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Medizin

Studie: Computerspiele können tödliche Herzrhythmus­störungen auslösen

Mittwoch, 19. Oktober 2022

/sakkmesterke, stock.adobe.com

Sydney – Für Kinder und Jugendliche mit einer angeborenen Arrhythmie können die psychischen Anspannungen bei einem Computerspiel zu einem tödlichen Risiko werden. Kinderkardiologen aus Australien haben in Heart Rhythm (2022; DOI: 10.1016/j.hrthm.2022.08.003) 22 Fälle zusammengetragen. Bei einigen Kindern wurde die Grunderkrankung erst nach dem Tod festgestellt.

Sportliche Aktivitäten sind bei angeborenen Herzkrankheiten ein bekannter Risikofaktor für den plötzlichen Herztod im Kindes- und Jugendalter. Gefährdet sind vor allem Patienten mit Störungen der Erregungsleitung. In vielen Leistungssportarten wird deshalb ein kardiologisches Screening durchgeführt.

Computerspiele galten bisher als unbedenklich. Die Fälle, die Claire Lawley vom Heart Centre for Children in Sydney zusammengetragen hat, stellen diese Ansicht jetzt infrage. In PubMed und anderen Datenbanken ermittelte die Kinderkardiologin insgesamt 22 Fälle.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 16 Jahren hatten beim Computerspielen plötzlich unter Palpi­tationen und Brustschmerzen gelitten, einige waren ohnmächtig geworden, insgesamt 8 Kinder mussten reanimiert werden und 4 Kinder starben an einem plötzlichen Herztod.

Bei 19 der 22 Patienten (86 %) wurde eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert, bei 7 (32 %) war sie bereits vor dem Ereignis bekannt, in den anderen 12 Fällen wurde die Diagnose erst später gestellt.

Bei 10 Patienten bestand eine katecholaminerge polymorphe Kammertachykardie, 4 Patienten hatten ein Long-QT-Syndrom, bei 2 Patienten wurde ein idiopathisches Kammerflimmern diagnostiziert, 2 Patienten waren zuvor am Herzen operiert worden. Bei 1 Patient war eine „übersehene“ Kawasakikrankheit die Ur­sache für eine koronare Ischämie. Bei 3 Patienten, darunter 2 verstorbenen, konnte keine Diagnose gestellt werden.

Bei 13 Patienten konnte das Spiel ermittelt werden, dass die Kinder beim kardialen Notfall gespielt hatten: In 8 Fällen (62 %) handelte es sich um ein Kriegsspiel.

Als Pathomechanismus kommt die beim Spiel steigende Herzfrequenz und die Ausschüttung von Katecho­laminen infrage, wofür auch der hohe Anteil der katecholaminergen polymorphen Kammertachykardien spricht. Andere Studien haben gezeigt, dass die Herzfrequenz bei Shooter-Spielen um 80 Schläge pro Minute steigen kann.

Dies kann zu hämodynamischen Veränderungen wie beim Ausdauersport führen. Hinzu kommt, dass einige Spieler durch die Aktionen an Tastatur und Maus sichtlich in Bewegung geraten.

Der Editorialist Daniel Sohinki von der Universität in Augusta, Georgia, regt deshalb an, eSportler ebenso sie andere Leistungssportler zu screenen. eSport hat sich in den letzten Jahren zu einem globalen Wettbewerb entwickelt mit einer steigenden Zahl von Profispielern. Der Umsatz wird für dieses Jahr auf 1,38 Milliarden US-Dollar geschätzt. © rme/aerzteblatt.de

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