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Medizin

Todesnahe Erlebnisse nur ein Traum – Studie vermutet REM-Phänomen

Dienstag, 11. April 2006

Lexington - Immer wieder berichten Patienten nach schweren Unfällen oder nach einer Reanimation über todesnahe Erlebnisse, die oft sogar als angenehm empfunden werden. In der Öffentlichkeit werden daraus gern weitreichende theologische Schlüsse bis hin zum Gottesbeweis gezogen. Eine Fall-Kontroll-Studie in Neurology (2006: 66: 1003-1009) reduziert sie dagegen auf eine Variante des REM-Schlafs.

Was bei todesnahen Erlebnissen (near death experience, NDE) im Gehirn vorgeht, wird man wohl nie wissen, klinische Experimente verbieten sich naturgemäß. Die einzige Möglichkeit das Phänomen zu erforschen, besteht in der Befragung von Menschen, die bereits ein NDE erlebt haben. Für viele Patienten ist das Phänomen so beeindruckend, dass sie sich im Internet mitteilen. Über eine dieser Organisationen, die „Augenzeugenberichte“ sammelt, der Near Death Experience Research Foundation, hat Kevin Nelson, ein Neurologe der Universität von Kentucky in Lexington Kontakt zu 55 Personen aufgenommen, die nach einem Verkehrsunfall oder einer Herzoperation ein NDE erlebt hatten.

Die NDE gingen mit unterschiedlichen Gefühlen einher. Einige meinten, sie (beziehungsweise ihre Seele) hätten für kurze Zeit den Körper verlassen, anderen berichteten über eine ungewöhnliche Wachheit, obwohl sie sich in tiefer Bewusstlosigkeit befanden. Andere nahmen ein intensives Licht um sich herum wahr oder berichteten über ein Gefühl tiefen Friedens, während sie wie gelähmt gewesen seien. Anders als die zahlreichen Chronisten dieser außersinnlichen Wahrnehmungen vermutet Nelson hinter den NDE eine normale Leistung des Gehirns während der Traumphase.

Während der REM-Phase, der an den schnellen Augenbewegungen (rapid eye movement) zu erkennenden Traumphase des Schlafes, kann es nämlich auch zu außerkörperlichen Erfahrungen (OBE) und anderen NDE-Phänomenen kommen, nur dass sie heute niemand mehr für paranormal hält. Bei einigen Menschen treten diese REM-Phasen auch im halbwachen Zustand auf. Die Neurologen sprechen von einer REM-Intrusion. Dazu gehört auch das Gefühl der Lähmung und die Wahrnehmung von akustischen Phänomenen. Auch die Erfahrung, von einem hellen Licht umgeben zu sein, lässt sich aus neurologischer Sicht auf eine Aktivierung des visuellen Kortex während des REM-Schlafes reduzieren. REM-Intrusionen treten bei Narkolepsien und epileptischen Anfällen auf.

Nelson hat die 55 Patienten mit NDE-Erlebnissen nach derartigen REM-Intrusionen befragt. 60 Prozent kannten sie. In einer Kontrollgruppe ohne NDE-Erlebnisse gaben dagegen nur 24 Prozent an, schon einmal REM-Intrusionen erlebt zu haben. Der Neurologe vermutet deshalb, dass Menschen mit REM-Intrusionen eine besondere Prädisposition zu NDE haben. /rme

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