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Politik

Regierung wirbt für Fachkräftestrategie

Freitag, 20. Januar 2023

/dpa

Berlin – Mit mehr Aus- und Weiterbildung, gezielter Einwanderung und mehr Frauen in Vollzeitjobs will die Bundesregierung dem wachsenden Fachkräftemangel begegnen. „Fachkräftesicherung ist Wohlstandssiche­rung“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) heute bei der ersten Beratung der Fachkräftestrategie im Bundestag.

Aus den Reihen der Opposition gab es unter anderem Kritik für aus ihrer Sicht zu hohe bürokratische Hürden. Bis 2035 fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt laut Heil sieben Millionen Fachkräfte. Hintergrund ist, dass in den kommenden Jahren die Generation der Baby-Boomer zunehmend in Rente geht.

Nun will die Regierung Aus- und Weiterbildung gezielt fördern sowie die Arbeitschancen etwa für Frauen mit Kindern oder für Menschen mit Handicap verbessern. „Und wenn wir all diese inländischen Register gezogen haben, brauchen wir trotzdem zusätzlich qualifizierte Zuwanderung, um unsere Volkswirtschaft am Laufen zu halten“, sagte Heil. Heil hatte bereits angekündigt, dass die Regierung ihr geplantes Gesetz für zusätzliche Einwanderung im März ins Bundeskabinett bringen wolle.

Heftige Kritik an den Zuwanderungsplänen kam von der AfD. „Diese linksliberale Politik ist nicht nur kurz­sichtig, sie spaltet unsere Gesellschaft und gefährdet den sozialen Frieden“, sagte der AfD-Abgeordnete René Sprin­ger. „Die Migrationspolitik der Bundesregierung löst den Fachkräftemangel nicht, sie verschärft ihn.“ Viele Migranten lebten auf Kosten der Steuerzahler, behauptete Springer.

Der CDU-Abgeordneten Marc Biadacz warf der Regierung vor, mit den „falschen Instrumenten“ zu planen. Ein großer Wurf sei es nicht. „Zur Wahrheit gehört, dass unnötige Bürokratie, fehlende Digitalisierung und lange Wartezeiten für viel Frust sorgen. Das macht unseren Arbeitsmarkt unattraktiver.“

Die Linke sieht in den Plänen Chancen. „Wenn die Bundesregierung mit ihrer Fachkräftestrategie nun endlich Menschen eine echte Chance am Arbeitsmarkt und guter Arbeit den Vorrang gibt, dann hat sie die Linke an ihrer Seite“, sagte die Linke-Arbeitsmarktexpertin Susanne Ferschl.

Mit Blick auf die Pläne zur Fachkräfteeinwanderung kritisierte sie: „Hören Sie auf, Menschen nach ihrer wirt­schaftlichen Verwertbarkeit zu beurteilen. Die einen, die Sie gerne haben möchten und die anderen, die Sie am liebsten über das Meer zurückschicken würden.“

Der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring hob die geplante stärkere Förderung von Weiterbildungen hervor. „Diese Koalition schafft endlich bessere Bedingungen für lebenslanges Lernen.“ Bei Weiterbildungen seien allerdings auch die Unternehmen selbst gefragt, sagte Natalie Pawlik (SPD).

Die Fachkräftestrategie sieht unter anderem vor, den Zugang für jede und jeden zur Weiterbildung ohne Altersbegrenzung zu erleichtern. Bestehende Angebote würden transparenter gemacht. Neu eingeführt wer­den soll eine Bildungszeit, bei der Beschäftigte eine Weiterbildung machen und dabei Unterhalt von der Bundesagentur für Arbeit erhalten können sollen.

Deutlich bemühen will sich die Regierung darum, Arbeitspotenziale zu heben. So arbeiteten viele Frauen heute in Teilzeit, weil sie Kinderbetreuung leisten müssten. Vor allem in Ostdeutschland wollten viele in Teilzeit arbeitende Frauen ihre Arbeitszeit ausweiten, so die Regierung.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte, den Personalmangel im sozialen Bereich stärker in den Blick zu nehmen. Qualifizierte Aus- und Weiterbildung seien auch ein Schlüssel gegen den Personalnotstand in den Gesund­heits-, Pflege und Erziehungsberufen, sagte die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands, Michaela Engel­meier, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Diese immer wichtiger werdenden Be­rufsgruppen müssten bei den Reformplänen der Bundesregierung eine zentrale Rolle spielen. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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