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Medizin

Studie: Omega 3-Fettsäuren könnten Nervenwachstum fördern und kognitive Leistungen verbessern

Montag, 17. Oktober 2022

/ricka_kinamoto, stock.adobe.com

San Antonio/Texas – Eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, die im Gehirn bei der Bildung von Membranen für neue Nervenzellen benötigt werden, könnte im mittleren Lebensalter die kognitiven Fähigkeiten verbessern. Diesen Schluss legen die Ergebnisse einer Querschnittstudie in Neurology (2022; DOI: 10.1212/WNL.0000000000201296) nahe, die die Konzentration von DHA und EPA in den Erythrozyten mit den Ergebnissen in klinischen Tests und einer Magnetresonanztomografie (MRT) in Beziehung setzen.

Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) sind essentielle Omega-3-Fettsäuren. Der Körper benötigt sie als Bausteine für Zellmembranen, kann sie allerdings nicht selbst herstellen. Sie müssen über die Nahrung (vor allem Meeresfische) oder Nahrungsergänzungs­mittel aufgenommen werden.

Im menschlichen Gehirn kommt es im Erwachsenenalter vor allem im Hippocampus zur Neubildung von Nervenzellen, die dort eine Grundlage der Gedächtnisleistung ist. Es wäre deshalb biologisch plausibel, wenn die Zufuhr von DHA und EPA günstige Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen hätte.

Ein Team um Claudia Satizabal von der Universität von Texas in San Antonio hat die Frage an den Daten der aktuellen 3. Generation der „Framingham Heart Study“ untersucht. Die Analyse umfasste 2.183 Teilnehmer, bei denen im Durchschnittsalter von 46 Jahren ein MRT und kognitive Tests durchgeführt wurden.

Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren schätzten die Forscher anhand der Konzentration von DHA und EPA in den Erythrozyten ab. Dies vermeidet Ungenauigkeiten, die bei Befragungen zu den Ernährungs­gewohnheiten schnell auftreten können.

Die Analyse ergab, dass Teilnehmer mit erhöhten Konzentrationen von DHA und EPA ein erhöhtes Hippocampus-Volumen hatten. Pro Standardabweichung in einem Omega-3-Index, der aus DHA und EPA errechnet wurde, nahm das Volumen in der zentralen Region für die Gedächtnisbildung um 0,003 cm3 zu. Bei den Tests wurde einzig beim abstrakten Denken ein leichter Vorteil festgestellt.

Etwa 1/5 der Teilnehmer hatte die Variante e4 im APOE-Gen, die der häufigste bekannte genetische Risikofaktor für den Morbus Alzheimer ist. Die Personen wiesen noch keine kognitiven Störungen auf, eine erhöhte Zufuhr von DHA und EPA war bei ihnen jedoch mit einer geringeren Anzahl von Hyperintensitäten in der grauen Hirnsubstanz verbunden. Die Hyperintensitäten im MRT sind Narben, die nach punktuellen Ischämien als Folge einer Erkrankung der kleinen Blutgefäße auftreten. Eine erhöhte Anzahl geht im Alter mit kognitiven Störungen einher.

Die Beweiskraft einer Querschnittstudie ist gering. Auch wenn Satizabal dank der ausführlichen Befragungen und medizinischen Tests eine Reihe von anderen Erklärungen ausschließen konnte, bleibt es möglich, dass andere Faktoren in Ernährung oder Lebensstil, die zufällig mit einer erhöhten Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren verbunden sind, die Vergrößerung von Hippocampus und die Verbesserung der kognitiven Leistungen erklären.

Weitere Hinweise für eine günstige Wirkung von Omega 3-Fettsäuren könnten sich aus einer Langzeitstudie ergeben, die die Zufuhr von Omega 3-Fettsäuren mit späteren Demenzerkran­kungen vergleicht. Ein medizinischer Nutzen müsste letztlich in einer kontrollierten Therapie­studie belegt werden. Dass Omega 3-Fettsäuren schlauer machen, bleibt deshalb vorerst eine unbewiesene wissenschaftliche Hypothese. © rme/aerzteblatt.de

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