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Medizin

Weibliche und männliche Chirurgen operieren gleich gut

Freitag, 30. September 2022

/Jacob Lund, stock.adobde.com

Tokio – Das Geschlecht des Chirurgen hat auch bei schwierigen Krebsoperationen keinen Einfluss auf die Häu­fig­keit von Komplikationen oder die Sterblichkeit der Patienten. Dies zeigt jetzt auch eine Studie aus Japan, wo es noch weniger Frauen unter den Chirurgen gibt als in westlichen Ländern. Die Ergebnisse wurden im British Medical Journal (2022; DOI: 10.1136/bmj-2022-070568) veröffentlicht.

Die Chirurgie ist weiter eine männliche Domäne. In keiner anderen medizinischen Disziplin gibt es weniger weibliche Ärzte. Der Frauenanteil unter den Chirurgen lag in Großbritannien zuletzt bei 32,5 %, in Kanada bei 27,9 % und in den USA bei 22,0 %. In Japan sind gerade einmal 5,9 % der Chirurgen Frauen. Dies hängt sicher­lich mit der patriarchalischen Gesellschaftsstruktur in vielen ostasiatischen Ländern zusammen.

An der fehlenden Geschicklichkeit von Frauen kann es sicherlich nicht liegen. In einer früheren Analyse von Medicare-Daten war die 30-Tages-Mortalität mit 11,07 % versus 11,49 % sogar niedriger, wenn die Operation von einer Frau geleitet wurde.

Die Differenz von 0,43 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,28 bis 0,57 %-Punkten signi­fikant. Auch die Zahl der Patienten, die innerhalb von 30 Tagen wieder aufge­nom­men werden mussten, war mit 15,02 % versus 15,57 % niedriger, wie Yusuke Tsugawa von der T. H. Chan School of Public Health in Boston und Mitarbeiter in JAMA Internal Medicine (2017; DOI: 10.1001/jamainternmed.2016.7875 ) berichteten.

Eine spätere Untersuchung in den Annals of Surgery (2018; DOI: 10.1097/SLA.0000000000002460 ) konnte dagegen keine Unterschiede entdecken. Nach den Ergebnissen von Catherine Sharoky von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia waren die Patienten bei Chirurgen und Chirurginnen in gleich guten Händen.

Ein Team um Sachiyo Nomura von der Universitätsklinik in Tokio kann dies jetzt auch für Japan zeigen. Die Chirurgin hat hierzu die Japanese National Clinical Database ausgewertet, die Daten zu über 95 % der in Japan durchgeführten Operationen enthält.

Für den Geschlechtervergleich wählte sie 3 gastrointestinale Eingriffe. Die Wahl fiel auf die distale Gastrekto­mie und die totale Gastrektomie, die in Japan bei den dort häufigen Magenkarzinomen durchgeführt werden, sowie auf die tiefe anteriore Rektumresektion, eine Standardoperation bei Mastdarmkrebs.

Die Analyse ergab, dass Chirurginnen 5 % dieser Eingriffe durchführten (was in etwa dem Geschlechteranteil in der Bauchchirurgie entsprach). Dennoch waren die Chirurginnen benach­teiligt. Sie operierten häufiger Patien­ten, die wegen eines schlechten Ernährungszustands, einer Langzeitbehandlung mit Steroiden oder einem höheren Krankheitsstadium ein erhöhtes Komplikations- und Sterberisiko hatten.

Weibliche Chirurgen arbeiteten zudem häufiger an kleineren Kliniken (was wegen der geringeren Operations­zahlen und der fehlenden Spezialisierung ein Nachteil sein kann), und sie führten seltener minimal-invasive Operationen durch. Nomura sieht darin einen möglichen Nachteil der Chirurginnen bei der Weiterbildung.

In der adjustierten Analyse, die diese Unterschiede zu berücksichtigen versucht, waren die Operationser­gebnis­se von Chirurgen und Chirurginnen gleich: Dies gilt für die Mortalität in den ersten 30 Tagen nach distalen Gastrektomien (adjustiertes Odds Ratio aOR 0,98; 95-%-Konfidenzintervall 0,74 bis 1,29), nach totaler Gastrek­tomie (aOR 0,83; 0,57-1,19) und nach tiefer anteriorer Rektumresektion (aOR 0,56; 0,30-1,05).

Auch wenn der Endpunkt Mortalität mit schweren Komplikationen (Clavien-Dindo-Grad 3 oder höher) kombi­niert wurde, war kein signifikanter Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Chirurgen erkennbar. Die aOR betrugen 1,03 (0,93-1,14) für die distale Gastrektomie, 0,92 (0,81-1,05) für die totale Gastrektomie und 1,02 (0,91-1,15) für die tiefe anteriore Resektion.

Es kam nach den beiden Magenoperationen nicht häufiger zu Pankreasfisteln: aOR 1,16 (0,97-1,38) für die dis­tale Gastrektomie und 1,02 (0,84-1,23) für die totale Gastrektomie. Und nach der Rektumoperation kam es nicht häufiger zu Anastomoseninsuffizienzen (aOR 1,04; 0,92-1,18).

Zwar kann eine retrospektive Datenbankanalyse niemals eine Kausalität herstellen. Dass eine dritte Studie in Folge zu ähnlichen Ergebnissen kommt, spricht aber gegen die Annahme, dass es wesentliche Qualitätsunter­schiede zwischen weiblichen und männlichen Chirurgen gibt. © rme/aerzteblatt.de

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