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Medizin

Impfstoff-Myo­karditis: Patienten haben vorübergehend ungebundene Spike-Proteine im Blut

Donnerstag, 5. Januar 2023

/Design Cells, stock.adobe.com

Boston – Die Ursache der impfstoffassoziierten Myokarditis, zu der es in sehr seltenen Fällen nach einer COVID-19-Impfung kommen kann, war bisher völlig unklar. Jetzt haben Forscher im Blut der Patienten Spikeproteine gefunden, die anders als in einer Kontrollgruppe von gesunden Impflingen nicht an Antikörper gebunden waren. Die in Circulation (2023; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.061025Circulation) vorgestellten Ergebnisse liefern einen ersten Ansatz zur Erklärung der Impfkomplikation.

Nach etwa 1 bis 2 von 100.000 Impfungen mit den modernen mRNA-Vakzinen kommt es zu einer Myokarditis. Betroffen sind junge Menschen und hier vor allem Männer. Sie klagen in den ersten Tagen nach der Impfung über Brustschmerzen, erholen sich jedoch in der Regel nach kurzer Zeit. Die Ursache der Komplikation lag bisher völlig im Dunkeln.

Lael Yonker vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter haben bei 16 betroffenen Jugendlichen ein ausführliches Immunprofil erstellt. Dabei wurden zunächst keine neuen Erkenntnisse gewonnen. Die Myokarditis ging mit einem Anstieg des Troponins auf median 160 ng/l einher.

Auffallend ist auch ein erhöhtes C-reaktives Protein (median 29,75 mg/l), das auf eine Entzündung hinweist. Eine dafür verantwortliche Immunreaktion konnten die Forscher zunächst nicht finden. Es bestanden keine Unterschiede in Antikörperproduktion, Autoantikörpern, T-Zell-Profilen oder früheren Virusexpositionen.

Auffällig war dagegen eine erhöhte Konzentration von Spikeproteinen. Diese Proteine werden von den Körperzellen gebildet, die nach der Impfung die mRNA in Proteine umsetzen, was der gewünschte Effekt der Impfung ist. Normalerweise sind diese Proteine im Blut jedoch an Antikörper gebunden. Bei den Patienten lagen sie dagegen in ungebundener Form vor.

Es gibt gewisse Parallelen zum multisystemischen Entzündungssyndrom (MIS-C), an dem Kinder im Anschluss an eine Infektion mit SARS-CoV-2 erkranken. Die Komplikation tritt soweit bekannt aber nicht nach einer Impfung auf. Beim MIS-C wird ein Virusbestandteil als Trigger der Entzündungsreaktion vermutet. Er konnte jedoch bisher nicht identifiziert werden. Es erscheint möglich, dass das ungebundene S-Protein bei den Myokarditis-Patienten in ähnlicher Weise eine Entzündung im Herzmuskel auslöst.

Die meisten Patienten erholen sich nach wenigen Tagen von der Myokarditis mit einer Normalisierung von Troponin und C-reaktivem Protein. In dieser Zeit geht auch die Produktion des S-Proteins zurück, weil die mRNA-Moleküle in den Zellen relativ schnell zerfallen oder abgebaut werden. Die Frage lautet nun, warum die Spike-Proteine bei den Myokarditis-Patienten nicht an Antikörper gebunden sind. © rme/aerzteblatt.de

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