Ausland

UN-Experten: Konzept der weltweiten Drogenbekämpfung greift nicht

Mittwoch, 1. März 2006

Wien - Drogenexperten der Vereinten Nationen (UNO) haben eine ernüchternde Bilanz des bisherigen Vorgehens im Kampf gegen den Drogenanbau in Entwicklungsländern gezogen. Das seit 30 Jahren angewendete Modell, Drogenbauern zum Anbau legaler Produkte zu ermutigen, habe nur bescheidene Resultate gezeigt, sagte der Präsident des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB), Hamid Ghodse, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2005 am Mittwoch in Wien. Es habe sich herausgestellt, „dass es entgegen den ursprünglichen Annahmen weitaus schwieriger ist, den illegalen Anbau von Pflanzen, aus denen Drogen hergestellt werden, einzudämmen und Ersatzanbauprodukte zu fördern“. 

Das bisherige Vorgehen der internationalen Gemeinschaft sei zu sehr auf Einzelprojekte in ländlichen Gebieten konzentriert gewesen, kritisierte Ghodse. „Dieser eindimensionale Ansatz hat nicht die gewünschten Ergebnisse gezeigt.“ Nötig sei nun ein „wirklich umfassendes Konzept alternativer Entwicklung“; dazu gehörten die Entwicklung von Verkehrswegen, Bildungsmaßnahmen, Sicherheit und Stabilität. Auch den Armen in den Städten müsse geholfen werden, um auch den Handel mit Drogen auszutrocknen. „In einem derartigen Umfeld, in dem darüber hinaus Drogen auch noch einfach erhältlich sind, ist der kriminelle Weg unter Umständen der wesentlich einfachere und attraktivere als der Pfad der Tugend.“  

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Trotz der Unzulänglichkeiten verzeichneten die INCB-Experten auch positive Entwicklungen. So habe die weltweite Anbaufläche für Opium-Mohn mit Ausnahme Afghanistans 2004 nur 32 Prozent der Fläche von 1994 betragen. Bei Koka-Sträuchern fiel die Fläche bis 2003 auf den Wert von 43 Prozent im Vergleich zu 1995. Große Sorgen bereitet den Experten immer noch Afghanistan, das auch im Jahr 2005 weltgrößtes Anbaugebiet für Opium gewesen sei. Die Produktion fiel im Vergleich zum Vorjahr um nur 100 Tonnen auf 4.100 Tonnen. Als positives Beispiel nennt der Bericht Thailand. Zwischen 1965 und 2000 sei hier die Anbaufläche für Opium um 98 Prozent gesunken. 

Der INCB, bestehend aus 13 Experten, überwacht die Einhaltung internationaler Drogenabkommen durch die Regierungen und prüft nationale und internationale Drogenkontrollsysteme. /afp

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