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Medizin

ctDNA-Veränderungen detektieren Immun­therapie-Responder

Mittwoch, 23. November 2022

/decade3d, stock.adobe.com

Berlin – Beim metastasierten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) hängt die Menge der zirkulieren­den Tumor-DNA (ctDNA) vor Therapiebeginn möglicherweise mit dem Ansprechen auf eine Immuntherapie zusammen. Dies könnte prognostisch von Bedeutung sein und die Therapieentscheidung in der Erstlinie be­einflussen. Die Ergebnisse stellten Forschende im Rahmen des 35. Deutschen Krebskongresses (DKK) in Berlin vor (Abstract 218).

Die Arbeitsgruppe unter anderem von der Lausanne University und der Uniklinik RWTH Aachen analysierte die ctDNA-Spiegel von Patientinnen und Patienten mit metastasiertem NSCLC analysiert. Diese hatten an der Phase-3-Studie MYSTIC teilgenommen und in der Erstlinie Durvalumab (D) + Tremelimumab (T), D allein oder eine Chemotherapie (CT) erhalten.

Die Blutproben beziehungsweise das Blutplasma entnahmen die Wissenschaftler zu Studienbeginn und wäh­rend der Behandlung (in Zyklus 2 von D ± T beziehungsweise Zyklus 3 der Chemotherapie). Die Sequenzierung erfolgte mit einem Panel aus 500 Genen. Als molekulare Responder galten diejenigen, die eine 50%-ige Ab­nahme der Varianten-Allel-Frequenz (VAF) gegenüber dem Ausgangsmittelwert erreichten.

Die Population mit auswertbaren Biomarkern (BEPs), die Varianten ≥ 0,3 % VAF aufwiesen, umfasste 901 Teil­nehmende zu Studienbeginn (BEP1). Während der Behandlung waren es noch 713 Personen (BEP2).

Patientinnen und Patienten mit einer zu Studienbeginn mittleren VAF unter dem Median hatten ein längeres Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS) im Vergleich zu jenen, deren mittlerer VAF-Ausgangswert den Median erreichte beziehungsweise darüber lag. Dieser Zusammenhang galt für alle Studienarme.

Molekulare Responder (MRs) hatten ein längeres OS als molekulare Non-Responder (non-MRs) sowohl unter der Durvalumab-Monotherapie (Hazard Ratio [HR] 0,41; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,28–0,6) als auch unter der Kombination aus Durvalumab und Tremelimumab (HR 0,37; 95-%-KI 0,26–0,53). Für die Chemotherapie ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht nachweisen (HR 1,1; 95-%-KI 0,84–1,5). Ähnliche Ergebnisse ergaben sich beim PFS.

In Woche 6 hatten MRs höhere partielle Ansprechraten im Vergleich zu non-MRs in allen drei Therapiearmen: D (Odds Ratio [OR] 4,4; 95-%-KI 1,7–11,6), D+T (OR 8,7; 95-%-KI 3,4–25,5) und CT (OR 8,0; 95-%-KI 2,7–32,2). Der prozentuale Anteil von Krankheitsprogressionen fiel in den Studienarmen D+T und D unter den MRs geringer aus als unter non-MRs. Für den CT-Studienarm ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht nachweisen.

Unter den Betroffenen mit einem radiologischen Ansprechen war es für MRs wahrscheinlicher als für non-MRs ein dauerhaftes Ansprechen (> 6 Monate) zu erreichen. Das galt für eine Therapie mit D (OR 4,4; 95-%-KI 2,1–9,4) und mit D+T (OR 6,8; 95-%-KI 3,2–15,2) sowie, wenn auch schwächer ausgeprägt, für eine CT (OR 2,9; 95-%-KI 0,91–12,5).

Unter den Betroffenen mit einer stabilen Erkrankung in Woche 6 hatten MRs darüber hinaus ein längeres OS als non-MRs in der D-Gruppe (HR 0,51; 95-%-KI 0,31–0,86) und in der D+T-Gruppe (HR 0,58; 95-%-KI 0,36–0,94). Diese Assoziation galt nicht für die CT (HR 1,2; 95-%-KI 0,83–1,7).

Die Ergebnisse zeigen, dass die ctDNA-Spiegel zu Studienbeginn einen prognostischen Wert für die Erstlinien­therapie des metastasierten NSCLC besitzen könnten, schlussfolgern die Studienautoren. Darüber hinaus scheine das molekulare Ansprechen prädiktiv für den zu erwartenden klinischen Nutzen von Immuntherapien, aber nicht von Chemotherapien zu sein.

Die ctDNA-Dynamik während der Behandlung sei womöglich prädiktiv für langfristige Ergebnisse der Immun­therapien und ergänze die radiologische Beurteilung. Somit könne sie die frühzeitige Therapieentscheidung unterstützen. Es stehen aber noch Analysen mit größeren Patientenkohorten aus, um ctDNA als Biomarker für das Ansprechen auf eine Immuntherapie zu validieren. © cw/aerzteblatt.de

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