Medizin

Gute Therapieergebnisse mit Indolebant beim Motivations-Defizit-Syndrom „MoDeD“ (1. April)

Freitag, 31. März 2006

Newcastle/Australien - Ein Fünftel der Bevölkerung leidet nach neuen Studienergebnissen an einer „motivational deficiency disorder“ (MoDeD). Die Folgen für die Volkswirtschaft sollen enorm sein. Nach einem Bericht im Britischen Ärzteblatt vom 1. April (BMJ 2006; 332: 745) hat sich ein Cannaboid-Antagonist in einer Phase-II-Studie als wirksam erwiesen. Die Zulassungsbehörden haben eine beschleunigte Bearbeitung der Zulassung zugesagt. Es gibt jedoch auch Stimmen, die vor einem Missbrauch der „Droge“ durch Arbeitssüchtige warnen.

Erstbeschreiber der Erkrankung ist der Neurologe Leth Argos von der Universität Newcastle in Australien. Eine MoDeD könne im Anfangsstadium leicht übersehen werden, meint der Experte, zumal die Patienten lange unauffällig bleiben. Argos vermutet, dass sie die Krankheitszeichen durch vermehrte Geselligkeit verbergen. Anfangs könne die Erkrankung sogar soziale Bindungen fördern. Patienten mit MoDeD fänden sich häufig in Vereinen. Auch in Führungspositionen großer Konzerne soll es Erkrankungsfälle gegeben haben. 

Wenn die Erkrankung fortschreite, komme es jedoch meistens zum beruflichen Abstieg, der unvermeidlich werde, wenn eine lähmende und den Patienten selbst überwältigende Apathie auftrete. Argos berichtet sogar von Todesfällen, ausgelöst durch ein Übergreifen der Motivationsstörung auf das Atemzentrum.

Die Diagnose erfolgt mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und eines Fragebogens zur Bestimmung einer „motivation rating scale“. Der Fragebogen sei ursprünglich für Leistungssportler entwickelt worden, erläutert Argos. Experten gelinge es in der Regel auf Anhieb eine exakte Diagnose zu stellen. Aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades werde das MoDeD jedoch viel zu selten diagnostiziert. Dies könnte sich schon bald ändern. Auf der Agenda des quirligen Neurologen steht ein Vortrag auf der „Inaugural Conference on Disease-Mongering“, die Mitte April in Newcastle stattfindet. Auf dieser Fachtagung sollen weitere verbreitete Erkrankungen vorgestellt werden, deren Existenz sich zuverlässig aus der Möglichkeit einer Therapie ableiten lasse. 

Milde Verlaufsformen der MoDeD sind offenbar sehr häufig. Argos schätzt die Prävalenz auf ein Fünftel der Bevölkerung. Einer Studie zufolge betragen die Ausfälle für die australische Volkswirtschaft 2,4 Milliarden $A im Jahr (1,4 Milliarden €). Glücklicherweise könnte schon bald eine Therapie zur Verfügung stehen. Healthtec, eine aufstrebende Biotechnologie-Firma in Australien, hat einen Cannabinoid-CB1-Rezeptor-Antagonisten mit der Bezeichnung Indolebant entwickelt, der in einer Phase-II-Studie viel versprechende Ergebnisse erzielt hat. Indolebant ist laut Argos erstaunlich wirksam und gut verträglich. Ein junger Mann mit fortgeschrittener MoDeD, der nicht mehr in der Lage war, sich vom Sofa zu erheben, arbeite jetzt erfolgreich als Investmentberater in Sydney.

Die Firma hat bereits Anträge auf eine beschleunigte Zulassung des Medikamentes gestellt, so bei der amerikanischen FDA und bei der europäischen EMEA. Ein Sprecher des deutschen BfARM teilte auf Nachfrage mit, ihm sei kein derartiger Antrag bekannt. Dies müsse aber nicht viel heißen, denn aufgrund der hohen Prävalenz des MoDeD sei nicht auszuschließen, dass der Zulassungsantrag von einem Kollegen bearbeitet werde, der selber an einem MoDeD leide.

Auch die Bundesagentur für Arbeit meldete Interesse an. In einem ersten Schritt wolle man, natürlich wertfrei, untersuchen, ob die Erkrankung unter Arbeitslosen häufiger auftrete als in der Allgemeinbevölkerung. In diesem Fall könnte eine Therapie mit Indolebant möglicherweise helfen, die Arbeitslosenzahlen zu senken. Als Endpunkt einer Studie sei die Zahl der Bewerbungen denkbar, die ein Harz-IV-Empfänger innerhalb eines Monats schreibe. Prof. S. Eifrig vom Max-Planck-Institut für Motivationsforschung in Saarbrücken bezweifelte, dass das Medikament wirklich frei von Nebenwirkungen ist. Ein Missbrauch zur Steigerung der Arbeitsmotivation sei denkbar. Gefährdet seien insbesondere auch Ärzte. Sie könnten der Versuchung erliegen, lange Dienstzeiten mit Hilfe von Indolebant durchzustehen. /rme

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