Medizin
Sitzende Kinder haben später ein schwereres Herz
Freitag, 25. August 2023
Amsterdam – Stundenlange Inaktivität in der Kindheit könnte Herzinfarkten und Schlaganfällen später im Leben den Weg bereiten, wie eine beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam vorgestellte Studie zeigt. Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche im Sitzen verbrachten, desto stärker stieg ihre linksventrikuläre Masse an.
„All diese Stunden, die junge Menschen vor dem Bildschirm verbringen, summieren sich und führen zu einem schwereren Herzen, von dem wir aus Studien mit Erwachsenen wissen, dass es das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht“, erklärt Studienautor Andrew Agbaje von der Universität Ostfinnland in Kuopio, im Vorfeld des Kongresses. „Kinder und Jugendliche müssen sich mehr bewegen, um ihre Gesundheit langfristig zu schützen.“
In der beim ESC vorgestellten Studie wurde erstmals untersucht, wie sich die im Sitzen verbrachte Zeit – gemessen per Smartwatch – bei jungen Menschen im späteren Leben auf das Herz auswirkt. Sie ist Teil der Children of the 90s-Studie, die 1990/1991 begann und eine der weltweit größten Kohorten ist, die die Lebensstildaten ihrer Teilnehmenden von Geburt an erhebt.
Im Alter von 11 Jahren trugen die Kinder erstmals 7 Tage lang eine Smartwatch mit einem Aktivitätstracker. Dies wurde im Alter von 15 und 24 Jahren widerholt. Die Masse des linken Ventrikels wurde im Alter von 17 und 24 Jahren mittels Ultraschall ermittelt und indexiert auf Körpergröße hoch 2,7 angegeben.
Mehr als 6 Stunden am Tag im Sitzen
Eingeschlossen wurden 766 Kinder, 55% Mädchen und 45% Jungen. Im Alter von 11 Jahren verbrachten sie im Schnitt 362 Minuten am Tag im Sitzen. Dies stieg auf 474 Minuten in der Jugend (15 Jahre) und 531 Minuten im jungen Erwachsenenalter (24 Jahre) an. Das heißt, die im Sitzen verbrachte Zeit stieg zwischen Kindheit und jungem Erwachsenenalter im Schnitt um 169 Minuten am Tag an.
Jede zusätzliche Minute Sitzen war zwischen 17 und 24 Jahren mit einer Zunahme der linksventrikulären Masse um 0,0004 g/m2,7 assoziiert – nach Adjustierung um Alter, Geschlecht, Blutdruck, Körperfett, Rauchen, körperliche Aktivität und sozioökonomischen Status.
Multipliziert um 169 Minuten zusätzliche Inaktivität entspricht dies einer Zunahme der linksventrikulären Masse um 0,7 g/m2,7 – äquivalent zu einer Zunahme um 3 g in linksventrikulärer Masse zwischen EKG-Messungen bei durchschnittlichem Längenwachstum.
Eine Studie mit erwachsenen Teilnehmenden hatte gezeigt, dass eine vergleichbare Zunahme der linksventrikulären Masse (1 g/m2,7) über einen 7-Jahres-Zeitraum mit einem um das 2-Fache erhöhten Risiko für Herzkrankheit, Schlaganfall und Tod assoziiert war.
„Die Kinder verbrachten mehr als 6 Stunden am Tag im Sitzen und diese Zahl war noch um fast 3 Stunden angestiegen, als sie das junge Erwachsenenalter erreicht hatten. Unsere Studie zeigt, dass die Akkumulation inaktiver Zeit mit einer Schädigung des Herzens in Verbindung steht, unabhängig von Körpergewicht und Blutdruck.
Eltern sollten ihre Kinder und Teenager dazu ermuntern, sich mehr zu bewegen , etwa indem sie sie auf einen Spaziergang mitnehmen, und gleichzeitig die mit Social Media und Videospielen verbrachte Zeit begrenzen“, so Agbaje. © nec/aerzteblatt.de








