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Ausland

Belgien: Ausweitung der Euthanasie untergräbt Verantwortungsbewusstsein

Montag, 13. Februar 2006

Brüssel - In Belgien ist die Debatte über eine weitere Liberalisierung des Euthanasie-Gesetzes voll entbrannt. Auslöser ist der Fall von aktiver Sterbehilfe bei einer Alzheimer-Kranken. Ende Januar hatte der behandelnde Arzt der 87-Jährigen einen tödlichen Medikamentencocktail verabreicht, nachdem diese in einem angeblich geistigen lichten Moment danach verlangt hatte. 

Das im Oktober 2002 von der belgischen Regierung erlassene Sterbhilfe-Gesetz sieht Euthanasie bei todkranken entscheidungsunfähigen Minderjährigen und Personen, die nicht im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte sind, bislang nicht vor. Allerdings haben Vertreter der Sozialisten und der Allianz der Liberalen und Demokraten inzwischen einen Entwurf vorgelegt, wonach es Ärzten erlaubt sein soll, aktive Sterbehilfe künftig auch bei diesen Personenkreisen zu leisten, ohne eine Strafverfolgung zu riskieren. 

Der ehemalige Präsident des nationalen Bioethik-Komitees, Léon Cassiers, fürchtet, dass eine solche Ausweitung der Euthanasie die Gefahr berge, dass die Solidarität und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber diesen Menschen verloren gehen. „Die Gesellschaft wird dadurch dazu verführt, einem Menschen, der der Gemeinschaft nicht mehr ‚nützlich’ ist, den Wunsch nach Sterbehilfe nahe zu legen“, sagte Cassiers der belgischen Tageszeitung „Le Soir“. 

Auch hält Cassiers es für unverantwortlich, Ärzten diesem gesellschaftlichen Druck auszusetzen. Sie dürften nicht vor die Frage gestellt werden, ob sie eigentlich schmerzstillende Medikamente bei einem Demenzkranken so hoch dosieren, dass diese dessen Tod herbeiführen. 

Der Psychiater verwies auf die Niederlande, in denen Euthanasie unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls erlaubt ist. Offiziell sei dort zwar die Zahl der Euthanasie-Fälle zurückgegangen. „In einigen Fällen jedoch, in denen die Ärzte lediglich eine schmerzlindernde Behandlung dokumentiert haben, handelte es sich in Wirklichkeit um aktive Sterbhilfe“, meint Cassiers. /ps

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