Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fibrodysplasia ossificans progressiva: Gen für das „zweite Skelett“ entdeckt

Mittwoch, 10. Mai 2006

Philadelphia - Punktmutationen in einem kurzen Gen auf dem Chromosom 2 sind die Ursache der Fibrodysplasia ossificans progressiva (FOP), einer äußerst seltenen Erkrankung, die mit einer fortschreitenden Verknöcherung des Binde- und Stützgewebes einhergeht. Von der Entdeckung in Nature Genetics (2006; 38: 525-527) versprechen sich die Forscher nicht zuletzt neue Erkenntnisse über Bildung und Erkrankungen des Skelettsystems.

Die autosomal dominante FOP gehört zu den seltensten genetischen Erkrankungen. Weltweit gibt es nach Einschätzung von Frederick Kaplan von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia nur 2.500 Patienten, von denen er etwa 600 persönlich kenne, behauptet der orthopädische Chirurg, der sich seit vielen Jahren der Erforschung der FOP verschrieben hat.

Kinder mit FOP sind bei der Geburt bis auf eine Verkürzung der Großzehe (Monophalanx) unauffällig. In der frühen Kindheit kommt es dann zu schmerzhaften Schwellungen, die häufig als Tumoren fehlinterpretiert werden. Diese Läsionen verheilen dann überraschenderweise unter Bildung eines Knochengewebes. Es kommt zu weiteren Läsionen, bis am Ende der gesamte Körper von knöchernen Bändern, Flächen und Platten wie von einem Außenskelett eingemauert ist, die die Beweglichkeit immer weiter einschränken. Jeder Versuch, die Knochen zu entfernen, führt nur zu einer erneuten und laut Kaplan explosionsartigen Bildung von neuem Knochengewebe. Denn jedes kleine Trauma und sei es nur im Rahmen einer Impfung oder eines Zahnarztbesuches, ist der Ausgangspunkt für die ossäre Metamorphose, für die es bisher keine medizinische Behandlung gibt.

Kalan und Mitarbeiter hatten den Defekt zunächst im Signalweg des „bone morphogenetic protein“ (BMP) vermutet, das in der Embryogenese und nach der Geburt an der Knochenheilung beteiligt ist. Der Defekt befindet sich aber, wie die jetzigen Ergebnisse einer langjährigen Suche zeigen, in einem Rezeptor für BMP, dem „Activin Receptor Type IA“ oder ACVR1, einem von drei bekannten BMP Typ I Rezeptoren. Das ACVR1-Protein besteht aus 509 Aminosäuren, und eine Punktmutation an Position 206 scheint für fast alle bekannten Erkrankungsfälle verantwortlich zu sein. Die Folge ist möglicherweise eine Überaktivität der dem Rezeptor nachgeschalteten Stoffwechselwege, die dann die Knochenbildung in Muskel- und Knorpelzellen anregen. 

Das ACVR1-Gen gehört zu den ältesten Genen der Wirbeltiere. Die Forscher schätzen sein Alter auf 400 Millionen Jahren. Auch die Dinosaurier dürften mit dem gleichen Gen ausgestattet gewesen sein, dessen Sequenz sich in den Evolution kaum verändert hat. Fische, Nager und Menschen haben heute ein nahezu identisches Gen. 

Eine erste Konsequenz der Entdeckung dürfte die Entwicklung eines Mäusemodells sein, mit dessen Hilfe die genauen pathophysiologischen Vorgänge erforscht werden sollen. Eine Behandlung des FOP liegt zwar noch in weiter Ferne. Die Entdeckung eines Stoffwechselweges, über den die Knochenbildung derart stark stimuliert werden kann, dürfte aber auch jene Forscher interessieren, die sich mit Erkrankungen beschäftigen, in denen es zu einem vermehrten Knochenabbau kommt, etwa der Osteoporose. Bei diesen Patienten könnten Wirkstoffe, die den Rezeptor ACVR1 an den richtigen Stellen stimulieren, zu neuen Therapieansätzen führen. /rme

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige