haben die Zahl der Ertrunkenen in Deutschland steigen lassen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sind mindestens 199 Men­schen ertrunken. Das sind 15 Tote mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Seit Beginn der Badesaison Anfang Mai zählten die Lebensretter 136 Tote – neun mehr als im Vorjahreszeit­raum. Das teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) heute im schleswig-holsteini­schen Ostsee­bad Damp mit.

DLRG-Präsidentin Ute Vogt nannte das gute Wetter im Mai, das viele Menschen bereits zu Badeausflügen ge­nutzt hätten, als einen Grund für den Anstieg. „Dabei kam es vermehrt zu Unfällen in den noch kühlen Gewäs­sern.“ Im Mai seien 30 Frauen, Männer und Kinder ertrunken. Im Mai 2021 waren es elf. „Die Saison ist sehr herausfordernd für uns“, sagte Vogt.

Die Mehrzahl der Unfälle ereignet sich nach DLRG-Angaben im Binnenland in zumeist unbewachten Gewässern. An Nord- und Ostsee habe es bis Ende Juli dagegen nur vier Badetote gegeben. Im vergangenen Jahr ertranken nach DLRG-Angaben 299 Menschen in Deutschland. Das sei der niedrigste Stand seit mehr als 20 Jahren gewe­sen.

Die meisten Ertrunkenen gab es von Januar bis Juli in Bayern. Dort starben 42 Menschen, nach 29 im Vorjah­res­zeitraum. Im Freistaat gibt es nach DLRG-Angaben sehr viele kleine Seen und damit unbewachte Badestellen. „Die DLRG kann leider nicht überall sein“, sagte Frank Villmow aus dem DLRG-Präsidium. Die wenigsten Ertrun­kenen verzeichneten Bremen und das Saarland mit jeweils zwei Toten.

Im Gegensatz zu Flüssen und Seen seien Nord- und Ostsee sichere Reviere zum Baden, Schwimmen und für Wassersport. Das liegt nach Villmows Angaben unter anderem am größeren Respekt, den die Menschen vor dem Meer hätten. Dort seien sie vorsichtiger. In der Hauptsaison seien viele Strände an den Küsten außerdem be­wacht. 90 Prozent der Todesfälle durch Ertrinken ereigneten sich in Binnengewässern.

Negativ wirkt sich nach Vogts Angaben die lange Zeit der Coronapandemie aus. „Wir haben eine steigende Zahl von Nichtschwimmern.“ Bei Rettungen stelle sich oft heraus, dass Kinder und Jugendliche überhaupt nicht schwimmen können. Die Schwimmausbildung habe in den vergangenen beiden Jahren gelitten.

Ein Problem sei der Mangel an Rettungsschwimmern in der Vorsaison. In der Hauptsaison könnten dagegen alle Stationen besetzt werden. Im kommenden Jahr solle eine Werbekampagne gestartet werden. „Die zwei Jahre, wo wir keine Kinder ausbilden konnten, konnten wir natürlich auch die Rettungsschwimmer nicht ausbilden“, sagte Vogt.

Wichtig sei, dass nach Corona jetzt nicht wegen der Energiekrise die Schwimmbäder noch einmal geschlossen werden. Bei Ausbildungsbädern könne aber die Temperatur gesenkt werden. Geringere Anforderungen an Ret­tungsschwimmer kommen aus Vogts Sicht nicht in Betracht. „Wir können an der Qualität der Ausbildung keine Abstriche machen.“

Villmow wies darauf hin, dass drei Viertel aller Ertrunkenen männlich seien. „Frauen sind deutlich vorsichtiger.“ Gründe für das Ertrinken sind nach Villmows Angaben oft „Selbstüberschätzung, Übermut“.

Ein großer Teil der Ertrunkenen sei über 55 Jahre alt. Oft seien es auch medizinische Notfälle wie Herz-Kreis­lauferkrankungen, die zum Tod führen. Villmow forderte Eltern auf, kleine Kinder im Wasser immer in Griffweite zu behalten. Sie aus Entfernung zu beobachten, reiche nicht aus.

Der Deutsche Schwimmlehrerverband hat bereits vor einigen Wochen appelliert, vor dem ersten Baden in Seen oder dem Meer ein paar Mal ins Schwimmbad zu gehen, um die eigenen Fähigkeiten einschätzen zu können. Am ersten Tag sollte man dann nur in Ufernähe und parallel zum Gewässerrand schwimmen. © dpa/aerzteblatt.de

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